bolle f
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 232, Z. 52
populus, was bolde. s. bollweide.
bolle f
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 231, Z. 49
alveus, bei Alberus boll, nart (s.narde), tiefschüssel, auch heute noch in der Wetterau hohlrunde, muldenartige, hölzerne schüssel zum küchengebrauch, ein grosz new bullen verzeichnet eine Büdinger rechnung von 1558; im vocab. ex quo von 1469 fodula ein bolle, proprie kochkelle; asze der kutteln und pfutteln sechzehen seifkessel, zwen amen, sechs nossel, zwo schaufel und zwo bollen voll. Garg. 82ᵃ; derhalben auf den rebentroll, es gilt dir voll ein boll (einen napf), so wirst zeitlich doll. groszm. 116. man denkt zunächst ans engl. bowl napf, und deutscher wäre punschbolle als punschbohle. am Neckar ist boll eine wasserschöpfe, mulde, haustrum, man hört dort:
wann der wein erfriert in der woll,
so schöpft man ihn im herbst mit der boll;
Fischart Garg. 271ᵃ unter vielen andern gefäszen nennt auch hengeimer, bollen, wassertupfen, und schon das mhd. gedicht vom hausrat z. 19 sagt:
eimber unde bollen
endarf ich niemen verzollen.
ahd. ist hirnipolla, mhd. hirnbolle, cranium, ags. bolla vas, heáfodbolla cranium. alle diese wörter können mit jenem boll rund, gewölbt zusammenhängen, aber auch das folgende bolle sein.
bolle m
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 232, Z. 53
taurus, schreiben einige für bulle. s.bollenschmaus.
bolle f
Fundstelle: Lfg. 1 (1854), Bd. II (1860), Sp. 231, Z. 72
gemma, folliculus floris, was auch balg (1, 1084) und lautverschoben dem lat. follis entsprechend; wie in belgan tumere liegt wiederum die vorstellung von boll rotundus, tumidus nahe, die knospe schwillt, wölbt, wirft sich auf, ründet sich. ein ahd. pollun folliculos hat Graff 3, 96. wer weit aufsteigen will, kann das skr. phal findi, dissilire (Bopp 235ᵇ), phull, se expandere, florescere (236ᵇ) und dann auch folium, φύλλον, flos und blume vergleichen. halten wir hier bolle knospe fest, das freilich diesem letzten worte heute meistentheils gewichen ist. mhd. Ben. 1, 119ᵃ:
man siht ûf dem zwîe
bollen, die sich went ûf tuon.
MS. 1, 189ᵃ.
Mich. Herr im verdeutschten Columella 26ᵃ vom weinstock redend sagt: so ausz ieden berbollen (tragknospen) vil fruchtbare schosz uszschieszen; 193ᵃ also das die boll gerad in der mitte steh. verbind es, das es on schaden der bollen wol anzogen sei. so findestu dann nach ein und zweinzig tagen, das die boll recht und volkomenlich in den frembden baum verwachsen ist. gemeint wird das geimpfte auge, die knospe. auch Stalder 1, 199 nennt bolle die erste knospe an den zweigen fruchttragender bäume. wenn aber sie sehen die boum frü blügen und die bollen herfür stechen, so der winter noch nit ganz enweg ist, so hoffen sie nit vil oder guͦte frucht zuͦ erlangen. Keisersb. bilg. 32ᵃ; wie sie gleich sein dem teufel in verderbung der frücht und der bollen. s. d. m. 89ᵃ; die äuglein oder bollen sind ein begrif des ganzen gewächses. Muralt eidg. 10; das auch die schosz und bollen auf anderen frembden und unterschiedlichen bäumen gerne bekleben. Sebiz 322; keinen baum solt zweigen (pfropfen), dem schon die bollen geschossen sein. 328. einige setzen das wort männlich: der den bollen für die rosen halten will und abbrechen, was hat er? Paracelsus 2, 470ᶜ. Zumal heiszen bollen die flachsknoten, lini capita: poll oder knodt an einer herdtflachs, adula oder leinhaupt. voc. 1482 z 4ᵇ; diesem zahmen flachs ist der wilde ganz gleich, doch mit bollen gröszer. die bollen am wilden gehen in der sonnen nicht auf. Tabernaem. 1206; der lein soll in den bollen oder knoten aufbehalten werden. Hohberg 1, 105ᵇ; mhd.
ein sâme heiʒet coriandron,
gelîch ist er lînpollon.
Diemer 78, 29.
auch von ihrer runden gestalt die kartoffeläpfel und roszäpfel: anstatt der lauteren erde kan man ganz warme roszbollen in grosze scherben thun, sie wol eintrucken und zwei daumen hoch gute mit sand gemengte erde darauf schitten. Hohberg 3, 608ᵇ. vgl. Schm. 1, 170. Bedenklich aber kann die anwendung auf zwiebel, allium cepa scheinen und hier bolle aus kürzung des it. cipolla, sp. cebolla entspringen, woher zwiebel, zibolle, zippel selbst rührt. Göthe schreibt 58, 157: die rübenform ist jedem bekannt, so auch die gestalt der bollen, letztere sind aufgeschwollene, in sich selbst abgeschlossene wurzeln, keim neben keim auf der oberfläche vertheilt. vgl.bulbus, βολβός. Ohne anstand braucht Fischart bollen von corallen: corallenbollen. Garg. 119ᵇ; das paret von gutem schwarzen sammat mit einer schönen schnur von guldenspangen und bollen. 282ᵃ. schweiz. sind bollen das schrot zum schieszen: hasenbollen. Stalder 1, 200.
Zitationshilfe
„bolle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bolle>, abgerufen am 23.10.2019.

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