Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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bracht, f.

bracht, f.
proscissio, cessatio, was brache: wann das feld heur tregt, so ligt es bisz jar in der bracht, feiret oder tregt gar wenig, der boden muͦsz geruͦhen, man muͦsz in nit erschöpfen. Petr. 53ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 283, Z. 34.

bracht, pracht, m., später f.

bracht, pracht, m. später f.
fragor, clamor, tumultus, strepitus, fastus, luxus, splendor, ein wort das in schreibung, geschlecht und bedeutung schwankt. es stammt aus der wurzel brechen (vgl. wachen wacht, siechen sucht), wie fragor von frangere, welches frangere dazu noch an brangen, prangen mahnt, s. hernach unter 5. Schon das einfache altn. brak drückt aus fragor, strepitus, ebenso das alts. gebrac: burgliudeo gebrac, civium turba. Hel. 66, 19; das ahd. giprëh (Graff 3, 267), ags. gebrëc: gebreca hlûdast. cod. exon. 385, 6. weiter abgeleitet, aber gleichbedeutig sind alts. brahtm Hel. 128, 6. 146, 23; ags. breahtm, im cod. exon. oft begegnend. Der form bracht entspricht sowol ahd. praht (Graff 3, 269), fragor, strepitus, fremitus, als alts. braht: thar ist braht mikil. Hel. 138, 21; was thar braht mikil. 151, 4, lärm, geräusch. auch mhd. braht ist clamor, strepitus (Ben. 1, 243):
sî (die vögel) huoben aber ir süeʒen braht.
Iw. 682;
der kleinen vogel braht.
MS. 1, 192ᵃ;
dâ was von klage grôʒer braht.
Wigal. 5228;
sunder rede und sunder braht.
Trist. 313, 8;
âne schal und âne braht.
380, 13.
weiblich gesetzt findet sich das wort nur bei Jeroschin (Pfeiffer s. 134). Nhd. herscht noch im 16 jh. das m. vor, Luther wechselt mit beiden geschlechtern, später überwiegt das f. bedeutungen:
1)
die alte von lärm und geschrei:
meins mutes schal und praht.
fastn. sp. 1378;
welch machen grosz geschrei und bracht,
die lobt man ietz und hat ir acht.
Brant narr. 19, 53;
nicht lang darnach er das schwein hort
her gegen im mit groszem pracht
laufen.
Teuerdank 35, 43;
Tewrdank höret den lautern pracht.
36, 43;
schluͦgen sie von stund zuͦ samen
mit einem übergroszen pracht.
87, 37;
sie tratent auf dem pflaster,
hettent ein groszen bracht.
Soltau 305;
horch, wie im ror das vöglin lacht,
und treiben pracht.
Garg. 249ᵃ,
wo andere ausgaben bracht schreiben; und ist ein grosz ding umb si, ein groszer bracht. Keisersb. bilg. 96ᵃ.
2)
hieraus entfaltete sich leicht der sinn von fastus, pompa, groszsprecherei, aufwand, zumal in den redensarten bracht haben, führen, treiben, die fast noch ausdrücken lärm machen: auf ein zeit was einer, der füret groszen bracht und het das gut nicht darnach. sch. u. ernst cap. 68: groszen bracht het ein edelman mit seinem edlen gestein und ringen. cap. 220;
mit edlen gestein treibt mancher bracht,
seind doch nicht anders als man acht.
daselbst;
dasz zwei dest pas haben iren bracht.
fastn. sp. 286, 32;
er hat zun ziten ein solchen bracht.
833, 24;
hoffart wirt han allein den bracht.
1028, 12;
des adels pracht.
1295, 1;
so müssen wir es gar wol schmieren,
wöln wir den bracht für auszen füeren.
Murner schelmenz. 35ᵇ;
und haltend auch allein den bracht.
57;
gott wolt nit leiden sölchen pracht.
