Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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bescheid, m.

bescheid, m.
peritia, responsum, decisio, ausweis, weisung, ein heute gangbares, ahd. und mhd. nicht vorkommendes wort, nnl. bescheed, bescheid, schw. dän. besked; richtig gebildet von bescheiden, während uns aus abscheiden und unterscheiden ein unorganisches abschied, unterschied für abscheid, unterscheid entspringt. Luther, obschon bescheiden verwendend, braucht in der bibel nicht bescheid. mit unrecht aber erklärt Adelung die meisten bedeutungen von bescheid für gemein und niedrig.
1)
gerichtliche entscheidung, bescheid, vorbescheid, endbescheid, wodurch die parteien beschieden werden: es ist bescheid erfolgt, recht gewiesen, gesprochen worden; es liegen schon drei bescheide vor; fiel endlich der bescheid. Lessing 1, 160; bescheid geben, ertheilen, erhalten, erlangen; auf die angebrachte klage wird hiermit zum bescheide gegeben; der bescheid lautet günstig, ungünstig;
wo im steifen sonntagskleide
uns die etiquette zehn bescheide
über eines tages wetter macht.
Gökingk 1, 47.
2)
überhaupt bestimmung, unterweisung, auskunft, antwort: bis auf weiteren bescheid, bis auf weiteres;
tom daude bereid,
up widern bescheid,
tom lilienstrut:
waker mäken bistut?;
wenn er die viertausend reichsthaler auszahle, so solle er doch dasjenige, was er haben müsse, bei sich behalten, bis auf weitern bescheid. Schuppius 257; die platten wurden bis auf weitern bescheid wieder an ihren ort und stelle gelegt. Felsenb. 3, 329; soll das kriegsvolk in ein ander läger, ferners bescheids daselbst zu warten, geschickt werden. Kirchhof mil. disc. 106; ist das nicht ein feiner bescheid, kompt auf den abend zu haus? bienenk. 76ᵃ.
3)
bescheid geben: guten, rechten bescheid geben; kurzen bescheid geben, kurz abfertigen:
gib nur guͦten bscheid,
doch sag im nit dein heimlichkeit.
Ringwald bilger 26;
morgen so soll man euch ewer werbung bescheit geben. Aimon T 4; ob si schon ains oder zweimal ihren liebhabern abschlegigen beschaid gegeben. Wirsung Cal. H 3ᵃ;
der oberst gab in kurzen bescheid,
er sprach, das wer mir ewig leid,
solt ich die statt aufgeben.
Soltau 384;
ich geb eim jedern fein bescheid.
Ringwald laut. warh. 10;
was gibst mir für ein bscheid? Garg. 93ᵇ; von diesem puncten viel bescheids zu geben. bienenk. 16ᵃ;
ihr ochsen, die ihr alle seid,
euch flegeln geb ich den bescheid.
Gellert 1, 205;
sie gab mir mit der verdachtlosesten, freimütigsten, reinsten engelsmiene bescheid, als ob ich ihr vater wäre. der arme mann im Tockenb. 295;
gebt uns bescheid, was damit werden soll.
Schiller 548ᵃ;
irrend gieng ich umher, und fragte nach deiner behausung,
keiner der eitelsten selbst konnte mir geben bescheid.
Göthe 1, 312.
ebenso, den bescheid erhalten, bekommen, kriegen, zum bescheid kriegen, finden: ein ungetrauter krigt zum bescheid. pers. baumg. 7, 29; verrichtete die sache aufs beste, so mir möglich war, bekam aber geringen bescheid. Schweinichen 1, 173;
ir herrn wolt ir dan horen bescheid?
fastn. sp. 338, 5;
erwartet keinen andern bescheid.
Schiller 456ᵇ;
darnach ist im kein land zu weit,
darein lauft er mit eren,
bis er auch findt bescheid.
Uhland 517;
auf Gabes zuͦ, do findt ir bescheid.
Schmelzl Saul 23ᵃ;
ich finde darüber keinen bescheid.
4)
bescheid haben, mit verschiednem sinn,
a)
antwort, auskunft: er hat seinen bescheid, hat die gewünschte weisung erhalten; wer sein bescheid hat, der mag reiten wann er will (der bote mit der ihm ertheilten antwort). Lehmann 195;
drauf hätt ich gern heimlich erwünschten bescheid.
