begegnen n
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1284, Z. 57
das veränderte begegnen von woldenkenden schwiegereltern. Göthe 48, 34.
begegnen
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1283, Z. 15
obviam venire, occurrere, widerfahren, ahd. pikaganan, bigagenan (Graff 4, 140), mhd. begagenen, begegenen, begeinen (Ben. 1, 493ᵇ), nnl. bejegenen, bei Kilian betegenen d. i. betejegenen. da man die zweite und dritte person begegenst, begegent bildete, so lag es nahe, auch den inf. begegen für begegenen, wie segen für segenen zu schreiben, beispiele liefert Luther, auch Folz reimt begegen: gelegen. Haupt 8, 513. heute gilt begegnest, begegnet, also auch nur begegnen. Die bedeutung gestattet beides, sowol einer oder etwas begegnet mir, als ich begegne einem oder einer sache.
1)
leibliches begegnen meist mit dem dat., der aber auch unterbleiben kann: herr du gott meines herrn Abrahams begegen mir heute (occurre mihi hodie). 1 Mos. 24, 12; Jacob aber zoch seinen weg und es begegneten im die engel gottes. 32, 1; wenn dir mein bruder Esau begegnet. 32, 17; was wiltu mit alle dem heere, dem ich begegnet bin? 33, 8; und er gieng hin und begegenet im am berge gottes und küsset in. 2 Mos. 4, 27; und da er von dannen zoch, fand er Jonadab, der im begegent und grüszet in. 2 kön. 10, 15; es ist besser eim beren begegen, dem die jungen geraubt sind, denn eim narren in seiner narrheit. spr. Sal. 17, 12; wisse, dasz dir gott begegnet hat. Agricola spr. 9ᵃ;
Amea ist so wunderhübsch, die schwangern meiden sie,
es gehet ab ohn misgeburt, wo sie begegnet, nie.
Logau 2, zug. 120;
Mutius ist eine biene, fleucht herum auf allem süszen,
ist nicht stolz, was nur begegnet, zu beherzen zu beküssen.
124;
und wolte fast jeglichen baum, der uns begegnete (auf den wir stieszen) ausreiszen. pers. rosenth. 1, 18; hat mir ein mensch begegnet. 3, 14; es hatten ihnen etliche soldaten begegnet. pers. reiseb. 1, 4; denen (angelangten fremden) der wirt mit einem trunk warmen sekt begegnete (entgegen kam). Weise erzn. 388; indem kam der priester selbst, und wolte seinen gästen mit einem guten morgen begegnen. kl. leute 368;
viel edle ritter find ich hier versammelt,
und alle augen glänzen freudenhell,
nur éinem traurigen hab ich begegnet,
der sich verbergen musz, wo alles jauchzt.
Schiller 469ᵃ;
seit wann begegnet der tod dir fürchterlich?
Göthe 8, 275;
begegnest mir auf neu beblümten matten.
3, 21;
jeder begegnende priese dich selig.
Voss Od. 15, 537.
einen wol tadelhaften acc. der person, wie er bei antreffen oder finden steht, scheint der eindruck des franz. rencontrer zu veranlassen:
ein gärtner hatte
den prinzen dort begegnet.
Schiller 273ᵃ;
wenn man auch nicht weisz, was man unterwegs antreffen, unterwegs begegnen werde. Göthe 21, 219; ich werde die herrn grüszen, wenn ich sie begegne. Hippel br. 13, 116.
2)
abstract: denn er sprach, es möchte im ein unfal begegnen. 1 Mos. 42, 4; lasset euch die hitze, so euch begegnet, nicht befremden. 1 Petr. 4, 12; untrew, so ihm von Wernhart und andern seinen widersächern begegnet war. Galmy 354;
mit dankbarkeit ... begögnen.
