bett, bette n
Fundstelle: Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1722, Z. 35
lectus, goth. badi, ahd. petti, mhd. bette, alts. bed, gen. beddes, nnl. bed und bedde, ags. bedd, engl. bed, altn. beđ, schw. bädd, dän. bed, das lager zur ruhe und zum schlaf. ein gramm. 2, 25 aufgestelltes etymon für badi wird zwingend sein, sobald sich bidjan bad in der sinnlichen bedeutung von liegen bewährt (s. bitten), badi ist lager, goth. ligrs, lectus, von ligan, wie cubile von cubare, κλίνη von κλίνειν, stratum von sternere lectum. da nun weiter strages von sternere, streu und stroh von straujan abstammen; so darf vielleicht auch goth. badv (zu folgern aus ahd. pato, ags. beado, altn. böđ) strages, pugna, niederlage, wahlstätte herangezogen werden. in fremden sprachen gemahnt an badi das finn. vuodet, est. wodi lectus, cubile, samojed. wau (suomi 1845 s. 183), welsche bedd sepulcrum, amor. béz, vgl. mit ahd. betti grab, O. III. 24, 82, alts. hrêobeddi. Hel. 125, 12. Um aus solcher ferne wieder zum heutigen bette zu kehren, so bildet es den unorganischen pl. betten, während ahd. und mhd. der pl. gleich dem sg. petti, bette lautete. die epenthesis pettir und better ist ahd. und mhd. nicht zu belegen, aber möglich; auch heute erscheint sie hin und wieder: die gäns werden federn geben better zu machen, dasz wir darob ruhen mögen. Schuppius 737; ich kenn better nur vom hörensagen. Göthe 42, 20 (auch in der ausg. des Götz von 1773 s. 19); Klingers th. 4, 224; die better frisch angezogen. Hebel; dies better ist untadelhaft. altn. begegnet auszer dem n. auch ein m. bedr pulvinar, stratum. Bedeutungen.
1)
die dem heidenthum heilige von kotapetti, ags. veohbed, lectisternium, altar (mythol. 59) dauert nur in unverstandnen ortsnamen, wie Brunhildebett, Gumbette, Gombette, d. i. Guntbette, altar der Gunda. aber auch das ausziehende heer, das kriegsvolk hat sein bette, schlägt sein lager auf, woher der ortsname heripetti, heribeddi heerlager.
2)
dem wasser, dem flusz, dem meer wird ein bette beigelegt, vgl. Ducange unter bedum und bedale: das bette der meere. Kant 9, 29; das bette des meeres. 9, 19;
und ins kalte bett des meeres
aus dem schosz der liebe schreckt.
Schiller 59ᵇ;
ins bett des oceans.
101ᵃ.
bei mülen, teichen, brunnen ein wasserbett, brunnenbett, flutbett, ein gerinne, die kraft des wassers;
vom berge stürzt der ungeheure strom,
wühlt sich sein bette selbst und bricht sich bahn.
Schiller 502ᵇ;
bezähmt, gebt acht, kehrt der empörte sinn
ins alte bette des gehorsams wieder.
385ᵇ.
das bette des lebens, die lebenskraft: im ritter war das vertrocknete bette des lebens wieder reichlich angequollen. J. Paul Tit. 4, 108; ein morgenlied so schmerzenstillend, dasz die thränen, unter denen sein herz ertrank, den schmerzensdamm umbrachen, und sanften empfindungen ein bette lieszen. uns. loge 2, 136.
3)
in feld und garten war ahd. petti areola, die schriftsprache hat aber aus gartenbett, krautbett, wurzbett gemacht beet (sp. 1245). auch die erhöhungen für kanonen heiszen stückbette, und die schichten des steinkohlengebirges.