Bürger.
b)
kenntnis, wissenschaft:
weil du dann nun zu dieser zeit
meins zustands hast genug bescheid.
W. Spangenberg anbind oder fangbriefe C 3ᵃ.
c)
zugewiesenes theil, was ihm beschieden ist:
ein jeder stand hat sein bescheid.
Alberus 155;
jedoch hat kurzweil sein bescheid,
wenn es geschicht zu seiner zeit.
Ringwald l. warh. 87.
d)
entscheidung, ordnung, beschaffenheit, bewandtnis: das hat seinen bescheid, das ist schon beschieden, gesagt, abgethan, actum, transactum est: wie man dieselben etwan an leib und guͦt strafet, das hat alles sein bescheid und ist nit not das selb hie ze sagen, ir hond sein eben genuͦg. Keisersb. sünden des munds 73ᵇ; aber das hat seinen bescheid, das nichts draus wird auf diesmal. Luthers br. 3, 76;
ein ieglich ding hat sein bescheid,
wenn es geschicht zu rechter zeit.
Waldis Esop 3, 71;
so bin ich dann gar schnell bereit
zuͦ volstrecken meinen bescheit.
Wickram bilger 2;
wo wir sie (die wolle) bekommen können, so ist es gut, wo nicht, so hat es auch seinen bescheid. Schweinichen 1, 362; ich sollte die ketten (von der jungfrau) nemen, warum ich es aber nicht thun wollte, hat seinen bescheid, und danke gott, dasz er mich vor allem übel behütet hat. 1, 218;
zu diesem hats auch den bescheid,
das solches gut nicht lang gedeit.
Ringwald l. warh. 23;
aber das hat nun seinen bescheid, es pleibt doch einen weg wie den andern disz allezeit fest. bienenk. 119ᵇ; aber das hat seinen bescheid, wie des mönchs hand unter der priorin tafel. 90ᵇ; nun disz hat seinen bescheid wie glocken weihen und narren gieszen in der fasznacht, es geht doch beids auf schellen und klingeln aus. 156ᵇ; es hat mit dir einen andern bescheid als mit mir. Henisch 300. vgl.das hat seine guten wege.
5)
bescheid, der ort wohin man beschieden wird (vgl. bescheiden 5), das rendezvous, die abrede: in gottes namen lässet sich der mönch zuͦ der nunnen aus dem closter. das walt gott, und glück zu, spricht jede, so sie auf den bschaid will gehen. Frank paradoxa 124ᵇ (133);
so spiln der plinten meus die meid,
die haben darbei auch iren bescheid
in sundern stuben mit den knaben.
fastn. sp. 385, 28;
dein gelt vor niemant spiegle nicht,
damits nit etwan einer sicht,
und mach mit andern buͦben bscheit,
wart auf dich dauszen auf der heid.
Wickram bilger 26.
6)
bescheid wissen, bekannt sein, umzugehn wissen, wissenschaft haben, vgl. 4ᵇ: ich weisz von allem bescheid. Claudius 1, 10; ein zauberer, der mit übernatürlichen dingen bescheid weisz. Kant 1, 226; ebenso wuste sie im baum- und blumengarten bescheid. Göthe 17, 78; das kind wuste in der geographie schon guten bescheid; ich weisz keinen bescheid in der stadt; er weisz hier rechten bescheid; wissen sie auch im himmel bescheid? Grabbe scherz 2, 121; Ulenspiegel was in allen zuͦ bescheid und musten im alle recht geben. Eulensp. cap. 28, wo die späteren ausgaben setzen: E. war ihnen allen zu listig, man könnte auch vermuten: zu bescheib.
7)
bescheid, intelligentia, prudentia, fug, verstand: doch hat disz seinen bescheid, wan es in guter andächtiger meinung geschicht. bienenk. 175ᵃ;
der mit verständigem beschaid
nichts dan was billich wil versprechen.
Weckherlin 50;
und weil uns kein mensch mehr mit tröstlichem beschaid
kan oder darf des laids und ellends end fürbringen.
