berauben
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1488, Z. 68
spoliare, privare, goth. biraubôn, ahd. piroupôn (Graff 2, 358), mhd. berouben, nnl. berooven, ags. bereáfjan, engl. bereave, eigentlich ausziehen, entkleiden, wie bei Ulfilas Luc. 10, 30 biraubôdêdun ina gerade zu ἐκδύσαντες αὐτόν, vulg. despoliaverunt eum, verdeutscht. auch entspricht ags. reáf vestis, tunica, ahd. roup, mlat. rauba, franz. robe kleid ganz dem lat. spolium und exuviae (von exuere, excubiae bei Graff 2, 357 für exuviae), abgezognes kleid (neben indusium, angezognes). mehr unter raub und rauben.
1)
der entzogne, sinnliche oder unsinnliche, gegenstand steht im gen., die person im acc. (oder nom.): warumb solt ich ewr beider beraubt werden éinen tag? 1 Mos. 27, 45; ir beraubt mich meiner kinder. 42, 36; auswendig wird sie das schwert berauben. 5 Mos. 32, 45; und gab sie in die hand dere, die sie raubten, das sie sie beraubten. richt. 2, 14; wie dein schwert weiber irer kinder beraubt hat, also sol auch deine muter kinder beraubt sein unter den weibern. 1 Sam. 15, 33; ich wil in senden wider ein heuchelvolk, und im befelh thun wider das volk meines zorns, das ers beraube und austeile. Es. 10, 6; sein haus beraube. Matth. 12, 29; sehet zu, das euch niemand beraube. Col. 2, 8; also asz Esau geitiglichen ein schüssel mit linsen aus, darumb ward er beraubt des segens von gott. Keisersb. sünden des munds 5ᵃ; weger wer dir gewesen, das du ein zeitlichs hettest verloren, weder das du des ewigen muͦst beraubt sein. 22ᵃ; verschweigt nun einer ding, die er beichten sol, so wirt er der frucht beraubt, die von der beicht kümpt. 78ᵇ; der ward mit beraubtem (abgehaunem) haupt und händ unbegraben hinweg geworfen. Frank weltb. 189ᶜ; sondern er wird auch aller seiner ehren und glaubens beraubet und entsetzet. Fronsperg kriegsb. 3, 151ᵇ; sonder beraubt auch den menschen seines verstands. bienenk. 244ᵃ;
sag wil sie ferner mir nicht trauen,
so soll sie dessen sein gewis,
dasz ich mich wil der welt berauben
mit mancher noth und herzverdriesz.
Neumarks lustw. 77.
so noch heute: er ist seiner augen, seines gesichts beraubt; der lange krieg beraubte das vaterland seiner kräftigsten söhne; du willst mich alles trostes, aller hofnung berauben; das kind, seiner kleider beraubt, fror; die äpfel der schale berauben, abschälen; den baum des laubs;
geheimnisvoll am lichten tag
läszt sich natur des schleiers nicht berauben.
Göthe 12, 42.
der gen. kann aber ausgelassen und hinzugedacht werden:
entlaubet ist der walde
gen diesem winter kalt,
beraubet wird ich balde (meiner wonne, hofnung),
mein lieb das macht mich alt.
Hoffm. gesellsch. nᵒ 4;
als sie ihre nassen augen mit dem schwarzen spitzenflor verhüllte, der nachher immer über seinen (des lichts) beraubten augen herüber hieng. J. Paul Hesp. 2, 171; ich will dich nicht berauben, du beraubst dich (der dargebotnen sache). statt des gen. die praep. an:
der mensch beraubt den mensch an dem, das ihm gegeben
von leumut, ehre, gut, gesundheit, wolfart, leben.
Logau 1, 3, 33.
2)
dat. der person, acc. der sache, wie bei bestehlen:
sie (die juden) haben das tempelgeld uns beraubt.
G. Mauricius weisen aus morgenland. 1606 C 4ᵇ;
dem ackerman die ernd, dem kaufman all sein gut,
dem hofman seinen pracht, dem kriegsman seinen mut,
dem bürgern seine ruh, und jedem noch das leben
beraubend.
Weckherlin 516;
wir lassen uns berauben
das beste auf der welt durch gar zu leichten glauben.
Opitz 1, 435.
es sollte einfaches rauben gesetzt sein, vgl. die fügung von schenken und beschenken. richtig wäre der dat. und acc., wenn sich ein ausgefallner gen. hinzudenken läszt, z. b. du hast mir meinen garten (des obstes) beraubt. auch H. Sachs schreibt III, 1, 163ᵇ falsch:
die kleinater darausz beraubt seind,
für geraubt.
Zitationshilfe
„berauben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/berauben>, abgerufen am 21.11.2019.

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