4)
hauptsächlich ist bett, wie lectus, das lager, die stätte zum ruhen und schlafen, vgl.faulbett, ↗feldbett, paradebett, spanbett, ruhebett, schlafbett, siechbett, krankenbett, todbett.
a)
obschon auch auf stroh, heu, laub, moos und haaren geschlafen wird (vgl.strohbett, heubett, laubbett, blumenbett, moosbett), ist die volksmäszige vorstellung eines bettes doch die des federbettes: hab urlob strosack! ich hab ein bett uberkommen. Keisersb. brösaml. 32ᵃ, und zu bette gehn heiszt in die federn gehn, kriechen. er schläft auf matratzen, nicht unter betten; wer sein bett verkauft, musz auf stroh liegen.
b)
das bett wird gemacht, gespreitet, gedeckt, gerichtet, aufgerüstet (Simpl. 2, 302) und aufgeschlagen (vgl.betten): im finsternis ist mein bette gemacht. Hiob 17, 13;
dô het er gemachet alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Walth. 40, 1;
mache mir mein bett; das bett ist noch nicht gemacht, ungemacht, nicht gedeckt; noch nicht gespreitet. Maaler 65ᶜ; ein gemachtes, aufgemachtes bette heiszt auch zuweilen ein vollständiges: die eltern haben ihrer verheirateten tochter vier gemachte, aufgemachte betten mitgegeben. das bett, wie den tisch, richten, berihten, bereiten:
nu stuont ein bette dâ bî in,
daʒ was berihtet alsô wol,
als ein bette beste sol.
Iw. 1213;
ein bette wol gehêret.
Parz. 44, 21;
ein bette was dâ bereitet,
mit phellele wol bebreitet.
gr. Rud. 26, 11;
ouch was daʒ bette wol beriht
mit decken liehtgemâlen.
Ernst 2390;
ich gie dâ ich gerihtet vant mîn bette.
frauend. 257, 2;
ir bette was gerihtet,
als ich iuch bescheiden mac.
Rab. 115;
richte das bett! Wirsung Cal. B 3ᵇ. die weisthümer fordern krachende, d. h. frische, lockere betten: krachendes bett. 3, 352 und oft. ein so gemachtes bett ist ganz und unzerbrochen. Simpl. 2, 393; unzerbrochen und unverlegen. 2, 327, vgl. sîn bett brechen. Ls. 3, 130; einschläfriges, einmännisches, zweischläfriges, zweispänniges bett. hartes oder weiches, enges oder weites bett: denn das bette ist so enge, das nichts (kein raum) ubrig ist. Es. 28, 20;
man lieget, wenn noch jetzt das sprichwort gelten soll,
auf guten betten hart, auf harten betten wol.
Hagedorn 1, 24.
c)
schlafen gehen, zu bette, ins bette gehen, λέκτρονδε gen bett (H. Sachs III. 2, 96ᵃ). ze bette sagen die alten dichter vorzugsweise von zweien, an daʒ bette vom einzelnen:
dô begonden si zu bette gân.
gr. Rud. 26, 14;
der künec mit sîme wîbe ze bette wolde gân.
Nib. 580, 2;
ich gê mit ir ze bette.
GA. 3, 367;
nhd. ich thäte selbst, wenn ich Cytheren hätte,
was Phöbus thut: er geht mit ihr zu bette.
Kästner beim eintritt der Venus in die sonne, 3 jun. 1769;
wenn wir zu bette steigen.
Bürger 15ᵃ;
und von neuvermählten Logau 2 s. 247:
bis die welt und ihr seid müde
und wollt selbst zu bette gehn.
dagegen:
in sabenwîʒen hemde si an daʒ bette gie.
Nib. 584, 1;
dâ hieʒ si in sitzen an.
Iw. 1216;
in mîn bette ne stîgo ih.
N. ps. 131, 5;
ær he on bed stige.
Beov. 1346;
er smouc sich an daʒ bette sân.
Parz. 194, 4;
er spranc an daʒ bette sân.
131, 2;
vil lîse er an sîn bette seic.