184;
doch mag er auch .. mit gut bescheid
der welt gebrauchen als zur not.
Ringwald l. warh. 21;
dasz alle menschen lügner sein, ist mit bescheid zu nemen,
die schrift, die siht auf unsre zeit, da lügen heiszt bequemen.
Logau 2, 2, 13.
8)
bescheid thun, nach der analogie zwischen thun und geben, kann gerade aussagen was bescheid geben, und bei Alberus ist auch ich thu bescheit respondeo, wie wir sagen ich gebe oder thue dir bescheid auf deine frage:
der wirt .. that
bescheid auf alle meine fragen.
Gökingk 3, 159;
mit speer und schwert thun wir männern bescheid. Fr. Müller 1, 359. Bald aber wurde dieses bescheid thun vorzugsweise gebraucht von dem trunk auf zutrunk, zubringen, respondere salutem propinanti, wo man nie sagt bescheid geben. franz. faire raison, it. far ragione nel bere, engl. pledge, nnl. bescheid doen, schw. göra besked för en skaͦl, böhm. splniti (erfüllen, leisten), poln. odpijać. Schon Maaler 60ᵃ hat: das freundlich und holdsälig nöten ze trinken oder bescheid zethuͦn, certamen mite vini; bescheid thun, gleichthun, par facere. Henisch 300; du bringst mir mehr, denn ich bescheid thun kann;
thuͦt rechten bscheid, ich dien euch allen,
keim nit zu leid noch wolgefallen,
eim will ich wie dem andren schenken.
Scheits grob. H 1ᵇ;
so trinkt er dann und thuͦt dir bscheid,
es sei ihm gleich lieb oder leid.
das.;
wanns gschirr dann ler ist, steht gar wol,
laszt du es wider schenken vol
und thuͦst dem bringer dopplen bscheid.
P 2ᵇ;
hat niemand dem ers bring, der ihm bescheid thut. Garg. 68ᵇ; thust du nit bescheid, es ist mir leid. 87ᵃ; schenk ein das glas, thu bescheid, bei meinem eid ich hab dirs bracht ohn allen pracht. 98ᵇ;
Marin der trank dir zu, du hast bescheid gethan.
Gryphius 2, 488;
gott segn es, lieber bruder,
thu mir fein bald bescheid.
Simpl. 3, 916;
der tisch, die bänk und boden wurden genetzt mit wein,
aus kacheln und aus schuhen muste gesoffen sein,
kes, butter, fleisch und suppen warfen wir in den trank,
jeder must thun bescheide, mit oder ohne dank.
Philand. lugd. 3, 11;
das ist kein überflusz, wenn man vornehmen leuten einen erleidlichen ehrenbecher bescheid thut. Weise erzn. 18; wenn der salbeiwein kömt, so wolle er auch eins bescheid thun. Schuppius 109; ein glas wein auf geruhige nacht bescheid thun. irrgarten der liebe 143; hiermit nahm Eckhart ein glas wein und brachte es dem ambtmann in gesundheit mons. Talanders zu, welcher es bescheid that, wie auch die andern. unw. doct. 143;
sein abt, dem sonder ihn, auch nicht sein mundwein schmeckte,
weil keiner so im trunk bescheid und wunder that.
Hagedorn 2, 97;
der junge mann, fällt hier die göttin wieder ein,
hat wahrlich aus der purpurflasche
bescheid gethan.
Wieland 10, 211;
nachdem er einigemal auf die gesundheit der kämpfer bescheid gethan. Göthe 18, 226; wie roth waren ihre lippen, als sie euch damals bescheid that. 20, 93; trunk, womit der kaiser den fürsten bescheid that. Bettine br. 2, 274. man sagte vordem auch bescheiden thun (s. bescheiden partic. 3).
9)
Maaler 60ᵇ hat bescheid auch in der persönlichen bedeutung von amasius, amasia, gleichsam mein beschiedener theil; wenn die ringeltaub ihren bescheid (gatten) verleuret, sitzt sie nicht mehr auf grünes, und bleibet keusch bisz in ihr end. Conr. Gesner vögel 527.
