befallen
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1248, Z. 51
ahd. pifallan (Graff 3, 461), alts. bifallan, ags. befeallan, engl. befall, mhd. mnl. unüblich, aber möglich, nnl. bevallen.
1)
intransitiv, collabi, corruere, niederfallen: das haus befiel, domus corruit, wie man ahd. sagte sunnâ pifial, die sonne sank, gieng unter, ist nieder gegangen; er befiel am fieber, lag nieder, correptus est febre;
er kam nit weiter denn gen Menz,
befiel bald an der pestilenz.
Waldis 4, 65;
nnl. de vrouw beviel, ist nieder gekommen, kindes entbunden; zij is van eenen zon bevallen, mit einem sohn nieder gekommen, sehr ausdrucksvoll, weil die gebärende zu boden fällt und des kindes entledigt wird:
ik berghde zelf haar vrucht, toen zij in duin beviel.
Vondel.
das ursprüngliche die frau ist mit einem kinde befallen wandte man aber uneigentlich auf den mann oder auf beide eltern zusammen an und fügte werden statt sein hinzu: gutedel und blutarm war ein frommer alter edelmann, dazu mit vielen kindern befallen (gleichsam gesegnet). Kirchhof wendunm. 75ᵃ; aus heidnischem mistrauen, weil sie sorg haben, sie möchten mit vielen kindern befallen werden. Creidius hochz. serm. 2, 252. denn angefallen werden, corripi, irrui läszt sich dies mit kindern befallen doch nicht deuten, wie freilich das befallen mit einer krankheit: da ich denn auf der rückreise mit einer heftigen krankheit befallen wurde. pers. reiseb. 2, 1; ist sie endlich darüber mit einem verzehrenden fieber befallen. Plesse 3, 60; als wenn ich über und über mit einer nesselsucht befallen wäre. Göthe 16, 271. heute heiszt es auch von statt mit, was der bedeutung des anfallens zu statten kommt, während mit dem fieber befallen leichter ausdrückt am fieber niederliegend. er ist vom heftigsten fieber befallen, ergriffen, angefallen (vgl.anfallen sp. 332), πυρετός oder πῦρ ἔλαβε bei Hippokrates. in andern beispielen ist aber das intransitivum noch vollkommen deutlich: vier tage vor der lindnerischen auction befiel ich krank (= tombai malade). Hamann 5, 199; nun konnte es (das vieh) nicht einmal vor die mauern getrieben werden, und befiel mit tödtlichen seuchen. Niebuhr 2, 284. zulässig wäre darum auch: sie befiel ohnmächtig, sank, fiel hin, nieder, tomba evanouie, obschon es ungebräuchlich ist. figürlich: ihr schicksal hat sie, fürcht ich, mit poeterei befallen lassen. herzogin Amalie bei Merck 1, 349.
2)
transitiv, invadere, anfallen: ein fieberschauer befällt mich jeden abend; ich bin stark vom schnupfen befallen; was befällt dich, dasz du so redest?;
und ein stilles zittern befiel den staunenden seraph.
Mess. 5, 757;
die pest befiel ihn und er muste sterben; die stadt ist von der cholera befallen worden; gestern hat den kranken grosze schwachheit befallen; das alter befällt uns unvermerkt; furcht befiel alle thiere, die des löwen gebrüll vernahmen; schlaf befällt ihn, wenn er reden will; regen, schnee befiel uns, als wir über das gebirge zogen; mehlthau befiel das getraide. die participialfügungen: befallene keller mit asche, collapsi cineres in cellis. Stieler 421; mit schnee befallene dächer, tecta nivibus obruta, mit steinen befallene felder, lassen sich auch nach 1 fassen: die keller befielen mit asche, die dächer mit schnee, d. i. asche, schnee fiel nieder auf sie. das den grafen befallene unglück. Göthe 38, 289, entweder das ihn betroffen hat oder von dem er überfallen wurde.
einer ist doch wie der andre,
dasz er zu gaffen sich freut, wenn den nächsten ein unglück befället.
40, 237.
An sich scheint fallen überhaupt ein intransitiver begrif (und erst fällen wird transitiv), transitivem anfallen (invadere) lag zum grunde intransitives fallen an einen (vadere in aliquem); auf solche weise wird auch bei befallen die intransition vorherschen.
3)
nnl. bevallen auch gefallen, behagen: het bevalt mij niet. das ist nicht hochdeutsch. ebensowenig das engl. it befell, es trug sich zu, fiel vor.
befällen
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1249, Z. 40
obruere, sternere, ahd. pifellan, pifalta (Graff 3, 467): will es vonnöthen sein, aufs förderlichst von e. k. f. gn., als die gott in solchem fall dazu gefodert und mit der that befället, von vier personen lassen das land zu visitiern. Luthers br. 3, 136. wenn die lesart richtig und befället, wie gefodert, das part. praet. ist, so musz es den sinn von obrutus, tectus, thatsächlich bestimmt gewähren. könnte es aber die III. praes. sg. sein, so gehört es zum vorausgehenden befallen, befiel, kaum zu befehlen, befahl, da Luther befilhet schreibt.
Zitationshilfe
„befallen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/befallen>, abgerufen am 14.10.2019.

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