blähen
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 62, Z. 33
balare, blöken, vgl. βληχή und βληχάομαι, die gewöhnliche ahd. form ist plaʒan, wovon weiter unten, doch hat Graff 3, 259 auch plegintis balantis;
dasselb kann niemant auszspehen,
bisz das es in ein wigen wird plehen.
fastn. sp. 1112;
gemsen geben ein truck durch die nasen, schreien oder plähen nicht, plerren oder wisplen wol. Sebiz 570; der Samier schaf, welches den kirchenräuber Apollinis verriete mit blähen ungesehen. Garg. 75ᵇ; was darf es des blehens? 203ᵇ.
blähen n
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 62, Z. 31
inflatio, superbia: mit einem gewaltigen blähen und brüsten. Simpl. 1, 387.
blähen
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 61, Z. 27
inflare, turgidum reddere, ahd. plâjan plâta (Graff 3, 234), mhd. blæjen blæte (Ben. 1, 196ᵃ), Luther schreibt blehen, Henisch blähen, Seb. Helber blaen, Maaler 71ᵃ bläyen, ags. blâvan praet. bleov, engl. blow; überbleibsel eines starken part. praet. blahen scheint das hernach unter blan aufgeführte adj. offenbar liegen blasen, goth. blêsan, ahd. plâsan und lat. flare ganz nahe. vgl.aufblähen.
1)
intransitiv, oder ohne acc., mhd. ein solch imbiʒ:
daʒ niht blæte, noch enjas
umb daʒ herʒe, der eʒ aʒ.
krone 7654;
nhd. diese speise bläht, bläht nicht; rüben blähen; blähende speisen. Kant 10, 227;
wem auch die pösen lüft im pauch pleen.
fastn. sp. 752, 27;
und wem die pösen wint im pauch würden pleen.
768, 5,
d. h. blähungen machen. wie den bawren die bäuch pleen (turgent). Petr. 9ᵇ; es blähte ihm (schwoll auf) seine beste kuh, die unlängst gekalbert hatte, man sah es zu spät und konnte sie nicht retten, man muste sie metzgen. Gotthelf schuldb. 211.
2)
transitiv,
das sie (die rüben) mich im pauch nit plehen.
fastn. sp. 369, 16;
sol ein weiser man seinen bauch so blehen mit losen reden? Hiob 15, 2;
o nein, der schmeichler lob bläht seinen übermut.
Hagedorn;
die segel schien ein frischer wind zu blähen.
Wieland;
da sieht man schlangen hier und nattern
die giftgeschwollnen bäuche blähn.
Schiller 58ᵇ;
doch glaube nicht, dasz mir
der freiheit wilder trieb den busen blähe.
Göthe 9, 140;
hoffentlich bläht ein fördernder wind ihre segel. 23, 199;
die segel blähet schon das schif.
Platen 166;
als der kahn das schif erreichte, blähts die segel alsobald.
238;
wie ein genie die backen blähn.
292.
durch den hohen über die erde geblähten nebelflor. J. Paul Tit. 4, 33.
3)
am häufigsten sich blähen, inflari, turgere: ein unnützer man blehet sich. Hiob 11, 12; die liebe blehet sich nicht (goth. ni ufblêsada). 1 Cor. 13, 4; er (der frosch) bläet sich aber noch basz, er ward sich zu dem drittenmal bläen. Steinhöwel Es. 41. 42; ein junger eber wonet under einer groszen herd der schwein, der bläet sich in hoffart. 58ᵇ; das er sich in hoffart bläde. Keisersb. hell. lewe 32; derhalben sol sich unser liebe muter die heilig kirch nit blähen, das wir ire präuch einem binenkorb vergleichen. bienenk. 235ᵃ; wie der frosch sich blähet ochsengrosz. Garg. 72ᵃ; ein mancher würde sich mit seinem erworbenen ofnen helm wie ein frosch in der laich geblähet und grosz gemachet haben. Simpl. 1, 9; die sich wie ein frosch an der laich blähen. 1, 270;
wie wolt ich mich nicht blehn.
Günther 530;
hier sahe man den alten herrn sich blähn.
Lessing 1, 122;
im verfallnen palast
bläht sich die fleckigte kröte.
Zachariä 2, 40;
zwar wissen wir, wie stolz Apoll
mit sang und klang sich blähet.
Bürger 9ᵃ;
obgleich Apollo sich voran
mit seiner dichtkunst blähet,
so ist doch Bacchus auch ein mann,
der seinen vers verstehet.
117ᵃ;
der stumpfe bursche bläht sich,
das steife mädchen dreht sich
nach meiner melodie.
Göthe 1, 26;
wie grün der neue halm sich bläht.
4, 74;
ich habe mich zu hoch gebläht,
in deinen rang gehör ich nur.
12, 88;
und die irren lichter,
die sich mehren, die sich blähn.
12, 205;
laszt die reichen körbe sehen,
die sich bunt am arme blähen.
41. 24;
wer weisz denn hier nur wo er geht und steht,
ob unter ihm sich nicht der boden bläht?
41, 142;
und einem segel gleich
ihr seidner rock, so bläht im wind er sich.
Gökingk 2, 214;
sich mit tugendstolze blähn.
Gotter 1, 444;
ein magisches bette, das unter elektrischen blauen gardinen sich bläht. Thümmels reise 2, 72; auf dem wasser sah ich einzelne segel sich blähen. Bettine br. 1, 49. participia ohne sich:
die am arme seichter thoren
blähend mit dem fächer ficht.
Schiller 9ᵇ;
schlüpft ich ins blähende bettlein hinein.
Schubart 3, 43;
die blähenden segel auf dem Rhein. Bettine br. 1, 239.
Zitationshilfe
„blähen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bl%C3%A4hen>, abgerufen am 17.07.2019.

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