besem, besen m
Fundstelle: Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1614, Z. 45
scopae, virgae, verriculum, ahd. pësamo gen. pësamin, mhd. bëseme, bësme gen. bësmen, ags. besma gen. besman, engl. besom, nnl. bezem gen. bezems. des genauen vocals versichert uns nicht allein die ahd. wortbildung, welche vor dem a der folgenden silbe nur ë, kein e gestattet, sondern auch der mhd. reim und selbst die heutige, dem e in lesen, wesen, nicht dem in esel, gläser gleiche aussprache. auf gothisch müste also das wort, wenn es vorhanden war, gelautet haben bisma, was unmittelbaren anklang an basi bacca abschneidet, und man hätte erst ein verlornes bisan bas aufzustellen, um beide zu verbinden. aus dem nd. bese für binse, nnl. bies, ahd. pinuʒ, mhd. bineʒ läszt sich pesamo nicht herleiten. festuca, die bei der römischen freilassung des knechts symbolisch im sinne von virga gebraucht wurde, könnte verwandt sein, müste aber von ferula und ferire, wie besen von bern, beren (sp. 1501) geschieden bleiben. Was die nhd. gestalt des wortes angeht, so hat sich, wie die folgenden stellen weisen, das alte M hin und wieder auch im auslaut, noch leichter inlautend (besemen, besemer) bewahrt, doch herscht N heute vor. der ursprünglich schwachen form haben wir entsagt, aber schon mhd. zeigt sich einigemal besen für besemen.
1)
mhd. ist die gewöhnliche bedeutung virga, zuchtrute, gerte:
der (Salomon) sprichet, swer den besmen spar,
daʒ der den sun versûme gar.
Walth. 23, 29;
dû bist dem besmen leider alze grôʒ,
den swerten alze kleine.
101, 25;
got sprach (zu Eva): du solt wesen
under dines mannes besen;
wird ich mit disem besemen hînt hie geslagen.
Gudr. 1284, 2.
nhd. was ihm das urtheil bringen werd,
ein besen oder scharfes schwerd.
Ringw. laut. warh. 166;
wenn du ihr ungerechtes wesen
wirst strafen mit des amptes besen.
370;
David gehet ein und leszt sich berücken oder bestricken, spricht ein harten sentenz, damit er ein besem bindet uber seinen einen leib. Mathesius 132ᵇ; ein besen für die beiszigen bremen. Garg. 148ᵃ. in der zusammensetzung staupbesen dauert auch noch diese bedeutung fort.
2)
kehrbesen, sowol von reisern als borsten, scopae virgeae et setosae: mhd.
der niuwe beseme kêret wol,
ê daʒ er stoubes werde vol.
Freidank 50, 12.
nhd. si namen ainen besm
und kertens damit herdan.
Uhland 459;
und wil sie mit einem besem des verderbens keren. Es. 14, 23; und wenn er kommt, so findet ers mit besemen gekeret und geschmücket. Luc. 11, 25; den besen binden, knüpfen, ungebundene, ungeknüpfte besen. Stieler 997;
wie das alt sprichwort sagen sol,
die newen besen keren wol.
H. Sachs V, 358ᵃ;
nem hin den besem.
Is. Gilhusius grammatica (eine comoedia) 1597 s. 39;
ob ihr dem besem seid zu schwach.
das.;
damit man ihr nit mit dem bäsen uber das grab fahr. bienenk. 47ᵇ; wann einer floh, firmt er ihm zur letz so ein tröstlichen streich uber der lambdoidischen und ypsiloidischen commissur oder näd der hirnschalen her, dasz ihm der kopf zu stucken dort hinaus stiebet, man hett ihn mit bäsen nit zusammen gefegt. Garg. 205ᵇ;
fall den hals uber ein besen ab,
du lecker, wend nicht alt wilt wern.
Ayrer fastn. 106ᵃ;
und ist nicht mehr zu thun von nöthen gewesen, als dasz der zauberer sich auf einen besem gesetzt, da er denn dahin geführt, wo die zusammenkunft gehalten. Gryphius 1, 957; die leute hatten sich erst angezogen und anstatt des lichts eine schweflichte blaue flamme auf der bank stehen, bei welcher sie stecken, besem, gabeln, stüle und bänke schmierten und nacheinander damit zum fenster hinaus flogen. Simpl. 1, 167; mit stumpfen besemen kehren. Hohberg 3, 44ᵃ; des dechants haus allhier ist nun mit besemen gekehrt. Wieland bei Merck 1, 96;
und nun komm, du alter besen.
Göthe 1, 237;
in die ecke besen, besen!
seids gewesen.
1, 241;
was lassen sie denn übrig zuletzt
jene unbescheidnen besen?
behauptet doch heute steif und fest,
gestern sei nicht gewesen.
3, 296;
die hand, die samstags ihren besen führt,
wird sonntags dich am besten caressieren.
12, 50;
die schönste hab ich mir erlesen ...
oh weh mir! welch ein dürrer besen!
41, 146;
ich seh, ihr kommt alle
auf besmen geritten.
57, 272;
besen werden immer stumpf gekehrt.
und jungens immer geboren.
bei Eckermann 1, 297;
manchmal aber scheint der himmel wie mit besemen gekehrt. 51, 206; bei ihnen ist alles gesäubert und mit besemen gekehrt. an fr. von Stein 1, 188; da links unten liegt das graue Frankfurt mit dem ungeschickten thurn, das jetzt für mich so leer ist als mit besemen gekehrt. an Aug. Stolberg 7. Dem sprichwort: neue besen kehren gut, wird oft hinzugefügt: aber die alten fegen die hütte rein. andere: aus einem reis wird kein besen; wenn der besen verbraucht ist, kommt er in den ofen; wenn der besen verbraucht ist, sicht man erst, wozu er gedient hat; je nachdem man einem will, steckt man ihm maien oder besen; franz. rôtir le balai, zurückkommen, arm leben. des besems spielen. Fischart nᵒ 334. s.handbesen, kammerbesen, ↗kehrbesen, stallbesen, staubbesen; die zusammensetzungen, in welchen das wort die erste stelle einnimmt, stehn unter besen, nicht unter besem.
3)
besen heiszt auch die magd im haus, weil sie den besen führt, wie die Angelsachsen die hausfrau vebbe, die webende nannten. studentisch, jedes mädchen: ein flotter, famoser, patenter besen, knallbesen u. s. w. jenes sprichwort neue besen kehren gut pflegt man zumal auf neueintretende dienstboten anzuwenden.
Zitationshilfe
„besem“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/besem>, abgerufen am 07.12.2019.

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