10)
in der verbindung mit geld scheint bescheid den ausgeworfnen, überwiesnen sold auszudrücken:
ein herren wöl wir suͦchen,
der uns gelt und bscheid sol geben.
Uhland 519;
suͦch dir ein herren in der welt,
der dir geit bescheid und gelt.
524;
wer sein guͦt fast auf rüstung leit,
vil geul auch hat am barren,
kein dienstgelt hat und wenig bscheit,
tuͦt selten guͦt in dharren (in die länge).
617.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1551, Z. 7.

bescheiden

bescheiden
ist uns, gleich dem einfachen scheiden, in eine unrechte conjugation ausgewichen. das goth. skaidan hat skaiskaid, part. skaidan, das ahd. sceidan sciad gisceidan, das mhd. scheiden schiet gescheiden; wir aber sagen scheiden schied geschieden, behandeln es also auf den fusz von meiden mied gemieden, da es wie heiszen hiesz geheiszen gehen sollte. doch begegnen lange noch die richtigen participia gescheiden und bescheiden (vgl. ausbescheiden), ja für das adj. bescheiden hat bis auf heute die echte gestalt sich behauptet, von dem part. beschieden abstehend, während uns verschieden adj. und part. ist. wenige, z. b. Lohenstein, bedienen sich der schwachen form bescheidete f. beschied. das nnl. bescheiden bildet sein praet. bescheidde, sein part. bescheiden.
1)
bescheiden, constituere, ordinare, praecipere, mit dem acc. der sache: wan hettet ir ein solchs bescheiden, so wer es ubermütiglich. Aimon A 4; da sollten die sachen notdürftig gehöret und verglichen oder beschieden (es steht gewis in der hs. bescheiden) werden. Schweinichen 1, 147;
kummen aber bienen dran (an mein buch),
wird das faule sein vermieden,
und gesundes recht beschieden.
Logau 1, 6, 30;
ein reichstag ist nicht weit,
da aller glaubensstreit
wird ganz beschieden (geschlichtet) werden.
2, 3, 63;
so karg auch das geschick
mein losz beschied.
Gotter 1, 268.
ohne casus, antworten, bescheid geben: habt ihr ihn, fragt der alt herr weiter, geranzont? nein, bescheidet der mönch, ich bekümmr mich umb solche ding nicht. Garg. 261ᵇ.
2)
bescheiden, überweisen, ertheilen, disponere, mit acc. der sache, dat. der person, zumal im sinn von legare: und ich wil euch das reich bescheiden, wie mirs mein vater bescheiden hat. Luc. 22, 29; sprachen, wie das en (ihnen) ir frunt Johannes Lichtenberg vor seime ende, sitzende of eime stule, of seine guter bescheiden hette ... iezlichen X mark. Magdeb. weisth. s. 3 (a. 1414); ich weisz nicht oder gleubs nicht, das war sei, das mir meiner sünden vergebung hie bescheiden und gegeben ist. Luther 1, 237ᵃ; unter disen dreien graden sind nu andere grad und weise, die zeitliche güter zu handeln, als keufen, erben, bescheiden und dergleichen. 1, 194ᵃ; lieber, was ist newe testament anders, denn vergebung der sünden und ewigs leben von Christo uns erworben und im sacrament bescheiden? 3, 87ᵇ; das testament, so Luther seinem gemahl und sönlin ordnete und beschiede, war dergestalt. 3, 402ᵇ; wie du sie (weib und sönlin) mir geben hast, so bescheide ich dir sie wieder, du reicher trewer gott. das.; muste er sein testament machen und soviel zu kirchen bescheiden, damit gott gedienet und sein gedacht würde. 4, 456ᵃ; als wolt er inen ein testament und einen schatz bescheiden. 4, 522ᵇ; mein vater hat alle sein geld meiner schwester bescheiden, pater omne peculium sorori meae legavit. Mich. Neander syll. loc. 105ᵇ;
ich wäre gerne reich! wer arm mich nicht kan leiden,
der mag mir tausend pfund, und noch soviel bescheiden.
Logau 1, 3, 37;
was euch sonsten ist bescheiden
von dem himmel.
2, 3 s. 29;
dir bescheidet meine bahre
jenen rest der lebensjahre,
der mir noch zum alter fehlt.
