blinken
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 127, Z. 4
micare, nitere, ein der älteren sprache abgehendes, erst im 17 jh. raum gewinnendes verbum, dessen man freilich schon zur erklärung des ablautes blank, glänzend weisz bedarf, auch hat die nnl. sprache das starke blinken, blonk, geblonken, wofür wir blinken, blinkte, geblinkt sagen. das wort ist aber, soviel bekannt, weder ahd. noch alts. ags. altn. auch eine mhd. bei Ben. 1, 209ᵃ angezogne stelle aus den altd. bl. 1, 242.
die zeiget mir mit winken
oder mit ougen blinken.
leidet bedenken, da andere texte cod. kolocz. 278. GA. 1, 263 mit ougen pinken lesen. doch musz blinken in nd. landstrichen zu hause sein, wie auch schw. blinka blinkade, dän. blinke blinkede gilt. Dasypodius, Maaler, Henisch führen es noch nicht auf. Man darf blinken blank als erweiterung von blîchen bleich betrachten, wie sich sinken sank zu sîgen seic (vgl. altn. söckva) stellt und bliggvan zu bliuwan; ganz wie blicken, blinken, blinkeln, blinkern verhalten sich zwicken, zwinken, zwinkern, ags. tviccian und tvinclian, engl. twitch und twinkle. heute treten sich auch die intransitivbedeutungen blinken und blicken nahe genug, wir können sagen, die augen, die sterne blinken oder blicken; doch steht uns blinken nur für glänzen, nicht wie blicken für schauen und erscheinen. blicken ist ein vorübergehendes scheinen, blinken ein dauernder glanz. das silber blickt auf einmal, aber es kann so lange blinken als es blank ist; blicken lassen heiszt plötzlich erscheinen lassen; blinken lassen nur leuchten. das schwert ist gefegt, das es blinken sol. Ez. 21, 10; iren königen sol fur dir grawen, wenn ich mein schwert wider sie blinken lasse. 32, 10;
wie wann des tages zier die sonne seewarts steigt,
und ihre strahlen läszt mit einem schönen blinken,
dasz land und see sich freut, den süszen schlaftrunk trinken.
Opitz. 1, 55;
die zeit der ernt ist da, laszt sens und sichel blinken.
Gryphius 2, 261;
ist das gold ein andre sonne, wie chimisten wil bedünken,
wie dasz sie mir wie ein winter wil nur stets zur seite blinken?
Logau 2, 1, 54;
das land bekam einen glanz von seinem saubern und blinkenden herzen. pers. baumg. 1, 6; sie blinkete einem ins herz, dasz auch keiner, wer sie angeschauet, seiner mächtig geblieben wäre. pers. rosenth. 2, 28;
wie strahlt das feuer schöner augen,
wie blinkt der helle rebensaft!
Hagedorn 3, 102;
wenn mir weine dafür blinken.
Lessing 1, 68;
seht hier die vollen gläser blinken.
Uz 1, 122;
oft blinkten ihr thränen im aug.
Wieland 5, 113;
der wenn die flasche blinkt,
wie Zeno spricht und wie Silenus trinkt.
9, 99;
was kümmert mich die ganze welt,
wenns liebe gläslein winkt,
und traubensaft, der mir gefällt,
an meiner lippe blinkt!
Hölty 229;
wie dann ihr rasches auge blinkt,
so blinkt das licht aus quellen wieder.
Bürger 18ᵇ;
es blinkten leichensteine
rundum im mondenscheine ....
von drüben herüber, von drüben herab
blinkt stattlich ein schlosz auf das dörfchen im thal;
und den mordstahl seh ich blinken
und das mörderauge glühn.
Schiller 62ᵃ;
auf der welle blinken
tausend schwebende sterne.
Göthe 1, 86;
ja eure reden, die so blinkend sind,
in denen ihr der menschheit schnitzel kräuselt,
sind unerquicklich wie der nebelwind,
der herbstlich durch die blätter säuselt.
12, 37;
sie sah ihm in die augen, die von verhaltnen thränen blinkten. 18, 228; in ihrem rechten auge blinkte eine schöne thräne. 20, 40; heraustretend fand ich den völlig aufgehellten himmel von sternen blinken. 30, 231;
dir im auge zähren blinken.
Gökingk 1, 48;
gottlob, noch blinkt
durch deine saaten
kein heer Kroaten.
1, 233;
der kirchthür gegenüber blinkt
ihr goldner leichenstein.
Gotter 1, 313;
die auf der erde und am himmel blinkende nacht. J. Paul Hesp. 2, 48; es war gegen mitternacht. der himmel blinkte näher an der erde. 4, 189; wenn er in den himmel voll sterne hinauf schaut, einer blinkt schöner und freudiger als der andere. Hebel schatzk. 1. Ausnahmsweise steht blinken für heimlich blicken, schauen, in einer unter d. w. aufwürgen (1, 782) angeführten stelle. hin und wieder hört man auch mit den augen blinken für blinzen, blinzeln, die augenlieder auf und niederschlagen.
Zitationshilfe
„blinken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/blinken>, abgerufen am 17.10.2019.

Weitere Informationen …