Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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beuten

beuten,
wie schon bei beute gesagt wurde, erscheint nicht in reinmittelhochdeutschen denkmälern, zuerst im passional, und stimmt in seinem lautverhalt zu fremden wortformen. das altn. bŷta bedeutet sowol commutare als distribuere, das schw. byta mutare, permutare, partiri, im dän. bytte herscht die vorstellung von tauschen, wechseln. mit recht leitet Ihre aus der des vertheilens auch die der beute, praeda, es geht ans beuten, an die beute, will sagen ans austheilen des gewonnenen, genommenen, geraubten guts, welches nun in andere hände kommt, seinen herrn wechselt (vgl. ausbeuten). nicht anders ist das nd. büten, nnl. buiten, beides tauschen und erbeuten. Die bedeutung von austheilen zeigt sich auch im passional:
diz geben unde diz bûten.
K. 27, 22;
so wie von tauschen, verkehren, handeln:
daʒ si mit cristenlûten
treib alsô manic bûten.
K. 32, 4;
daʒ Paulus solde bûten
aldâ mit den lûten.
H. 190, 25;
häufiger die von rauben, im krieg erbeuten, streiten und zanken:
und lieʒe hie dit bûten
unde daʒ jemerlîche leben,
deme ich sô lange bin ergeben.
H. 32, 27;
man begonde vaste bûten.
K. 42, 8;
ir urlouge und ir bûten.
K. 386, 2;
durch ir unrehteʒ bûten.
K. 596, 30;
daʒ (gut) wolde sîn vil bôser mût
alleʒ zû im bûten.
K. 639, 75;
sich hûb dâ michel bûten.
K. 668, 86;
doch verdienen noch andere stellen dieses gedichts nähere erwägung, als ihnen hier gewidmet werden kann. Henisch sp. 355. 358 vermischt beuten und bieten, indem er neben letzterem ein ganz falsches beuten offerre, largiri (wie neben biegen ein beugen) ansetzt; man braucht nur das nnl. bieden und buiten zu vergleichen, um die verschiedenheit beider wörter zu gewahren. auch Dasypodius führt 303ᶜ beuten für bieten (indicare, liceri) auf, und gar kein beuten praedari; Maaler 65ᵈ hat das subst. beut, nicht das verbum beuten, so ungewohnt musz es damals noch hochdeutschem ohr gewesen sein.
1)
beuten = tauschen, wechseln erscheint nur bei Luther (doch nicht in der bibel) und Mathesius: diser psalm ist mir lieber, denn des bapsts, Türken, keiser und aller welt ehre, gut und gewalt, wolt auch gar ungerne umb disen psalmen mit ihnen allesampt beuten. 5, 43ᵇ. br. 4, 66; aber dennoch bin ich ein partekenhengst gewest und durch die schreibfedder so fern komen, das ich itzt nicht wolt mit dem türkischen keiser beuten, das ich sein gut solt haben und meiner kunst emperen. 5, 184ᵃ; könde ichs thun, so wolt ich mit euch beuten. tischr. 350ᵃ; und da schon gewerbe gewesen, hat man da gewechselt oder gebeutet, und wahr an wahr gestochen oder partirt. Math. 161ᵇ. spätere haben diese bedeutung nicht mehr, auch Stieler nicht, Frisch 1, 90ᵈ kann sie nur aus nd. büchern beibringen.
2)
beuten = praedari, praedam agere, capere:
weisheit von trunken leuten
und widergeben nach peuten.
fastn. sp. 1337;
sollen sie um ihr mishandlung gestraft und aufs wenigst ihr hab und gut gebeutet (eingezogen) werden. landfr. von 1521. 15; dieselb sache nam er, gieng davon und liesz die andern beuten, was sie wolten. Kirchhof wendunm. 101ᵃ;
mag wol
schwert, hunger, pestilenz dem niemals satten tod
ein tausend seelen beuten.
Weckherlin 198;
um Deutschland stund es noch so wol,
da Deutschland nur war gerne voll,
als da es triegen, buhlen, beuten
gelernet hat von fremden leuten.
Logau 1, 7, 16;
raubt und beutet, was jeder find.
Jac. Vogels ungr. schlacht s. 39;
weil mir ein landsmann sagte, dasz man unter den Brandenburgischen ehe als unter den kaiserlichen, indem sie der Montecuculi gar zu scharf in ordre hielte, etwas beuten könte. ped. schulf. 209; die kriegsleute stehlen nicht, sondern sie beuten; auf beuten ausreiten; ein pferd beuten, equum praemiari. Stieler 141;
beutet man doch im gefecht hornvieh und gemästetes kleinvieh.
Voss;
sandte die ganze reiterei gegen die zerstreuten beutenden feinde. Stolberg 8, 364. man sagt heute lieber beute machen und erbeuten. Verkennen läszt sich nicht, dasz zwischen beute, beuten und dem sp. 1157—59 verhandelten batte, batten eine gewisse analogie stattfindet, beidemal scheint ein unhochdeutsches T zu uns vorgedrungen und sich geltung erworben zu haben; beidemal wäre nach dem von der sprache sonst eingehaltnen gang ein hochdeutches Z zu erwarten gewesen. dort aber wurde gesucht, die störung durch annahme eines organischen ahd. T, dem alts. D entsprach, zu entfernen; wie wenn derselbe fall auch hier schein gewönne? dann bliebe nichts anders übrig, als die vorhin an Henisch getadelte vereinbarung von beuten und bieten gutzuheiszen, und aus diesem auch jenes abzuleiten. tauschen beruht auf gegenseitigem bieten und annehmen, bieten ist praebere = praehibere, hinhalten, darreichen, und praeda nicht aus prehendere, vielmehr (wie praes, praedis) aus prae dare zu deuten, was aber in praedari rauben, praedo räuber umschlug, gerade wie bieten praebere in beuten, nehmen, rauben. der tausch und wechsel wurden zu streit und raub. Kann solche versetzung der begriffe sich rechtfertigen, so wäre anzunehmen, einmal dasz neben dem ahd. piotan offerre auch ein schwaches piutan, pûtan praet. pûtta praedari, neben mhd. bieten ein biuten praet. bûtte bestehen konnte, wiewol sie nicht vorkommen, auszer zuletzt im passional; dann aber, dasz die nd. und nord. dialecte ihr büten und bŷta aus dem hd., mit beibehaltnem T, erborgt hätten. In den umfang der wurzel bieten scheinen nun aber auch die folgenden gleichlautenden verba zu fallen, die wegen ihrer abweichenden bedeutung bisher gesondert aufgestellt wurden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1753, Z. 46.