Günther 119;
geniesze was dir gott beschieden,
entbehre gern was du nicht hast.
Gellert 2, 135;
ach mir ist nicht beschieden,
der erde mich zu freun.
Göthe 11, 75;
er (frühling) ist dir noch beschieden
am ziele deiner bahn.
Uhland ged. 51.
und das, o gott, bescheide uns. J. Paul Tit. 4, 19.
3)
bescheiden, mit acc. der person, einen bestimmen, verordnen, unterrichten, ihm bescheid geben: doch wider solchen wahn hat mich mein grosze zuversicht bescheiden, das e. k. f. g. mein herz wol besser erkennet. Luther 2, 78ᵇ; beschied Reinhart, die brücke aufzuziehen. Aimon E; sintemal du mich fragst, wil ich dich bescheiden. Kirchhof wendunm. 396ᵃ;
nu hör was ich bescheide dich.
nambuch s. 112;
nun, wie ich dich bescheiden,
hab anfangs.
Werders Ar. 3, 59;
sie haben mich dazu beschieden (ein frölich jahr zu wünschen). Claudius 3, 28; der mensch ist nicht für diese welt beschieden. 8, 234. einen abschlägig bescheiden (man sagt auch, das gesuch abschlägig bescheiden).
4)
einen eines bescheiden:
der hätt dich des bescheiden pasz.
Schwarzenberg 152, 2;
füraus bescheid mich dieser ding.
154, 2;
wenn ihr mich dessen ebenso bescheiden könnt. Tieck ges. nov. 4, 334.
5)
einen hin oder her bescheiden, beordern, bestellen, constituere alicui locum, ihm ein rendezvous bestimmen (vgl. bescheid 5): denn ich hab auch meinen knaben etwa hie oder daher bescheiden (pueris meis condixi in illum et illum locum). 1 Sam. 21, 2; aber die eilf junger giengen auf einen berg, dahin Jesus inen bescheiden hatte. Matth. 28, 11; kanstu sie (die rechte gottes) warlich nirgend ergreifen, sie binde dich denn dir zu gut und bescheide dich an einen ort. Luther 3, 355; beschieden sich derhalb zusammen auf den andern tag. 3, 34; einsmals hett er (der erzbischof) ein nunnen bescheiden lassen, die lag an des bischofs bett. Frey garteng. c. 86; und ritten die botten gar schnell, da sie hin bescheiden waren. buch der liebe bl. 10ᶜ; der landsknecht hett dort ins dorf etliche seiner rottgesellen hin beschieden. Kirchhof wendunm. 103ᵃ; zu rechter früer tagzeit auf bescheidenen platz oder ort zu erscheinen. Reutter kriegsordn. 69;
ir herrn, ich bin beschiden her ein.
fastn. sp. 379, 5;
dahin mit höchsten frewden
von seiner Cloris er zu kommen war beschaiden.
Weckherlin 766;
so stehet etwa eine alte kuplerin, und bescheidet eine magd, dasz sie auf den abend an den und den ort kommen wolle. Schuppius 208; ihr habt diesen oder jenen nach der predigt zu euch bescheiden, der werde mit ungedult warten. 214;
dann sollst du mein antlitz,
dort bescheid ich dich hin, in dem thal Benhimon erblicken.
Klopstock Mess. 6, 314;
und ein wink des versöhners beschied der seraphim einen.
8, 351;
und vor den richter, der nicht moloch heiszt,
bescheiden dich mein sohn und ich!
werke 9, 93;
ich beschied ihn hieher. Tieck 12, 213; der könig liesz ihn zu sich bescheiden. nur die beiden ersten stellen fügen den dat., alle übrigen den acc. hinzu. jener ist auch recht.
6)
sich bescheiden, cedere, concedere, parere,
a)
ohne casus: er weisz sich zu bescheiden, läszt sich bescheiden; er weisz sich nicht zu bescheiden, will sich nicht bescheiden lassen; sintemal ehrenliebende verständige kriegsleut sich wissen zu bescheiden, und thun was der ehrbarkeit anständig und gemäsz ist. Kirchhof mil. disc. 60;
man sagte, du betrieger. das wollte Franz nicht leiden,
man sagte, deiner selbsten. da must er sich bescheiden.
