blüte n
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 176, Z. 51
flos: diesen verkaufet sie das blüte der armen töchterlin, die es auch dester ringer wageten, dieweil sie ihnen verhiesze, die junkfrawschaft zu erneuweren. Wirsung Cal. D 3ᵇ.
blüte f
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 176, Z. 54
flos, die schreibung blüthe tadelhaft, ältere setzen noch blüet, wie ahd. pluot (Graff 3, 241), mhd. bluot (Ben. 1, 217), in vielen bedeutungen von blume: in der mitte des baums ist ein besonderer ast, der macht die blüet, wie ein bonenstengel thuot. Frank weltb. 201ᵇ; bonen, die in ihre (so) blüet stehn. bienenk. 242ᵃ;
meines leibes blüt, blut und saft.
Weckherlin 147;
blüte der gestalt.
Opitz 3, 83;
wo ist mein erste blüte,
da ich so schöne war,
das freudige gemüte?
Fleming 16;
was in der blüte steht, was durch die zeit verfiel.
Gryphius 1, 22;
diese weise leute wollen mir verzeihen, dasz ich über sie seufze, dasz durch ihre phantasei mir die beste blüte meines alters gestolen sei. Schuppius 816; Horaz setzt das breve dem vivax entgegen, daher es denn nothwendig die kurze dauer ihrer blut anzeigen musz. Lessing 3, 440;
ein jüngling, verführt in der blüte.
Klopstock Mess. 8, 310;
mag die schüssel denn stehn, schmückte sie auch das reh,
in der blüte gefällt.
werke 2, 185;
o Aristus, um ein wort starb ich in der blüte, und du, mein freund, warst mein grausamer mörder. 11, 122; die blute der vollkommenheit (gegenüber dem verfall der kräfte). Kant 9, 3;
einen einzgen sohn
Dimitri, die späte blüte seiner kraft,
gebar ihm Marfa.
Schiller 662ᵃ;
der anmut unverwelkte blüte.
100ᵇ;
o jugend, süsze trunkenheit,
o blüte des gefühls!
Gotter 1, 437;
sie forderten des mädchens blüten
mit schrecklichem geschrei von mir.
Göthe 1, 211 vgl. 21, 80;
dann sammelt sich der jugend schönste blüte
vor eurem spiel und lauscht der offenbarung.
12, 14;
nicht wahr, das elend hat die blüte von meinen wangen gestreift? 10, 158; in der blüte ihrer jahre, ihrer figur, ihrer talente. 15, 115; wer kann wiederholen was sie sagte, wie kann der kalte todte buchstabe diese himmlische blüte des geistes darstellen! 16, 84; indem sie durch solche unreifheiten die wahre wissenschaft unsicher machen und verwirren, ja ihre schönste folge, die practische blüte derselben offenbar verkümmern. 23, 262; als meine neigung zu Annetten in ihrer besten blüte war. 25, 102; es war nicht das erste und letzte mal, dasz ich mich in familien, in geselligen kreisen befand, gerade im augenblick ihrer höchsten blüte. 26, 34; es ist mit Lavater wie mit dem Rheinfall, man glaubt auch man habe ihn nie so gesehn wenn man ihn wiedersieht, er ist die blüte der menschheit, das beste vom besten. an fr. von St. 1, 279; die letzte blüte der wange. J. Paul Hesp. 3, 100; sonne, die am himmel ihre weiszen blüten aufschlug. 3, 145; und ich meinte auch ihn mit seiner zarten blüte. 4, 29; auf der geliebten blassem angesicht schlugen gar zu anmutig rothe blüten aus. Fibel 107; das unbewegte, wenn auch nur mit tauben blüten, aber vom helldunkel verklärte gesicht. komet 2, 139; die ehe trug nur taube blüten. holzschn. 95; zimmer an deren spalierwänden Raphaels ewige blüten glühen. 36, 100; sterne, die ewigen blüten des himmels. Humboldt kosm. 2, 29. blaue blüte heiszt auch der blaue flieder oder hollunder. blüte, hautausschlag im gesicht. s.blütchen.
Zitationshilfe
„blüte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bl%C3%BCte>, abgerufen am 17.11.2019.

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