Schwarzenb. 106, 2;
und wird iren pracht nidrigen mit den armen seiner hende. Es. 25, 11; und hast dich deine klugheit lassen betriegen in deinem pracht. Ez. 28, 17; was hilft uns nu der pracht? (vulg. quid nobis profuit superbia?) weish. Sal. 5, 8; so die oberkeit nur iren pracht imer gröszer machte. Luther 3, 115ᵇ; man müste ja den pracht einziehen und das ausgeben stopfen. das.; es sol der könig nicht viel pferde bei sich haben und ein groszen pracht füren. 3, 129; du denkest, wie du gnug habest und deinen pracht fürest. 5, 414ᵃ; deinen pracht und stolz auszufüren. 5, 417ᵃ; wenn wir ein solche definition setzten und sagten, das die kirche were ein solcher pracht, wie des bapsts wesen stehet, so möchten wir vielleicht nicht so gar ungnedige richter haben. Jonas bei Luther 6, 415ᵇ; die unterm schein der heiligkeit von gemeinen almosen in allem pracht und wollust leben. 6, 467ᵃ; und wenn es ihnen rechter ernst were, der kirche und den armen gewissen zu helfen und nicht vielmehr ihren pracht und geiz zu erhalten. Melanchth. im corp. doctr. 183; so ist auch ein groszer pracht alda. Hutten 5, 250; so er (der prediger) aber dem pracht diser welt widerstat, musz er von der welt verschupft, geschändt und verachtet, ja getödt werden. Zwingli 1, 85; man findt heimlich reiche leut, die in winkeln ein rüwig, fein, still leben haben, keinen pracht oder groszen brauch. kluge weise reden 65ᵇ; das sie ein bischof werden, auf das sie nachmals mit zwei oder dreihundert pferd daher können reiten und iren pracht aus den kirchengütern volstrecken. Höniger 268; dann von wegen des unmeszlichen brachts der tollen weiber müssen etliche männer verderben und ausz haus und hof gehn. Alberus ehbüchl. G 3ᵃ;
dein gute tag in solchem pracht.
Alberus fab. s. 29;
wir achten nichts auf deinen pracht.
33;
und fehrt daher mit stolzem pracht.
43ᵇ;
so fürend wir glich groszen bracht.
trag. Joh. 101;
nid, hasz, hoffart und groszen pracht.
Ruefs Heini 2850;
wollet euwerm verheiszen nachkommen und diesem stolzen Schotten seinen pracht zerknitschen. Galmy 129; was laszt ihr euch bewegen den hohen pracht der hohen schulen? Paracelsus 1, 563ᵃ; die hoches prachts reden. Melissus ps. D 8ᵇ; der pracht wird fast doll sein. Fischart groszm. 105; die groszen pracht mit ihrem gut treiben. wegkürzer 85; also fleucht und steubt aller pracht und ehr der welt dahin. Kirchhof wendunm. 375ᵇ; so man diesen bapst mit groszem pracht und reverenz in einer senften daher getragen. 372ᵃ; begraben ohn einigen pracht. 414ᵃ; und je herlicher der pracht ist, je mehr volks herzu lauft. 414ᵇ;
vermeidet pracht, gottslestrung, neid.
Ringwald tr. Eckh. F 1ᵃ;
mit unzucht, pracht und kartenspiel.
laut. warh. 36;
alsdan sol sich ihr spot und schimpf,
und falscher glimpf
mit ihrem pracht verkürzen.
Weckherlin 9;
hat keinen gröszern lust noch pracht,
dan wan er uns, dein volk, beschweret.
35;
so kom, o herr, die zungen, deren ton
gehöret wird voll pracht, schimpf und hohn
nach verdienst auszuscheiden.
44;
wie köstlich auch in spöttischer andacht
ihr euszerlicher pracht.
52;
worzu taug dieser pracht?
Opitz 1, 60;
dann Jupiter der hasset
der hohen zungen pracht.
1, 168;
des Crösi geld und gut, des Cäsars glück und pracht.
Fleming 34;
geh, Amphitrite, geh, und sag es deinem manne,
dasz er die strenge pracht der frechen wellen schilt.
474;
dein und meine feinde jauchzen! ihrer stolzen geister pracht
wird die grosze welt zu enge.
Gryphius 2, 419;
hier ist ihr eigner schmuck, hier ist ihr eigner pracht.
Logau 2, 3, 57;
wann ich der welt und ihrem pracht hette dienen wollen. Zinkgr. 8, 4. 8;
du forderst keinen pracht der köstlichen banketen.
Caniz 269;
das allen stolzen pracht
der erde nichtig hält.
Wernike 105;
Homer erzählte gleich mit groszem wörterpracht,
was sie darauf gestickt.
Wieland 10, 217;
fliehen lasz uns vor dem pracht.
Gökingk 1, 44.
das m. reicht also in einzelnen beispielen tief ins 18 jh., doch schwankte schon Luther ins f. über: versenke ire pracht ins verborgen. Hiob 40, 8; wil ich heimsuchen die frucht des hochmütigen königes und die pracht seiner hoffertigen augen. Es. 10, 12; deine pracht (vulg. superbia tua) ist herunter in die helle gefaren. 14, 11; auf das er schwechte alle pracht der lustigen stad. 23, 9; wie grosz meinstu denn, das du seiest mit deiner pracht und herlichkeit? Ez. 31, 18; denn die pracht (vulg. superbia) des Jordans ist verstöret. Zach. 11, 3; und würden die braut holen mit groszer pracht. 1 Macc. 9, 37. so auch andere:
nein, solche pracht wil nicht der Römer haupte zimen.
Gryphius 194;
ich selbsten seine pracht (sein stolz).