Logau 3, 9, 4;
erst war alles du und du. da er aber hörte, ich wäre major gewesen, beschied er sich den augenblick, und ich hatte viel mühe, ihn wieder an ort und stelle zu bringen. Hippel lebensl. 4, 263;
wollt ihr nicht den wunsch erfüllen,
ich bescheide mich ja wol.
Göthe ...
wir erdreisten uns und wagen auch ideen, wir bescheiden uns und bilden begriffe, die analog jenen uranfängen sein möchten. 50, 59. Anders aber bei Opitz trostged. 278:
wir können uns bescheiden von Adams zeiten her,
d. h. aus der schrift unterrichten, nach 3.
b)
mit gen. der sache:
wer weisz sich zu bescheiden
nur einer grimmen that?
Opitz 1, 7;
heldin, soll ich euch beschreiben, und der kürze mich bescheiden?
Logau 3, 8, 7;
dasz ein kluger mensch sich eines andern bescheiden muste. Weise kl. leute 287; ich bescheide mich gern der armut meiner einsichten. Gotter 3, 72.
c)
mit der praep. auf:
geusz deinen grimm viel lieber auf die heiden,
die sich auf dich im minsten nicht bescheiden.
Opitz ps. 155;
komm du, o richter aller heiden,
auf dessen macht wir uns bescheiden.
161.
d)
mit der praep. mit: keiner bescheidet sich gern mit dem theile, der ihm gebühret. Göthe 1, 404;
wer kann mit dem geringen sich bescheiden,
wenn ihm das höchste überm haupte schwebt?
Schiller 668ᵃ.
e)
mit der praep. in:
kann sich dein schwacher geist in diesem nicht bescheiden?
Hofmannsw. getr. schäf. 58;
ich bescheide mich in allem.
Günther 851;
er kannte die mittel, die uns zu gebote standen, und beschied sich in billigen dingen. Göthe 31, 55.
f)
mit abhängigem satz: also konnte nichts so grausames ihm fürgebildet werden, welches er nicht verdient zu haben sich bescheidete, also billig fürchtete. Lohenst. Arm. 2, 1118; scribenten, die ihre werke so schönfarbig und nach so modischem schnitte kleiden, bescheidet euch immer leute zu sein, denn männer seid ihr nun einmal nicht. Klopstock 12, 114; jeder vernünftige wird sich bescheiden, dasz hier die menschliche einsicht zu ende sei. Kant 3, 53; ich bescheide mich, dasz es verborgene zwecke geben könnte. 6, 104.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1553, Z. 69.

bescheiden, part. und adj.

bescheiden, part. und adj.
1)
im sinn von angewiesen, zugewiesen, zugetheilt: lasz mich aber mein bescheiden teil speise dahin nemen. spr. Sal. 30, 8; gott der herr liebet so einen diener nicht, der sich mit dem von ihm bescheidenen theil nicht begnügen lässet. pers. baumg. 6, 2; gott hat jedem sein bescheiden theil abgemessen. Lehmann 22;
drum hat er itzt von uns schon sein bescheiden theil.
Gryphius 1, 410;
gib ihnen (den dienstboten) ihren bescheidenen theil und nicht drüber. dann zuviel ist ungesund. Schuppius 350. neuere setzen hier beschieden:
der sasz am beschiedenen antheil.
Voss Od. 14, 448;
esel und hornvieh nehmen gleichfalls an diesem segen ihr beschieden theil. Göthe 27, 263; die jugend sehnt sich nach theilnahme, der mann fordert beifall, der greis erwartet zustimmung, und wenn jene meist ihr beschieden theil empfangen, so sieht sich dieser gar oft um seinen lohn verkürzt. 58, 147.
2)
bescheiden, expertus, discretus, der bescheid weisz: bescheidene jahre, anni discretionis, wo das kind gut und bös unterscheiden lernt; in dergleichen sachen bescheidene kriegsleut. Kirchhof mil. disc. 59; in allen iren stucken geschicht (geschickt), bequem und bescheiden. bienenk. 68ᵃ; wiewol unser muter, die h. kirch dannoch so bescheiden und verständig ist. 147ᵃ; dann fürwar ein kalb solt disz merken, dasz unser l. muter die h. kirch wol so bescheiden als abgöttische juden und heiden ist. 175ᵃ;
wie sehr bescheiden er im schif regieren sei.