beuten

beuten,
excitare focum, feuer anlegen hat Frisch 1, 91ᵃ aus Apherdian, und Köpke im wb. zum pass. 708ᵇ vermutet es auch in der vorhin angezognen stelle
man begonde vaste bûten.
42, 8,
obgleich sie zu allgemein redet, und das it. bottare il fuoco, franz. bouter le feu vielmehr auf ahd. pôʒan, goth. bautan wiese. auch sagt man nd. für böten (brem. wb. 1, 126) nicht büten, nnl. het vuur boeten, nicht buiten, schw. böta eld (Ihre 254), nicht byta. nhd. ist weder beuten noch boszen oder büszen gebräuchlich in solchem sinn, wol aber hat man aus nd. böten zaubern ein falsches nhd. beuten gemacht, z. b. im noth- und hülfsbüchlein, ausg. 6 (1789) s. 271.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1754, Z. 75.

beuten

beuten,
alveo in silva examen indere. Frisch 1, 91ᵃ. beute alveus, bedeute es backtrog oder bienenkorb, ahd. piutta (für piutia?) leidet vielleicht zusammenstellung mit piot, mensa, lanx, ags. beod, goth. biuds, altn. biođr, mensa, discus, orbis, die sich von piotan, biudan, bieten praebere, darreichen ableiten. es ist ein zum backen und für die bienen zum bau bestimmtes gefäsz, und die honigbeute wird an den baum gehenkt, wie der beutel an den hals.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1755, Z. 8.

beuten

beuten
= beiten, exspectare (oben sp. 1403): beuten, gedultigen verzug halten. Seb. Helbers sylbenbüchlein 1593 s. 43.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1755, Z. 16.

verbeuten, verb.

verbeuten, verb.,
verstärktes beuten mit transitivem gebrauche (s. theil 1, 1754), mhd. verbiuten, md. verbûten, mnd. vorbuten, zahlreiche belege Schiller-Lübben 5, 326. heute ungebräuchlich.
1)
vertauschen, verwechseln, vergl. die alten belege, doch nicht über das 15. jahrh. hinausgehend, bei Vilmar kurhess. id. 34, z. b.: das wir recht und redelich erblich und ewiglich verkaufft und verbeutet haben, verkauffen und verbeuten. urk. (Hermershausen) 1499; die eltisten hatten sie gessen, und was von jungen waren, etliche den Portugalesern für wahr (gegen waare) verbeuttet, also dasz diser junge gesel auch den Portugalesern verbeuttet war. H. Staden 911; etwas für das andre verbeuten führt Frisch 1, 90 aus älterer quelle an. von abstracten dingen: (der) seine studia theologica mit einem so gottlosen leben verbeutete. Melissus Salinde 112.
2)
als beute vertheilen, belege bei Schm. 1, 304 Fromm., z. b.: die Römer haben den Juden (im eroberten Jerusalem) knaben und mägdlein verbeutet. Aventin. chron.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1886), Bd. XII,I (1956), Sp. 109, Z. 25.

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Zitationshilfe
„beuten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/beuten>, abgerufen am 27.11.2021.

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