Logau 2, 3, 59;
wo werde ich aber meinen federbusch und haarlock verkaufen können? er sprach, umb der freundschaft willen euers vaters will ich euch das geld wieder geben, zahlte mir hierauf 18 groschen, und damit übergab ich ihm meine pracht (meinen schmuck, staat, worauf ich stolz war). unw. doct. 368. man sagt: pracht führen, treiben, zeigen,. sehen lassen, aufwand und luxus; an diesem hofe herscht viele pracht, er hat sich der pracht ergeben.
3)
dieser zweiten, meistens in dem übeln sinn von pomp und hoffart geltenden bedeutung schlieszt sich endlich die heutige gute und edle an, pracht ist uns glanz, leuchten, splendor, magnificentia, wir sagen die pracht der aufgehenden, untergehenden sonne, die stille pracht des mondes am himmel, die pracht der wiese, der blumen, der farben, des frühlings. das er sehen liesze den köstlichen pracht seiner maiestät. Esther 1, 4; wenn du aus den elfenbeinen pallasten daher trittest in deiner schönen pracht. ps. 45, 9; ich wil reden von deiner herlichen schönen pracht und von deinen wundern. 145, 5; die ehrliche pracht deines königreichs. 145, 12; Babel, das schönest unter den königreichen, die herliche pracht der Chaldeer. Es. 13, 19; wil ich dich zur pracht ewiglich machen und zur freude fur und fur. 60, 15; sahe das herliche wesen Simonis und den pracht mit golde und silber (vulg. claritatem in auro et argento). 1 Macc. 15, 32;
wie herlich in der welt ist deines namens pracht.
Weckherlin 25;
die thier durch ihre forcht erklären,
wie diese stim voll pracht und kraft.
129;
verwundernd sich ab solchem wunder,
dasz ganz von blei ein hagel kom
mit solchem pracht, macht, kraft und dunder.
346;
voll pracht ist er, den stolz zu dämpfen,
voll güt ist er gleich nach dem streit.
442;
der glieder holder pracht.
Haller 75;
und auf diese jugendfülle,
dieser glieder frohe pracht.
Göthe 3, 41;
zeigt, das ist eine pracht von einem becher!
Schiller 352ᵇ;
schleicht sie zum garten. doch ist für des morgens pracht
ihr schmachtend auge noch zu trübe.
Gotter 1, 15;
die bäume blühen, dasz es eine pracht ist; das grunete und trieb, dasz es eine helle pracht war. Gotthelf schuldenb. 72. vor viele wörter wird pracht gesetzt, um einen hohen grad von glanz und schönheit zu bezeichnen: ein prachtkind, ein prachtpferd, prachtband, prachtbau, ein prachtsal, wovon beispiele unter P folgen sollen. Kant sagt: obgleich die ganze pracht der vernunftbehauptungen nur in verbindung mit dem empirischen hervorleuchten kann. Kant 2, 370; wenn die naturbeschreibung in der ganzen pracht eines groszen systems erscheint. 10, 71.
4)
was die pluralform angeht, so kommt sie selten vor. fürs männliche pracht wäre zu gewarten prächte, wie schaft schäfte, ast äste, verdacht verdächte. vom weiblichen hat man gebildet prachten:
gemäszige trachten,
vermiedene prachten.
Logau 1, 10, 69;
alles, alles überall
in der welt ist wie ein schall:
dann all ihre prachten
sind, wie wir sie achten.
2, 8, 30;
faltet aus die frischen prachten (:machten)
ihr des grünen thals juwelen,
holde blumen, euren flor!
Göthe 13, 242.
auf éinmal ist er da und ganz im stillen
erhebt er sich zu allen seinen prachten (: verachten).
das tagebuch (ungedruckt) stanze 20.
die analogie ist nach tracht, schlacht, wacht, welche doch mhd. trahte slahte wahte lauten und den pl. dem sg. gleich haben.
5)
die erste bedeutung, fragor, ist gut, die zweite, fastus, übel, die dritte, splendor, wieder gut. dem ersten braht entspricht brechen, dem zweiten brangen, dem dritten scheint nahe mhd. brëhen leuchten, und doch ist gezeigt worden, wie aus dem schall und lärm hoffart und stolz, aus dem stolz glanz hervor giengen. verba des schallens und leuchtens mischen sich sonst auch. brangen musz sich buchstäblich mit brechen berühren; wäre es zugleich verwandt mit bringen, so führt dessen praet. brahta, brachte geradezu auf unser bracht, wovon mehr noch unter brangen und bringen. mhd. brehen aber reicht an das adj. berht lucidus, das sich in breht (ags. beorht in engl. bright) umdreht, wie ahd. peraht, zumal in zusammengesetzten namen praht wird, Haduperaht und Hadupraht, ags. breahtm tauscht mit bearhtm. ein bair. lautbräht, schweiz. lutbrächt (Schm. 1, 250. Stald. 1, 212) drückt laut, offenbar, rotbräht rothleuchtend aus. es erscheint also ein tiefer verband der wörter beren, bringen, brehen, brechen, prahlen, berht und braht, von dem hier nicht erschöpfend gehandelt werden kann.
