Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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beutel, m.

beutel, m.
pera, crumena, ahd. pûtil (Graff 3, 86), mhd. biutel (Ben. 1, 190ᵃ), nnl. buidel, meist eine tasche, die man bei sich trägt oder anhängt, zumal geldbeutel, vielleicht abzuleiten von bieten offerre, praebere, insofern man gaben im beutel darreichte und anhängte:
diu frouwe in ir biutel vant
einen brief, den schreib ir mannes hant.
Parz. 55, 17;
in ir biutel si in (den gürtel) stieʒ.
Wigal. 139, 11;
knaben, die voll schwer beutel haben.
fastn. sp. 703, 7;
und kunden mir mein peutel schwanken.
757, 9;
als mancher güldein wird da gezalt,
die werden im von dem könig geschenkt
und in eim seiden peutel an sein hals gehenkt.
762, 13;
und wan si uns di peutel stellen,
so weren si dan gut gesellen.
997, 2;
band zween centner silbers in zween beutel. 2 kön. 5, 23; woge es mit uns, es sol unser aller ein beutel sein. spr. Sal 1, 14; die mentel, die schleier, die beutel. Es. 3, 22; sie schütten das gold aus dem beutel. 46, 6; und welcher geld verdienet, der legts in einen löcherten beutel. Haggai 1, 6; traget keinen beutel noch taschen (ni bairaiþ pugg nih matibalg). Luc. 10, 4; so oft ich euch gesandt habe one beutel, one taschen und one schuh. 22, 35; er hatte den beutel (goth. arka habaida) und trug was gegeben ward. Joh. 12, 6. 13, 29; alte beutel schlieszen übel; aus eignem beutel zehren; aus andrer leute beutel ist gut zehren; aus fremden beuteln ist gut blechen; thu den beutel nicht weiter auf als er geschlitzt ist; nach dem beutel richte den schnabel; wo mein beutel aufgeht, da raucht meine küche; voller kropf macht leeren beutel; so geht es in der welt, der eine hat den beutel, der andre hat das geld; durch den strudel oder beutel lassen laufen. Frank spr. 2, 91ᵃ; wir müssen selbs fortan fur alle unsere sünd aus unserem eigenen beutel bezalen und gnug thun. bienenk. 99ᵃ; den strengen durchlauf im beutel bekommen. 116ᵇ; und sind insonderheit geplagt mit dem durchlauf des beutels und mit der geldsucht. 242ᵇ; meinen eignen beutel spickte. Simpl. 2, 124; geld in beutel schieben. balt. stud. 15, 130; ich habe noch Jackeln überm hals, der reiszt mir mächtig im beutel. Schoch stud. leben H; der hat glück, der aus eines reichen herrn beutel lernet bauen. Schuppius 55; greife langsam nach dem beutel und oft nach dem hut. 263; auf seinen eignen beutel reisen. 267; den knopf auf dem beutel haben (nichts herausrücken); den beutel ziehen (bezahlen); den beutel immer auf haben; er lügt in seinen beutel;
arm am beutel, krank am herzen.
Göthe 1, 198;
das tägliche mahl
schmackhaft stets zu bereiten und ohne beschwerde des beutels.
1, 342;
zu schwach ist sein beutel,
das bedürfnis zu grosz.
40, 261;
da brach es auf da lag es kund und offen,
aus welchem beutel ich gewirtschaft hatte.
Schiller 343ᵃ;
dazu musz man einen ganz andern beutel haben als er. Lenz 1, 90. die Türken pflegen nach beuteln zu zählen. Das volk versteht unter beutel auch das scrotum von thieren und menschen (Schm. 1, 219); beutel nannte man das vermögen einer gemeinde oder genossenschaft, daher armenbeutel, gemeiner stadtbeutel, vgl.budget = beutel. in der müle ist beutel ein wollner sack, durch welchen der mehlstaub geschüttelt wird: das mehl durch den beutel laufen lassen, franz. bluter, mlat. buletare, und der beutel selbst buletelus, bultellus, franz. bluteau.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1750, Z. 71.

beutel, m.

beutel, m.
für meiszel (in lochbeutel, stechbeutel) ist unhochdeutsch und aus beitel, wie man wenigstens schreiben sollte, für beiszel (sp. 1399) entsprungen, oder gleich dem folgenden aus boszel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1751, Z. 45.

beutel, m.

beutel, m.
ein hölzerner schlegel zum klopfen des flachses, sollte hochdeutsch boszel, ahd. pôʒil (Graff 3, 233) lauten, wie man harapôʒo stipula lini sagte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1751, Z. 49.

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Zitationshilfe
„beutel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/beutel>, abgerufen am 28.11.2021.

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