Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

blatter, f.

blatter, f.
pustula, papula, eigentlich bulla, blase, ahd. plâtara (Graff 3, 235), mhd. blâter (Ben. 1, 203ᵃ), ags. blædre vesica, und mit gekürztem vocal bläddre, wie engl. bladder, altn. blađra, bleđra, schw. blädra, dän. bläre, nnl. blaar. wurzel blâhen, blâvan, flare. gilt uns heute nicht mehr für wasser- oder luftblase, nur für die hautblase, hitzblatter: es ist mir eine blatter im gesicht ausgefahren; zumal aber steht der pl. blattern, kindsblattern für variolae: das kind hat die blattern, bekommt die blattern, die blattern zeigen sich, brechen aus, stecken an, werden geimpft, stehen gut, sind gutartig, heilen ab; die blattern wüten im dorf; das kind starb an den blattern;
der doctor sieht es ganz genau
dasz sich die blattern offenbaren.
Gellert 1, 130.
schwarze blattern, pestblattern: da furen auf böse schwarze blattern, beide an menschen und an vieh. 2 Mos. 9, 10; Keisersberg predigte im j. 1505 von den sünden des munds, die er als 25 geistliche blattern abhandelt und vielseitig bespricht.
geh blatter dieses hofs!
Gryphius 1, 406;
so will ich ein christ werden. 'die kirche bedankt sich für die blattern des heidenthums.' Schiller 176ᵇ. Im 16 jh. steht blatter noch oft für vesica: kame si gewis nicht heim, si hette dann achterlei weine getrunken und versuͦcht, und zum minsten zwen guͦt grosz krüg des besten ein in die blater, den andern in die hand gefasset. Wirsung Cal. H 2ᵃ; wann man ein wildes schwein fangt, das den harn noch nit gelassen, so nimb die blatter sampt dem harn, henk sie auf einen trucknen ort. Seuter 262; calciniere und lege den weinstein in eine rinds oder säuplater. Sebiz 395; das setzt sich in regionibus vesicae an, zwischen nieren und der blateren. Paracelsus 1, 304ᵇ; sie (die fische) haben lungen, nieren, blatern, hoden. Forer 86ᵇ; an die seil heften sie viel aufgeblasener geiszheut als blatern. 88ᵇ; er hab blattern (blasen) an den füszen gangen. Frey garteng. 85; der sagitarius tröwet ihnen (den pilgern) blatern an den fersen (Rabelais: les menace des mules aux talons, frostbeulen) und wölf zwischen den beinen. Fischart groszm. 95; als er (der götze im ofen) anfieng brinnen, gab er wüest grosz blattern, namlich die ölfarben. Plater 37;
jo, thäts dir in der blatter wee,
so wölt ich tanzen dester mee.
Kolrosz A 4.
in Baiern und Schwaben bedeutet blatter fortwährend auch blase, vesica (Schm. 1, 240); indem mir mein lebtage keine harte arbeit meine hände mit blattern (blasen) beschweret. Pierot 2, 185. s.bloter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 77, Z. 26.

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Zitationshilfe
„blatter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/blatter>, abgerufen am 13.08.2020.

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