Trist. 342, 27;
nu hette sich Thomas ins bette gelegt. Luther 3, 131; legt euch an die bett. H. Sachs III. 2, 99ᵇ. es heiszt aber auch:
sus vielens in daʒ bette hin,
der grâve mit der künegin.
cod. kolocz. 236;
ins bett fallen. Schweinichen 1, 77; flugs zu bette schlafen laufen. bienenk. 33ᵇ; wenn ich mich zu bette lege. ps. 63, 7; heute allgemein, ich gehe zu bette, ich will zu bette;
früh zu bett, früh wieder auf
macht gesund und reich in kauf;
lege dich auf dein bette und mach dich krank. 2 Sam. 13, 5; und er leget sich auf sein bette und wand sein andlitz. 1 kön. 21, 4; legt in (den sohn) auf sein bette. 17, 19. 2 kön. 4, 21; er warf sich aufs bette und schlief; er kroch unter die decke. anders ist vor das bett, an das bett treten, um sich zu entkleiden: wenn ein gotshusman ein fri wib genimpt und (sie) zuͦ im an das bett getrittet und sich entschuͦchet, so hat si ir friheit verlorn und ist des gotshus eigen. weisth. 3, 740. man sagt, einen ins bett schicken, weisen: die kinder werden zu bette gebracht, ins bett geschickt; der wirt weist die gäste zu bett, weist ihnen bette an. Eulensp. cap. 79; läszt ihnen zu bette leuchten: da sie nu gessen hetten, der ritter ir müde bedenken ward, inen befahl zu beth zu leuchten. Bocc. 2, 210ᵇ.
d)
zu bette, im bette liegen: goth. ana ligra ligan. Matth. 9, 2; ana þammei lag. Luc. 5, 25;
an dem bette sâʒen.
arm. Heinr. 877;
saʒ ûf einem bette guot.
frauend. 347, 23;
so findet er einen am bette ligen. Luther 3, 130ᵃ; an seinem bett warm und wol zugetüschlet liegen. Maaler 65ᶜ. heute sagen wir nicht mehr an, sondern in dem bette liegen und unterscheiden in dem bette von auf dem bette. wer im bett liegt, ist ein braver mann.
e)
aufstehen. wer an dem bette lag, steht ab oder von dem bette, vom bett ufston. Maaler 65ᶜ; ab dem bette fallen; wer in dem bette, erhebt sich aus dem bette:
er stuont ûf von dem bette.
Trist. 381, 20;
von dem bette si sich lie.
317, 40;
vome spanbette trat.
Parz. 242, 19;
si warf in ûʒ dem bette.
Nib. 616, 3.
heute, vom bette aufstehn; ich bin in acht tagen nicht aus dem bette gekommen. man sagt auch aus dem bette springen, wischen, schnell aufwütschen, aufjucken. Maaler 65ᶜ;
der bûr wischt ûʒ dem bette hin.
MSH. 3, 301ᵇ;
da erschrack der apt, ... da wust (wuschte) der apt ausz dem bett uf und fiel im ze fuͦsz. Keisersb. s. d. m. 73ᵇ. der kranke und müde kann aber nicht auszer dem bette sein: er wurde immer schwächer und konnte endlich nicht mehr aus dem bette sein. Lichtenberg 4, 162; allein mir gieng es (bei der seefahrt) am allerübelsten, weil ich nicht eher auszer dem bette dauren konte, bis wir den canal passieret waren. Felsenb. 1, 28. sie müssen das bett (wie das zimmer, das haus) hüten, garder le lit: nachdem ich über ein vierteljahr das bette gehütet. Pierot 1, 285; er übergibt dem alten, der das bette hüten musz, parlamentacten. Wieland 35, 170; der kranke ist ans bett gefesselt.
f)
das bett verunreinigen: thet ins bett. Garg. 129ᵃ, vgl.bethun 5; er hat von völle ins bett geseicht. Maaler 65ᶜ.
5)
bett ist ferner das ehebett, lectus, torus jugalis, die ehleute theilen bett und tisch zusammen, sie sind bettgenossen, ahd. gipetton; im bett ist alles wett (wird aller hader zwischen ehleuten gesühnt). Simrock 1005; ein schönes, sittsames weib ist der schmuck des bettes und des hauses;
ein weibchen musz man mit zu bette tragen.