Opitz 3, 298;
die damen, die von lieb und derer (deren) heiszem leiden,
zu wissen sind gelehrt, zu sagen sind bescheiden.
Logau 1, 4, 21;
räthe, die weise, verständig, geübt, erfahren und bescheiden sind. Schuppius 97. dies bescheiden bleibt auch heute:
Baumgarten sagt ihr? ein bescheidner mann!
Schiller 522;
den bescheidnen männern (discretis viris)
von Uri, Schwitz und Unterwalden.
549.
3)
bescheiden thun, gleichsam das zugewiesene, gebotne = bescheid thun, nachtrinken: du must bescheiden thun. facet. facet. 151;
bruder, kumm auf einen trunk, doch das süsze Bacchusnasz
mustu mir bescheiden thun, sag ich dir, mit sam dem fasz.
Logau 2, 4, 81.
4)
bescheiden als adj., ohne gefühl des particips:
a)
von leuten, modestus, temperans, der sich bescheidet, zurückzieht: ein bescheidner mann, jüngling;
der, bescheiden im genusz,
der, gelassen im verdrusz,
freud an kummer knüpfet.
Gotter 1, 109.
nur die lumpe sind bescheiden.
Göthe 1, 157;
wer bescheiden ist musz dulden,
und wer frech ist, der musz leiden.
2, 300.
man verbindet auch dieses bescheiden mit andern adjectiven, z. b. bescheidensinnreich, wie Virgil. Hagedorn 1, 129;
Amor trat herein und fand mich sitzen,
und er lächelte bescheidenweise,
als den unverständigen bedauernd.
Göthe 2, 110.
b)
von sachen, die bei innerem werth, sich unscheinbar darstellen, auf thiere, blumen, häuser, kleider, farben bezogen: selbst farben werden unschuldig, bescheiden, zärtlich genannt (wegen der analogie der durch sie bewirkten empfindungen mit diesen gemütszuständen). Kant 7, 223;
wenn manche jungfrau hoffart vol
zur hochzeit etwa reisen sol,
so borgt sie ein bescheiden kleid,
darneben ketten und geschmeid.
Ringwald l. warh. 97.
man nennt sonst die matte graue, braune farbe bescheiden und erlaubt geistlichen bescheiden angelaufene stahlknöpfe; du blaue viole, du bild des weisen, du stehest bescheiden im niedrigen grase! Geszner, daher
ein veilchen auf der wiese stand
gebückt in sich und unbekannt.
Göthe 1, 180;
das gute veilchen schätz ich sehr,
es ist so gar bescheiden.
1, 192;
das bescheidne veilchen. Gotter 1, 442. ebenso erscheint die nachtigall, mit ihrem süszen gesang, in grauem gefieder:
und die nachtigall umkreiset
mich mit dem bescheidnen flügel.
Göthe 2, 23;
bescheiden rieselt so durch blumenpfade
der kleine bach, von stolzen flüssen fern.
Gotter 1, 4;
wenn der Ilme bach bescheiden
schlängelnd still im thale flieszt.
Göthe 4, 69;
ein wolerhaltenes vorwerk mit einem reinlichen bescheidenen wohnhause von gärten umgeben fiel ihm endlich in die augen. Göthe 17, 184;
schon führet klug des gartenmeisters hand
durch busch und fels bescheidne wege her.
9, 321.
c)
von empfindungen, gedanken, geberden: bescheidnes hoffen, wünschen, sinnen, trachten; bescheidne ansprüche, erwartungen;
macht eur klag und weinen bescheiden!
Ayrer 337ᵇ;
nimm es mit einer bescheidnen höflichkeit an. Weise kl. leute 282;
wo deine seel im eignen schimmer
bescheidner tugenden sich zeigt.
Gotter 1, 118.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1556, Z. 1.

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„bescheid“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bescheid>, abgerufen am 21.09.2020.

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