begieszen
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1294, Z. 31
perfundere, ahd. pikioʒan, bigiaʒan (Graff 4, 284), mhd. begieʒen (Ben. 1, 541), nnl. begieten, mit wasser netzen, beschütten: so man das ausz grebt und mit bast verbindet und mit wasser unden begüszet. Keisersb. sünden des munds 63ᵇ; Jacob aber richtet ein steinern mal auf an dem ort, da er mit im geredt hatte, und gosz trankopfer drauf, und begosz in mit öle. 1 Mos. 35, 14; wenn der staub begossen wird, das er zu hauf leuft. Hiob 38, 38; ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen, aber gott hat das gedeihen gegeben. 1 Cor. 3, 6; so ist nun weder der da pflanzet, noch der da begeuszet etwas, sondern gott, der das gedeihen gibt. 3, 7; der aber pflanzet und der da begeuszet ist einer wie der ander. 3, 8; also sind die feinde Christi auch so rachgirig und heisz begossen. Luther 5, 55ᵃ; aber so heisz ist der hasz und grim uber mich begossen (ausgegossen). 6, 6ᵇ;
das wo die sonn und nacht entsteht,
das was die see pflegt zu begieszen,
die für sich oder rückwärts geht,
wird als ein wasserstrom verflieszen.
Opitz 1, 222;
welche veränderung! sehet ich baue,
pflanze, begiesze, versetze, behaue.
Gryphius 1, 622;
begeusz mit einer flut von thränen diesen hügel.
Canitz 178;
ich wollt vorhin mein klares garn begieszen.
Gellert 3, 381;
gott thut nicht alle ebner weis mit dem regen der reichthumb begieszen. Schuppius 755; begossener hund. Schiller an Göthe 194; er stand da wie ein begossener hund, ganz aus der fassung gebracht; pflegte meistens die rolle zu übernehmen, wenn jemand schläge kriegen oder begossen werden sollte. Göthe 18, 240; das heisze ich doch fürwahr sich begieszen, um seine kunst im fleckauswaschen zu zeigen. Lichtenberg 5, 141; sie hatte in Maienthal noch gepäck abzuholen, freundschaften zu begieszen. J. Paul Hesp. 1, 126; und als der mond mit seinem erdenlicht die wangen der unbekannten erscheinung begosz. 1, 248; ein graues land, das die sonnensichel mit einem eklen, erdfahlen licht begosz. Tit. 4, 52. die nase begieszen heiszt sie zu tief ins glas stecken, sich mit wein begieszen, betrinken: der cavalier weisz nicht, wie er mit diesem närrischen weibe dran ist, denket bisweilen, sie habe sich etwa die nase begossen. ehe eines mannes 340; stänker und saumägen, die ungezankt und ungeschlagen nicht leben können, sonderlich wann sie die nase begossen. Hohberg 1, 144ᵇ; er hat sich die nase begossen. Lichtenberg 3, 76. nnl. een werk begieten, lustig auf den fortgang eines geschäfts trinken.
Zitationshilfe
„begieszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/begieszen>, abgerufen am 17.11.2019.

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