Bürger 19ᵇ;
das brautbett, ehebett wird beschritten (sp. 1596); die ehlichen kinder wurden aus des vaters rechtmäszigem bett geboren (vgl. kindbett), wie die unehlichen auf der bank. die ehe brechen heiszt das bett beflecken, entehren: du bist auf deines vaters lager gestiegen, daselbs hastu mein bette besudelt mit dem aufsteigen. 1 Mos. 49, 4; das er seins vaters bette verunreiniget. 1 chron. 6, 1; selig ist die unfruchtbare, die unbefleckt ist, die da unschuldig ist des sündlichen bettes. weish. Sal. 3, 13; aber die kinder der ehebrecher gedeihen nicht, und der same aus unrechtem bette wird vertilget werden. 3, 16; ein unküsch, wüst bett. Maaler 65ᶜ;
bald entehrt Thyest
des bruders bette.
Göthe 9, 18.
sollt ich die schande seines bettes
enthüllen ohne schonung?
Schiller 622ᵇ;
kinder, von demselben elternpaar erzeugt, heiszen aus éinem bette geboren, halbgeschwister aus einem andern bette:
neidisch sehen sie
des vaters liebe zu dem ersten sohn
aus einem andern bette wachsend an.
Göthe 9, 17;
denen noch ein bruder aus einem andern bette im wege steht. 57, 38. ehleute können von tisch und bett geschieden werden: theilet sich das bett, so trennen sich die herzen. Mathesius 88ᵇ. stirbt von zwei ehleuten ein theil, so wird das bett gebrochen, und ist kein ganzes mehr. weisth. 2, 248. hier ist jener sinnliche ausdruck des gemachten und gebrochnen bettes angewandt auf den bestehenden und gelösten bund der ehe, so wie dem verlegenen, zerdrückten bette das ahd. forligiri, alts. farlegarnessi, stuprum, gleichsam ein liegen an unrechter, unerlaubter stelle verglichen werden mag.
6)
sonnen aufgang und zumal untergang pflegte das alterthum einem steigen aus dem bett, in das bett gleichzusetzen, die scheidende, müde sonne sinkt zu bette. daher die ausdrücke, sie geht zu sedel, zu gaden, zu genaden, zu reste, zu rüste, welche mythol. s. 700—702 näher besprochen sind: wo die morgensonn aus ihrem bett aufsteht. Rompler von Löwenhalt gebüsch 102; vgl. Kästner sp. 1723;
ich wollte, rief Dindonette,
die sonne gienge sogleich in dieser minute zu bette.
Wieland 4, 207;
der auf seinem bette schlafende mond. J. Paul Kampan. 51.
7)
dem wild kommt, wie ein bau (sp. 1161), ein lager, auch ein bette zu: die sau wühlt sich ein bette, der bär liegt winters im bette. ja, der hirsch hat kein lager, nur ein bette, ein sitzbette, es wird auch auf feld und wiesen, wo er sich niedergethan hat, das niederthun genannt. Döbel 1, 18ᵃ;
lieber weidmann, sag mir an,
was hat der edle hirsch in seinem bett gelan (l. getan)?
das will ich dir sagen jetzt,
ist mir anders recht, so hat er den fusz ins bett gesetzt.
weidspruch 52. vgl. 21.
8)
wie der kirchhof das kühle bett, ein bett der todten, das schlachtfeld ein bett der gefallnen, strages, heiszen kann, sagen wir auch statt auf dem schlachtfeld, er ist auf dem bette der ehre gestorben: Richard stirbt doch als ein mann auf dem bette der ehre. Lessing 7, 354, im gegensatz zum krankenbett. an die kirchthüren (ad valvas templi) wurden statt der belobungsnur befehlschreiben angenagelt, und wer sich darin ein bette der ehrn betten wollte, in der kirche, muste sich hinlegen und mit tode abgehen. nicht blosz der krieg soll betten der ehre aufschlagen. J. Paul nachdämm. 87. 88. ich thats gerade in der stunde, wo der entschlafene aus dem kleinen sterbebette ins grosze bette aller menschen getragen wurde. uns. loge 2, 138;
in dem allgemeinen bette,
wo der leidenschaften wuth,
wo der sklav auf seiner kette,
wie der held auf siegen ruht.
Schubart 1, 293.
Zitationshilfe
„bett“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bett>, abgerufen am 25.08.2019.

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