bevortheilen
Fundstelle: Lfg. 8 (1854), Bd. I (1854), Sp. 1761, Z. 3
fraudare, wie beeinträchtigen, milder als betriegen. dies wort ist kein gegensatz von benachtheiligen und drückt nicht aus einen in vortheil bringen, sondern das umgedrehte. nun könnte darin das privative ahd. piteilan privare, alts. bidêlian, ags. bedælan merkwürdigerweise nachhallen. da aber das subst. vortheil selbst in den sinn von lucrum, quaestus, gewinnsucht, trug überschlägt, und schon das einfache vortheilen betriegen heiszt, z. b.
du fortheilst die leut wie du kanst.
H. Sachs I, 224ᵈ;
so liegt es näher, hiernach auch bevortheilen aufzufassen. die privation beruht hier in der partikel vor, in dem vorweg nehmen, praecipere, wie bei jenem alten piteilan in der partikel be = beiseite, nebenhin. mehr soll noch unter vortheil gesagt werden, vgl. auchübervortheilen. Bevortheilen fehlt bei Maaler, Henisch, auch geht Frisch 2, 367ᵇ darüber weg, Stieler 2271 führt es, neben vorteilen, richtig auf als lucrum ex alterius damno capere. belege bieten sich ebenfalls erst seit der zweiten hälfte des 17 jh. dar: allerhand practiken erdenken, den nächsten zu bevortheilen. Butschky Patm. 810; im gewichte bevortheilen. Lohenst. Arm. 1, 751; präsentierten sich vor meinen augen alle diejenigen personen, die ich im zorn ums leben gebracht, verwundet, bevortheilet oder sonsten beschädiget hatte. Felsenb. 2, 395; sie haben mancherlei masz und gewicht, welches dem herrn ein greuel ist. mit einem andern bevortheilen sie mich, mit einem andern bedienen sie den herrn Mascho. Lessing 10, 170; bei redlichen geistigen wünschen und absichten fühlt er sich von der welt verletzt und um seine gröszten schätze bevortheilt. Göthe 32, 243; bemerkungen, die gerade das innerste mystische leben solcher begünstigten, oder wenn man will bevortheilten naturkinder aufheben und zerstören. 60, 296; der kaufmann läuft, reiset zu wasser und zu land, er gewinnt, bevortheilt. Tieck ges. nov. 4, 18; die übrigen volksklassen zu bevortheilen. Fichte geschl. handelsst. 35. etwas anders steht es bei Hohberg 3, 35ᵃ: verkauft jemand sein haus und bevortheilte ihme (behielte sich zu seinem vortheil vor) darin den wiederkauf oder lösung auf eine gewisse zeit, so mag alsdann sein, des verkaufers, nächster blutsfreund im selben fall an den kauf stehen. vgl. auch vervortheilen.
Zitationshilfe
„bevortheilen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bevortheilen>, abgerufen am 20.07.2019.

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