Weckherlin 241;
niemand hat mir das geringste böses gethan oder mir mit widerwillen begegnet. pers. baumg. 4, 27; wird mir mit manier und höflichkeit begegnen. Schuppius 606; und seiner frauen sagt, was für grosze gnaden ihrem herzliebsten (d. i. ihm) begegnet sei. 26; und mir von guten leuten viel ehre begegnete (widerfuhr). 317; beide hatten einander auf der bahn des ruhms und am throne begegnet. Schiller 804; Heinrich war ihnen auf dem italienischen feldzug sehr gebieterisch begegnet. 1043;
dem festlichen tage
begegnet mit kränzen.
Göthe 2, 32;
ihm begegnet neckisch genug ein unglück nach dem andern. 25, 37; so will ich ihnen noch eine andere sehr seltsame begebenheit erzählen, die mir wenige monate vor meiner letzten rückreise nach Europa begegnete. Münchhausens reisen 81; in Albano sprach ein anderer geist als in Schoppe, aber beide begegneten sich bald (trafen in ihren ansichten zusammen). J. Paul Tit. 2, 82; ihm wird wol oder übel, mild oder hart, anständig oder unanständig, unverzeihlich begegnet. Auch hier erscheint zuweilen die accusativconstruction mit dem sinne von behandeln: darüber ward er von seinem bittersten feinde übel begegnet. pers. baumg. 4, 19; indem er ihn mit gründlicher widerlegung nicht begegnen kunte. pers. rosenth. 7, 20;
doch wenn die luft nachher sie widriger begegnet.
Brockes 6, 170;
unter den klagen und vorwürfen, die er denjenigen machte, welche ihn mit so vieler grausamkeit begegneten, sagte er. Lessing 6, 215.
3)
hervorzuheben ist die bedeutung von geschehen, sich zutragen, ereignen, engl. occur, meist ohne dativ:
ich bitt um gnad, es soll nicht mehr begegnen.
Schiller 536;
wer ist der weiseste? der nichts anders weisz noch will, als das was begegnet. Göthe 14, 180; nur ein wunderliches unglück begegnete bei dieser gelegenheit. 17, 250; wie vieles war begegnet, seitdem sie die stimme dieses treuen lehrers nicht vernommen. 17, 274; ich weisz es schon, sagte die gräfin, was mag wol begegnet sein? 18, 307. man sagt aber auch, das soll mir nicht wieder begegnen, das kann jedem begegnen.
4)
die bedeutung von gegenwehr, widerstand leisten, entgegentreten, zuvorkommen: dis erwehne ich allhier, damit dem teufel und seinen propheten begegne. Mathesius 48ᵃ;
dasz sicher sie dem feind begögnen.
Weckherlin 364;
meine obrigkeit worde den verkaufern und spargenten diser pasquill begegnen, wie es die reichsabschied und die gesetze dieser löblichen stadt Hamburg erfordern. Schuppius 566; dasz ich mit heimlichem gelächter den politischen begegne. 710; wie ich nemlich schon angemerkt, wollte Berengarius seinem gegner in dessen eigener methode begegnen. Lessing 8, 334; und auch auf diesen fall versiehet mich unser manuscript mit gründen ihm zu begegnen. 8, 352; alle zerstreuungen und ergetzlichkeiten, womit man diesem übel zu begegnen gesucht hatte, wollten nichts mehr verfangen. Wieland 6, 27; damit dem übel mit den gehörigen mitteln in zeiten begegnet werden könne. 7, 221; einem dritten fall hatte Lykurgus nicht begegnet, wenn nemlich der senat selbst seine macht misbrauchte. Schiller 1020;
wer begegnet ihrer wuth?
Göthe 2, 27;
doch ein wort zu den verwegnen.
ja ein wort soll euch begegnen
kräftig wie ein donnerschlag.
2, 28;
begegnet so, im würdigsten beschäftigt,
der dämmerung, der nacht, die uns entkräftigt.
13, 170;
sie war zufrieden, der kleinen überraschung und beschämung, die man ihnen zugedacht hatte, auf diese weise zu begegnen. 20, 188. Die angeführten stellen zeigen, dasz das praet. sowol mit haben als sein gebildet wird, heute herscht letztere weise vor.
Zitationshilfe
„begegnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/begegnen>, abgerufen am 20.11.2018.

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