begraben
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1304, Z. 16
humare, terra condere, ahd. pikrapan, mhd. begraben, nnl. begraven. das goth. bigraban ist umgraben.
1)
den leib, leichnam begraben, in der bibel unzählige mal: und du solt faren zu deinen vetern und in gutem alter begraben werden. 1 Mos. 15, 15; das ich meinen todten begrabe, der fur mir ligt. 23, 4; nim von mir das geld fur den acker, so wil ich meinen todten daselbs begraben. 23, 11; darnach begrub Abraham Sara sein weib. 23, 19; folge du mir, und lasz die todten ire todten begraben (goth. laistei afar mis jah lêt þans dauþans filhan seinans dauþans). Matth. 8, 22; (seinans navins). Luc. 9, 60; bei Keisersb. sünd. des munds 33ᵃ lasz die todten die todten begraben und folg du mir nach; das wir miteinander begraben und besungen werden. Wirsung Cal. g 4ᵃ; haben in solchem habit sterben und begraben sein wollen. bienenk. 23ᵇ; weil er in weisze tücher begraben worden. 149ᵇ;
erde, mein mütterlich land, die du mich im kühlenden schosze
einst zu den schlafenden gottes begräbst.
Klopstock Mess. 3, 2.
die leiber der ermordeten Jasoniden will ich in den tempel der Pallas begraben. Klinger 2, 242; in einen flusz begraben. 5, 380; einen lebendig begraben;
er war ein narr, die welt zu fliehn,
und sich lebendig zu begraben.
Gökingk 2, 112.
man kann auf die praepositionen den acc. oder dat. folgen lassen, Luther zieht letztern vor: ward begraben an dem wege. 1 Mos. 35, 19; begrabe mich in meinem grabe. 50, 5; begrub in im tal im lande. 5 Mos. 50, 5; begruben in in seinem hause. 1 Sam. 25, 1. doch steht auch der acc., namen ire gebeine und begruben sie unter den bawm. 1 Sam. 31, 13; bis sie in die erde begraben werden. Sir. 40, 1; begruben sie bei iren man. apostelg. 5, 10. die fügung des acc. ist lebhafter, dem passivum ziemt mehr der dativ.
2)
anderes sinnliches begraben, bedecken, einhüllen:
begrabend häuser, stät und kirchen in die aschen,
die luft in ach und weh.
Weckherlin 320;
herr, ob jetzt begraben liegt lust und zierde der natur,
weil der graue flockenmann drüber führt die rauhe spur.
Logau 2, 2, 42;
Klepax, der so manches thier in den magen hat begraben,
hat nun auch ein warmes grab inner einem fromen raben.
2, 9, 14;
die welt im chaos begraben. Kant 8, 330; gegenden die unter der tiefe des meeres begraben waren. 9, 8;
dann, wenn wir an ein mauseloch,
um zähne zu begraben, hinken.
Gökingk 1, 204;
das wiesenthal begrub ein see.
Bürger 36ᵃ;
und läg er nur noch immer in dem grase!
in jeden quark begräbt er seine nase.
Göthe 12, 23;
wie die sonne sinkt am abend
sich im goldnen glanz begrabend.
Rückert 368;
unter dem garten murmelte der begrabne bach. J. Paul Tit. 2, 109.
3)
abstractionen: was aber in diesen worten tiefer begraben. Wimpina bei Luther 5, 17ᵇ; wird gott an irem irrthum zufrieden sein und alles ins vater unser begraben, da wir sagen vergib uns unser schulde. 5, 246ᵃ;
was kan ein solcher herr für kluge sinnen haben,
dem allzeit die vernunft im becher liegt begraben
und auf dem glase schwimmt?
Opitz 1, 7;
wann ich denke mehr zurücke
auf die nun verrauchte zeit, auf mein mir begrabnes glücke.
Logau 2 s. 46;
dieser titel (auferweckte gedichte) ist ein beweis, dasz diese sinngedichte damals schon begraben gewesen sind. Ramlers und Lessings vorr. zu Logau xiii; als die aufgehende sonne das jonische meer mit ihren ersten strahlen vergoldete, fand sie alle diejenigen (mit Virgil zu reden) von wein und schlaf begraben (vino somnoque sepultos), welche die nacht durch dem Bacchus und seiner göttin schwester geopfert hatten. Wieland 1, 36; in tiefem schlafe begraben liegen. Klinger 10, 76;
wenn sich mein geist, von traurigkeit durchbebt,
mit seinen schlummernden begräbt.
Gotter 1, 434;
nicht wahr es ist ein tiefer schlaf, in dem er begraben liegt? Göthe 11, 68; aller welt anmut liegt begraben für mich. Klingers th. 2, 368; über das angesicht des landes strich der kalte schatten eines begrabnen schmerzes. J. Paul Hesp. 1, 39; das pfarrhaus, das die bühnen der begrabnen freundschaft bedeckte. 4, 22; zerfallene gestalten, die eure seele begrub (in vergessenheit senkte). Tit. 2, 72; da liegt der hund begraben.
4)
man hat ihn begraben (er ist trunken). Lichtenberg 3, 76, vgl. die vorhin aus Opitz 1, 7 und Wieland 1, 36 angezognen stellen.
5)
begraben, umgraben, mit gräben umziehen: die begrabenen kämpe, felder. in Niederdeutschland.
Zitationshilfe
„begraben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/begraben>, abgerufen am 18.10.2019.

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