Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

bettler, m.

bettler m
mendicus, ahd. pëtalâri, mhd. bëtelære, nnl. bedelaar, der goth. wortbildung bidagva ist schon sp. 1729 gedacht worden, sie könnte dem gr. πτωχός äuszerst nahe treten, wenn man die gleichstellung von bidjan und petere zugibt, den wegfall des ε aber wie in πέτομαι und πτέσθαι faszt, wovon weiter unter bitten zu reden. πτώξ flüchtig, πτώσσω fliehen, flüchten, wozu man πτωχός zu halten pflegt, scheinen derselben wurzel. seltsam ist das it. pitocco bettler, pitoccare betteln und pitocco bettlermantel, wobei vielleicht das neugr. πτωχός, φτωχός in betracht käme. zum v in bidagva halte man bandvô, frigaþva u. a. Die bedeutung von bettler ist, wie von betteln, eine doppelte, und
1)
die eines armen, dürftigen: es sol aller dinge kein bettler unter euch sein, denn der herr wird dich segenen im lande. 5 Mos. 15, 4; es ist besser, das einer seines thuns warte, dabei er gedeiet, denn sich viel vermesse und dabei ein bettler bleibe. Sir. 10, 30; wer gewalt und unrecht thut, musz zuletzt ein bettler werden. 21, 5; mancher wil klüglich rathen und bleibet ein bettler. 37, 23; die in zuvor gesehn hatten, das er ein bettler war. Joh. 9, 8; ich wil hie nit reden von schimpfweisen oder werken, als die betler treiben, die da besteibt und trunken werden, die schirmen miteinander. Keisersb. s. d. m. 52ᵇ; aber es ist nichts neues, das ein betler den andern hasset. bienenk. 25ᵃ;
dem einen betler ist es leid,
das der ander für der thür steit.
Strickers schlemmer G 1ᵇ;
es schickt sich nicht, dasz wir menschen hoffärtig sein, denn wir ja nur bettler des groszen gottes sind. pers. baumg. 8, 12;
wie doch ein einziger reicher so viele hettler in nahrung
setzt! wenn die könige baun, haben die körner zu thun.
Schiller 96ᵃ;
sein rasender entwurf schien zu sein, die ganze nation zum bettler zu machen. 859ᵇ; pracht und reichthum gehäuft, der die bettler aller stände blenden musz. Göthe 27, 9.
2)
dann ist bettler ein dringlicher bitter:
dreimal wiesest du
den fürsten von dir, dreimal stand er wieder
als bettler da, um liebe dich zu flehn.
Schiller 245ᵇ (als bittender).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1736, Z. 1.

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