Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

beule, f.

beule, f.
tuber, tumor, inflatio, geschwulst, ein durch alle deutsche zungen laufendes wort. Ulfilas bietet dar ufbauljan τυφοῦν sufflare 2 Tim. 2, 4, welches bauljan auf biulan zurückweist, wie daupjan auf diupan, baugjan auf biugan, kausjan auf kiusan, lausjan auf liusan. biulan aber wäre flare, blasen, und das goth. subst. bauljô, welchem ahd. paulâ papula gl. ker. 226 zunächst stünde, so wie altn. beyla gibbus, da höcker wie blase die vorstellung geschwulst enthalten. neben jenem paulâ besteht aber ahd. pûlâ, piulâ, piullâ = piulia (Graff 3, 96. 97) und mhd. biule, nhd. beule; vielleicht darf aus ahd. pûlislac (Graff 6, 773) auch ein pûl geleitet werden, wie nnl. buil f. gilt. ags. bŷle carbunculus, ulcus, engl. bile und boil, fries. beil pl. beilar, also m. schw. bula tumor, dän. bule und byld (für bylle), merkwürdig aber haftet das schw. part. bulen tumidus, dän. bullen und davon gebildet schw. bulna, dän. bulne, die man auf das verwandte altn. bolginn und bolgna (wovon gleich nachher) zurückbringt, die aber das organische part. von biulan gewähren können. von uns entnommen scheint endlich das böhm. baule und verkleinert bulka tuber, da allen übrigen Slaven das wort abgeht. Aus LJ kann LG und LL werden. steigt man höher, so reihen sich an biulan baul, bauljan sowol bilgan balg tumere, balgs follis, der schwellende, geschwollne, altn. bylgja, schw. bölja, dän. bölge, mhd. bulge, die schwellende welle, als auch altn. bulla ebullire, nhd. bullern hervorquellen, vielleicht ball pila, der schwellende, ahd. polla, bulla folliculus. mit zutretendem linguallaut belzan gemmas protrudere (sp. 1456), auspolzen exsilire (sp. 925), ahd. ûʒarpulzan ebullire, bolz der vorspringende, vordringende. im latein aber gleichen beides das lautverschobne follis und ohne verschiebung bulla, bullire, bulga, uter und uterus. finn. pulla, wasserblase, pullistan inflo, tumefacio. beule ist folglich aus biulan und bauljan, wie blase aus blasen, φύσημα und pustula aus φυσᾶν, tuber und tuba aus τυφοῦν, tumor aus tumere. Unter beule verstehen wir
1)
die auf trocknen schlag und stosz oder fall erfolgende geschwulst, im gegensatz zur einschneidenden, blut flieszen machenden wunde: si ingenuus servum ictu percusserit, ut sanguis non exeat, quod nos dicimus pulislegi. lex. Rip. 19, 1; si quis alium per iram percusserit, quod Alamanni pulislac dicunt. lex Alam. 59, 1. mhd.
den wart dâ gâlûnt ir brât
mit treten und mit kiulen,
ir vel truoc swarze biulen.
Parz. 75, 8;
ûʒ dem palas sluoc er sie,
dar under maniger enphie
biule unde wunden.
krone 18878;
dâ wart von swæren stüelen biulen harte vil geslagen.
Nib. 1868, 4;
nu var mit mir gein Riuwental, dâ singet wol diu iule,
dâ ist diu rede ein wint, der slac ein biule.
MSH. 3, 261ᵇ.
nhd. ich hab einen man erschlagen mir zur wunden und einen jüngling mir zur beulen. 1 Mos. 4, 23; wund umb wunde, beule umb beule. 2 Mos. 21, 25; der kopf ist mir geschwollen oder voll beweln, so übel bin ich geschlagen. Alberus; was thuͦt die am, deren ein kind verdingt ist? sie seuget das kind, sie entschläfet es, und wenn es ein bül felt (eine beule fällt), oder das im das maul blaw wirt, so uberredet sie es, es hab gesprungen. Keisersb. s. d. m. 32ᵇ;
itzt wirst du selbst voll schläg und beulen sein.
Gryphius 1, 509;
die wunden, seht mich an, die beulen, diese striemen
sind lippen, darmit ich kan Jesus beistand rühmen.
das.;
die einem so guten spiritus auflegte, wenn man sich eine beule gestoszen hatte. Göthe 14, 257; er konnte keine wunde, kein blut, ja keine beule wahrnehmen. 19, 220; nach dem schlag lief eine grosze beule auf; er hat sich eine beule in den kopf gefallen, gestoszen.
2)
eine von innen her, aus bösartiger stockung der säfte entstehende geschwulst, ahd. piullâ papula, pustula. Graff 3, 96. 97; das ist das gesetz uber allerlei mal des aussatzs und grinds, uber die beulen, gnetz und eiter weisz. 3 Mos. 14, 56;
meines leibs und gaists beul aiter und gestank.
Weckherlin 151;
in diesem sinn heiszt es eiterbeule, pestbeule, und in flüchen pflegte man solche beulen anzuwünschen: got geb dir den ritten, oder die beulen, oder die hünsch! Keisersb. s. d. m. 38ᵇ;
schweigt, das euch drus und peulen ange!
fastn. sp. 539, 40;
das müsz dich die beul und pestilenz ankommen! Frey garteng. cap. 65; das geb dir und deim haufen gott die drüs, beul und pestilenz! cap. 105;
was gilts, er werd mich wider holen,
dir legen sanct Veltins beulen an!
Ayrer 301ᵇ;
andere belege stehen sp. 340 unter angehen, sp. 1671 unter bestehen. Hohberg gebraucht beule männlich und von pferden: wann ein pferd unter der kehl oder drosz einen beulen gewinnet. 2, 203ᵇ.
3)
früher bezeichnete beule auch das anschwellen des leibs in der schwangerschaft:
das ir ein peul auflief als ein salzscheib.
fastn. sp. 345, 20;
bildträgerin, das sind frauen, die binden alte wammes oder belz oder küssen über den leib unter die kleider, um das man wähnen soll, sie gehen mit kindern, und haben in zwanzig jahren oder mehr nie keins gehabt, dasselbige heiszt 'mit der beuten gangen.' expertus in truphis cap. 18.
4)
gleich dem altn. beyla drückte beule oder beul m. gibbus, die geschwulst des rückens aus: mit einem groszen beul oder hofer auf dem rücken. buch der liebe 12ᵇ. den anatomen heiszt eine art hervorragung oder fortsatz der knochen beule oder höcker.
5)
in der baukunst ist beule eine vorragende verzierung am gesims.
6)
becher, kannen, kessel bekommen beulen, wenn ihre glatte oberfläche durch fall oder stosz schadhaft wird. von einem verstoszenen, beschädigten hut läszt sich dasselbe sagen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1745, Z. 48.

beulen

beulen,
tuberosum fieri, bealen bekommen, man kann dies nur im part. praes. erscheinende verbum nicht dem gemutmaszten alten biulan gleich setzen, es scheint erst aus dem subst. gebildet: darumb ob wol der mensch ein guͦt gemächt gottes ist, so ist er doch also verderbt, beulend und ungestalt worden. Frank parad. 37ᵃ (39); bis dise alt, beulend, rinnend kant (kanne) ganz zurlassen neu wirt. heillosigk. eitelk. 105. vgl. ein- und ausbeulen sp. 830.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1746, Z. 74.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
bettfähig bierstütze
Zitationshilfe
„beulen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/beulen>, abgerufen am 29.10.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)