6)
was steht unserm bracht in altn. dialect zur seite? da er überall TT für HT zeigt (âtta, mâttr, nâttr = acht, macht, nacht), wäre auch brâttr anzusetzen, das nicht vorkommt. denn brattr arduus, acclivis, schw. brant scheint das ags. brant, bront, und unverwandt. später haben die Schweden ihr prakt magnificentia, die Dänen pragt, auch die Niederländer pracht aus unserm pracht entlehnt. mnl. begegnet nichts davon.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 283, Z. 38.

brächt, n.

brächt, n.
clamor, vociferatio, für gebrächt, mhd. gebrehte (Ben. 1, 243ᵇ), den umlaut rechtfertigt erst die ableitung, doch schon Boner 76, 40 verwendet ein männliches brecht (: recht), wobei wieder das adj. brecht für bercht eingewirkt haben kann. Maalers unterscheidung 319ᶜ zwischen pracht m. fastus und prächt n. grosz geschrei scheint willkürlich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 286, Z. 44.

brechen

brechen,
frangere, goth. brikan brak brêkun brukans, ahd. prëchan prah prâchun prochan, mhd. brëchen brach brâchen brochen, alts. brëcan brac, ags. brecan bräc, engl. break brake, nnl. breken brak, altn. abgehend, obwol ein schwaches brâka besteht, schw. bräcka, dän. bräkke vielleicht von uns entnommen. am tage liegt die urverwandtschaft von frango (für frago) fregi, wie von ῥήγνυμι ῥῆξαι, dem altn. breki scopulus gleicht ῥηγμίν (rupes von rumpo), an die stelle der labialaspirata trat der blosze spiritus und ῥήγνυμι entsprang aus φρήγνυμι. im skr. bhandsch (bhanǵ) umgekehrt scheint R getilgt. andere berührungen werden noch erhellen, sobald die bedeutungen dargelegt sind. Brechen enthält die vorstellung eines trennens, spaltens der ganzheit, heftigen, erschütternden, krachenden berstens und reiszens, zumal wenn es
I.
intransitiv, ohne casus gesetzt ist.
1)
stehen oder brechen, halten oder brechen, biegen oder brechen: (auf dem kampfplatz) man umb die liebe Germania stehen und brechen wird. Mathesius 89ᵃ; was brechen soll, musz zuvor krachen;
was dan nicht biegen wil, musz brechen.
Weckherlin 117;
zu trotze will ich lachen,
wenn alles biegt und bricht.
Weise kl. leute 223;
stille, liebchen, mein herz!
krachts gleich, brichts doch nicht!
brichts gleich, brichts nicht mit dir!
Göthe 1, 74;
du treibst mirs gar zu toll,
ich fürcht, es breche.
2, 246;
früh oder spat, es konnte sich nicht halten,
wir musten brechen.
9, 197;
es breche, wenn es brechen soll.
9, 369;
ich bete nichts, ich bitte nichts,
wills nimmer halten, ei so brichts.
Lenau Faust 170.
2)
das holz, das rohr, der stab bricht; das rad, der wagen bricht; wenn sie in (den rorstab) in die hand fasseten, so brach er und stach sie durch die seiten. Ez. 29, 7; ire zweige werden für dürre brechen. Es. 27, 11; der wagen war zu schwer, die brücke brach; die nusz bricht, wenn man sie aufschlägt; die bäume brechen fast unter ihrem segen. Schiller 125ᵃ, vgl. mhd.
eʒ gruonet an den esten,
daʒ alles möhten bresten
die boume zuo der erden.
MSH. 2, 118ᵃ;
das haus ist jeden abend zum brechen voll; die balken brechen (wie sie vorher biegen. 1, 1089); die morschen balken brachen;
die glocke ruft, das stäbchen bricht.
Göthe 12, 245;
o brich nicht, steg, du zitterst sehr.
Uhlands ged. 84.
3)
das eis bricht; das glas, der topf bricht; der spiegel ist gebrochen; die fensterscheiben brachen von dem starken schieszen; das ei, die schale, die rinde bricht:
die haut von geiszeln bricht.
Fleming 8.
4)
das zeug bricht, bekommt in den falten risse:
der hut bricht.
Gökingk 1, 217,
bekommt brüche; das leder an den schuhen bricht; der faden brach:
wann einst sein lebensfaden bricht.
Hagedorn 1, 113.
5)
die nadel, die spitze bricht;
ein feiner plan, fein zugespitzt! nur schade,
zu fein geschärfet, dasz die spitze brach.
