beifall m. pl.
Fundstelle: Lfg. 6 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1368, Z. 54
ein heute häufiges, ahd. mhd. abgehendes wort, dem von natur, wie dem einfachen fall, die intransitive bedeutung ruina, casus zugestanden haben musz. Dasypodius und Maaler stellen es nicht auf, erst bei Henisch 258 wird es angetroffen. Luther braucht es in der bibel gar nicht und sonst selten.
1)
es bedeutet ihm allapsus, accessio, transitus, das fallen von einem zum andern: das ir aber gedenkt, ir werdet durch solchen beifall zum römischen stuel verkomen (hindern) mügen, das Behmen hinfurt nicht weiter in secten mügen zutrennet werden, das wird durch dis mittel fürwar nicht geschehen. 2, 144ᵃ; sich solchs bei- oder zufalls zum römischen stuel enthalten. br. 2, 226.
2)
hieraus flieszt der sinn von comprobatio, adstipulatio, assensio, wer einem beifällt, zu seiner partei tritt, der billigt und lobt ihn, nnl. bijval. wir sagen: sein beifall ermutigt uns, der beifall der menge, ein allgemeiner, öffentlicher, lauter, rauschender, schmeichelhafter beifall. diese worte erregten lärmenden, stürmischen beifall, der sich in händeschlag (applausus) und zuruf (acclamatio) äuszerte; dieser wein hat meinen beifall (mundet mir); der redner, der prediger, der professor hat, findet beifall, hat keinen beifall, verdient ihn, verliert ihn, weisz ihn sich zu erhalten; liest mit vielem beifall, ohne beifall; strebt nach beifall; alles lächelte beifall. Ungenau scheint aber das schon bei Henisch aufgeführte, jetzt allgemein verbreitete einem beifall thun, geben, zustimmung, lob geben, weil, was zufallen, sich ereignen musz, nicht gegeben werden kann. dieselben, meinet ich, solten uns desto bessern beifall thun. Ayrer proc. 1, 11; Plautus war also genöthiget, seinen stücken beifall zu verschaffen, einen theil von diesen scherzen beizubehalten. Lessing 3, 15;
dem wachtmeister musz ich beifall geben.
Schiller 327ᵇ;
wenn er sich auch von der heftigkeit seines temperaments hinreiszen liesz, dem völlig reifen complot seinen beifall zu geben. 1071; ich las ein stückchen davon in meiner gestrigen gesellschaft vor. man gab ihm vielen beifall. Göthe an Schiller 53; auszerdem ist ja den kindern bekannt, dasz ohne etwas wein und etwas beifall keine poetische ader offen gehalten werden kann. Lichtenberg 3, 71; der verstand ist zum beifalle sehr geneigt. Kant 8, 34; beifall in die hände schlagen. Klinger 3, 33. ehmals auch beifall in einer klage, subscriptio. Henisch 258. beistimmung, weniger als lauter beifall, ist ein ruhiges, auf gründe gestütztes billigen.
3)
das nnl. bijval bezeichnet noch, dem ursprunge des worts gemäsz, einen sinnlichen zutritt und zuschlag beim gewicht, z. b. wij hadden maar op honderd pond gerekend, doch er was nog een bijval van tien pond.
Zitationshilfe
„beifall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/beifall>, abgerufen am 22.09.2019.

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