Schiller 432ᵇ;
die reife am fasz brechen; der anker, die fessel, kette ist gebrochen; das schif bricht; da brach uns unser schif auf einer seichten ebene, daran wir angefaren waren. Frank weltb. 220ᵇ.
6)
das herz bricht, weil man annahm, dasz es in banden hänge (vgl. herzbendel) oder dasz es bersten könne:
Heinrich, der wagen bricht!
'nein, herr, der wagen nicht,
es ist ein band von meinem herzen';
mein herz wil mir in meinem leibe brechen, alle meine gebeine zittern. Jer. 23, 6; darumb bricht mir mein herze gegen im, das ich mich sein erbarmen musz. 31, 20; ach armes herz, warumb brichst du nit vor leid! Aimon h;
geduld, geduld! wenns herz auch bricht,
mit gott im himmel hadre nicht!
Bürgers Lenore;
es bricht, es bricht mein herz.
Göthe 10, 304;
dasz mir nicht das herz
vor füll und freude brechen sollte.
10, 330.
ihr herz bricht, rief Wilhelm aus, das ganze gerüst ihres daseins rückt aus seinen fugen. 19, 78; dasz ihr euch in eure eigenliebe hüllet, wenn uns das herz bricht. 20, 92; ich wünsche, dasz mir das herz breche. J. P. uns. loge 2, 142; es brach ihr das einsame herz. Kampanerth. 78; sie gab es zu, aber mit gebrochnem herzen. franz. le coeur me fend, vgl. altn. sprînga af harmi, vor leid bersten, ich bin gelaufen, dasz ich brechen möchte, me rupi currendo. Maaler 75ᵈ.
7)
das auge bricht, stirbt, wird dunkel, schwarz schwimmt vor den augen, vgl. das homerische τὸν δὲ σκότος ὄσσε κάλυψεν, gleichsam das licht, der glanz der augen birstet und erlischt: das dir die augen werden brechen. Keisersb. s. d. m. 34ᵇ; meine augen wolten mir brechen. Es. 38, 14;
mein brechend auge.
Schiller 525ᵇ;
sieh, wie er bleich wird, jetzt, jetzt tritt der tod
ihm an das herz, die augen sind gebrochen.
547ᵃ;
heut frü sind im sein augen brochen.
H. Sachs III. 2, 36ᵈ;
das in tönen süsz brechende (schmachtend hinsterbende) auge. J. P. Tit. 2, 211.
8)
der laut bricht: I bricht in E, U in O; die stimme bricht, erstickt, erstirbt: bleibt erstarrt stehn, dann mit brechendem laut 'allgerechter'! Schiller 199ᵇ; das wort brach ihr im munde; ihre stimme brach; als Wilhelm seine blutigen kleider ansah, fragte er mit gebrochener stimme, wo er sich befinde. Göthe 19, 39; mit gebrochener stimme. Weise kl. leute 17; er sagte mit der sanftesten, vom heftigstem mitleid brechenden stimme. J. P. uns. loge 1, 76; wenn dem menschen alle sinnen brechen (vergehen). holzschnitte 10, 197; o komm, lasse nicht den kurzen athem meiner brechenden brust versiegen. uns. loge 2, 127; da sie dann mit gebrochener zunge antwortete. Salinde 260;
ich fühl ihr (der wunde) rastlos immer tiefres nagen,
und wie das leben bricht von stund zu stunde.
Lenau neu. ged. 160;
brach ein leben bei den heitern Griechen,
bog der freund sich auf den todessiechen,
aufzuküssen seinen letzten hauch.
264.
9)
die knie brechen mir, ich sinke nieder, gr. γούνατα λέλυνται, genua solvuntur:
matt wie sie war, erschöpfte diese müh
noch ihre letzte kraft, es brachen ihr die knie,
sie sinkt am ufer hin.
Wieland 23, 34.
10)
der mage bricht, platzt:
nur das kopfstück (des störs) blieb ihm nach,
das er noch nicht halb verschlungen,
als vom krampf sein magen brach.
Hagedorn 2, 150.
11)
der frosch bricht, platzt: dasz sie seit undenklichen zeiten von vater zu sohn echt gebrochne frösche sein. Wieland 20, 247.
12)
brechen, sich einen bruch (herniam) zuziehen? ich finde nur das part. gebrochen, herniosus: der höckericht ist, oder ein fell auf dem auge hat, oder scheel ist oder grindicht oder schebicht, oder der gebrochen ist. 3 Mos. 21, 20; er sei hoffrot, einäugig, gebrochen Steinhöwel Esop 96ᵇ; mannlose, gebrochene, unnütze augengrewel. Garg. 273ᵃ, wo es vielleicht etwas anderes bedeutet. vom pferd: wann ein pferd gebrochen ist (überschrift, bruch unter dem sattel). Seuter 425.
13)
brechen, corrumpi:
Vlasca ist mehr keine jungfer, träget gleichwol einen kranz.
ei sie pranget, brach die jungfer, ist die fraw hingegen ganz.
Logau 2, zug. 135.
14)
brechen, delinquere, verbrechen:
so dick gebrochen, so dick gegolten.
weisth. 3, 9.
15)
brechen, vomere, evomere, speien, kotzen. vocab. 1482 e 3ᵃ; der kranke bricht; ich musz brechen; das ist zum brechen;
wenn ich ihn muste schauen,
denn wollte mir vor ihm bis auf das brechen grauen.
Gryphius 1, 217.
gewöhnlicher sich brechen.
16)
brechen, frendere, knirschen. Dasyp. 80ᵃ, ein brech füren. Maaler 75ᶜ, vgl. brech n. gleichsam dentibus collidere, mit den zähnen brechen. weidmännisch, die schweine brechen, wühlen nach dem frasz; das schwein hat gebrochen, aufgewühlt. Becher 61; die rebhüner brechen, wühlen, scharren im schnee. hierher fügt vielleicht das gangbare beiszen und brechen, was sich nicht wol vom brechen des brots verstehn läszt, weil auch das brot gebissen wird, also kein gegensatz zwischen brechen und beiszen entspränge: das sie weder zu brechen noch zu beiszen hett gehabt. Luthers tischr. 308ᵇ; und hast mein wenig gedacht, ob ich zu beiszen oder zu brechen, zu essen oder zu trinken het. sch. und ernst cap. 247 (1522, 205); leiden daneben den bittern hunger, haben weder zu beiszen noch zu brechen. Kirchhof mil. disc. 116;
das sie nit hatten zbiszen zbrechen.
Wickram pilg. 50;
haben weder zu beiszen noch zu brechen. Milichius schrapt. N 3ᵇ. ist dies brechen ein kauen? vgl. oben sp. 290 bracke mala.
17)
brechen = speer oder lanze brechen: mit reiten, stechen und brechen auf dem land grosz lob hett. Bocc. 1, 255ᵇ.
18)
mit einem brechen, discordare: wir haben gebrochen, mit einander gebrochen; ich breche mit ihm;
brich doch mit diesem lump sogleich,
er machte dir einen schelmenstreich.
Göthe 4, 346;
von zeit zu zeit seh ich den alten gern
und hüte mich mit ihm zu brechen.
12, 26;
mit der welt brechen. Gotter 3, 11; ich und die welt haben so gebrochen, dasz mein herz mit brach. Klinger 1, 44. scheint dem franz. rompre avec quelqu'un nachgebildet, dies aber auf ein altes rompre le fêtu, halm brechen (RA. 127) zurück zu gehn.
19)
brechen, rumpi, abstract gebraucht: die zahl bricht, gebrochene zahlen; beginnet die freundschaft zwischen ihnen zu brechen. Butschky Patm. 314; es bricht ihr anschlag. 468; das glück bricht; glück und glas, wie bald bricht das!; darumb wird über dich unglück komen, das du nicht weiszest, wenn es daher bricht (einbricht). Es. 47, 11;
es blüht, dorrt, scheint und bricht. ei lieber, sage was?
das glück jetzt wie ein gras, das glück jetzt wie ein glas.
Logau 2, 6, 22;
einmal nur ist mai im jahr, immer lacht das glücke nicht.
wer wann glücke blühet trotzt, zaget auch wann glücke bricht.
2, 10, 35;
h. du liesest? St. acten. h. von raub und mord.
St. nicht immer. h. von gebrochner pflicht.
St. wir stellen sie her. h. wie lange? St. bis sie wieder bricht.
Göthe 45, 88;
da bricht uns die geduld!
47, 85.
20)
brechen von wetter und wolke, sich aufklären: das wetter bricht. wer es aber bricht, das kan die vernunft nicht sagen, aber David sagt, gott breche es. Luther 5, 469ᵇ;
indem so war das wetter brechen,
der regen der war sitlich nachlassen.
H. Sachs I, 538ᵃ;
eben deswegen bricht die wolke, weil es nicht zu rechter zeit regnete. Leisewitz Jul. v. Tar. 1, 1; gottlob es naht der sonne trost, die wolken brechen, die ufer glänzen hell vom regen. Arnim schaub. 1, 103; der himmel bricht. ähnlich, die krankheit bricht, vis morbi remittit, vgl. III, 5.
21)
brechen vom tag, von der morgenröthe, illucescere, wie es sp. heiszt el alva rompe, ya quiebran los albores, altfranz. l'aube creva, prov. can lalba fo crevada (vgl. mythol. 708), weil dem sonnenaufgang ein zittern und erschüttern der luft vorausgeht (vgl. das brechen der lichtstrahlen): als nun der ander tag mit frolichem gesang der edeln vögel an den himmel brach. Galmy 87; sobald der tag an himmel brach. der a. m. im Tockenb. 117. aus diesem brechen an den himmel verständigt sich das gleichbedeutende anbrechen (1, 299), wofür es sonst auch heiszt her oder daher brechen:
e morn der tag her brichet,
so seind drei menschen tod.
Uhland 193;
als solte der jungste tag ehe daher brechen. Luthers br. 3, 555. brechen aber streift hier an brehen, glänzen, leuchten. von der nacht und vom abend, genau geredet, gilt einbrechen, z. b.
der schwüle tag vergeht, der abend bricht herein.
Lessing 1, 126,
mehr beispiele unter einbrechen.
22)
brechen in etwas, irrumpere: brach man in die stad. Jer. 39, 2; wenn ein hausvater wüste, welche stunde der dieb komen wolte, so würde er ja wachen und nicht in sein haus brechen lassen. Matth. 24, 43; so ein dieb jemands bei tag oder nacht in sein behausung bricht oder steigt. HGO. 159; tapfer in die feinde brechen;
Leigamar in daʒ hûs brach,
hinden în ze einem tor.
krone 17936;
der ein jungfraw darf schwechen,
darf auch in ein capell brechen.
Garg. 63ᵃ;
der kirchenräuberische mord
ist in des tempels heiligthum gebrochen,
und hat das leben draus hinweg gestolen.
Schiller 565ᵃ;
als das all mit machtgebärde
in die wirklichkeiten brach.
Göthe 3, 83;
wohin mein auge spähend brach.
47, 50;
o, wenn ein götterstrahl in deine seele bricht.
Gotter 2, 18.
von farben heiszt brechen was sonst spielen: er bedient sich besonders schöner, ins braunrothe gebrochener farben zu seinen gewändern. Göthe 27, 161.
23)
brechen durch, perrumpere, pervadere: durch den nebel bricht sein liecht. Hiob 37, 11; und am abend brach ich mit der hand durch die wand. Ez. 12, 7; ich der herr dein gott, brich durch das meer. Reiszner Jer. 1, 104ᵇ;
der edlen lobes voll
wil brechen durch die zeit.
Opitz 2, 270;
ihr same sei nichts minder
als unsrer väter war, von dir gebenedeit,
und breche, wie vor sie, durch alle böse zeit.
Fleming 25;
der bär nicht faul, bricht brummend durch die hecken.
Lessing 1, 124;
Luna bricht durch busch und eichen.
Göthe 1, 46;
und wie das meer durch eure dämme bricht.
8, 299;
wo selbst das liebe himmelslicht
trüb durch gemahlte scheiben bricht.
12, 31;
Eduard, der die gegend einsam fand, wagte sich immer weiter. endlich bricht er durch das gebüsch bei den eichen, er sieht Ottilien und sie ihn. 17, 357; eine kühne gemütsart bricht durch die kleinen bedenken, von denen ein schwacher kopf aufgehalten wird. Kant 12, 432; durch sein lächeln brach ein zug von mismut. Klinger 5, 225; die sonne bricht durch die wolken;
wild auf ungebahnten wegen
bricht der strom durch fels und stein.
Gotter 1, 213;
o dasz die hofnung erst, die kaum durch nebel bricht,
in hellen mittag sich verkläre!
1, 243;
brich dort durch die hecken nach ihm grad zu, bruder. Fr. Müller 3, 400. alle solche intransitiven brechen durch lassen sich in transitive durchbrechen umsetzen, der ausdruck wird dann schwächer und unlebendiger.
24)
brechen aus, erumpere:
bricht schnell aus der versammlung.
Klopstock Mess. 7, 35;
herr, züchtige mich nicht,
wenn dir die grimmes glut aus mund und augen bricht.
Fleming 15;
ein strom, der aus der erde bricht.
Lessing 1, 88;
und was aus frischer quelle bricht,
das darf im paradiese flieszen.
Göthe 5, 264;
aus seinen augen brechen thränen.
Schiller 77ᵇ;
ich werfe sie weg, wenn sie welk ist, und pflücke ihre junge schwester, die schon reizend aus der knospe bricht. 701; der sträfling ist aus dem kerker gebrochen; aus dem dach brachen die flammen; aus Klotildens angesicht brach eine grosze verklärung. J. P. Hesp. 1, 73; bäume, aus denen blütengehänge und laubwerk bricht. biogr. bel. 1, 21.
25)
brechen von:
ein weinen von ir ougen brach.
krone 11345;
der hagel von dem walde brach.
16127;
so wir sein (gottes) bleiben und mit dem glauben anhangende ewig nit von im brechen. Frank chron. 247ᵇ; so falle meine schulder von der achseln und mein arm breche von der rören. Hiob 31, 22.
26)
los brechen: der hund ist los gebrochen; das feuer brach um mitternacht los. Heinse an Gleim 1, 98.
27)
bergmännisch heiszt brechen effodi, excidi, praet. hat gebrochen: hier brechen steine; hier bricht reiches silber, aber kein gold; hier brach sonst reines silbererz; das im stamm Aser eisen und kupfer bergwerk gewesen und gebrochen habe. Mathesius 2ᵃ; so werde auch da viel eisenstein und kupfererz brechen. das.; darin vil und guter eisenstein brechen. 5ᵇ;
glück auf! so kan ich jetzt mehr sprechen
als vormals in der eitlen welt,
da sah ich taube berge brechen:
hier ist das allerreichste feld.
Mariäkircher bergand. nᵒ 5;
an mehrern orten sind sie (die berge) in die schönsten romantischen formen gebrochen. Göthe 37, 162 (oder gehört dies zu 22?); basalt, der sehr häufig in dieser flach erhobenen gegend brechen musz. 43, 59;
gruben nachzuspüren,
wo gegengift für gifte bricht.
Gökingk 1, 199.
28)
der wein bricht, schlägt um, steht ab, wird trübe:
ich hab in meinem keller kein seigern brochen wein.
Garg. 89ᵇ;
das bier bricht, schlägt um; der essich hat gebrochen, umgeschlagen, böhm. ocet se zwrhl. Henisch 490 erklärt gebrochner wein, gewässerter, vinum dilutum, als gegensatz von merum. das scheint aber unrichtig. gebrochene federn scheinen ebenfalls umgeschlagene, verworrene: die vogeltrager, welche sie (die raubvögel) in unser land zu uns bringen, fahen sie gemeinlich mit vogelleim. daher kompts auch, dasz sie so gebrochene federn haben. weidwerkbuch 2, 26. vgl. brandicht federn sp. 298.
29)
brechen mit dem dat. der person bedeutet was sonst gebrechen, deficere, aufhören, fehlen, ganz wie bresten, bersten in die vorstellung gebresten, mangeln übergeht, weil das gebrochne seiner ganzheit verlustig und mangelhaft wird. Bocc. 1, 247ᵃ liest die ausg. von 1580: da er etlich stund das dolle getränke (den twaitrank) verdäwet hette, wider zu im selbst kame und umb mettenzeit erwachet und ihm der schlaf vergieng. der alte Ulmer druck aber: im der schlaf brach = defecit, aufhörte, vgl. II, 6. so ists gewis, das es im am glauben brochen hat. Luther 3, 293ᵇ; der stich ist ihm gebrochen, le coup a manqué;
es bricht (fehlt) mir nichts.
H. Sachs I, 3ᵇ;
ei liebe nachtbewrin, was hat im brochen?
III. 3, 83ᵃ;
dann das ros kan nit sagen, was ihme bricht. Seuter 56. ebenso daran brechen, ermangeln:
nach eren sol sein der lieb kraft,
detest du daran brechen,
mit groszer straf würd man es rechen.
Amor D 8.
II.
transitiv, mit beigesetztem acc., frangere, rumpere, corrumpere. unsere sprache, während sie in andern fällen intransitivbedeutung durch starke, transitive durch schwache ausdrückt, und dem rinnan ligan nisan ein rannjan lagjan nasjan gegenüber stellt; pflegt oft auch dem starken verbum, wie hier dem brikan beide vorstellungen, intransitive und transitive, zu verleihen. brechen kann überall, wo es rumpi, frangi bedeutet, auch ein transitives rumpere, frangere werden; nicht aber läszt sich umgekehrt von dem transitiven gebrauch auf den intransitiven zurück schlieszen, z. b. aus die stadt, den weg, den brief brechen folgt kein die stadt, der weg, der brief bricht = wird gebrochen. den intransitiven brechen ist also eine engere schranke gesetzt, unmöglich können alle transitiven bedeutungen hier verzeichnet werden.
1)
das herz brechen: dein abschied bricht mir mein herz in tausent stücke. de fide meretr. p. 85; weil sich mein herz meiner sünden nicht entbrechen kann, so wil ich es nun für sie brechen. ein zerbrochenes herze wirst du, o gott, nicht verachten. Butschky Patm. 505; mein stolz hat ihm das herz gebrochen. Göthe 10, 300; das würde mir das herz brechen. Lenz 1, 132.
2)
das auge:
wenn ihm nun Atropos die matten augen bricht
und reiszt den faden ab.
Opitz 3, 219;
sie sind es leibhaft nicht,
es ist ihr schein, der mir die augen bricht.
Fleming 404;
derselbe tag, der deine augen bricht.
pers. rosenth. 5, 17;
und einen becher nach dem andern leeret,
bis Morpheus ihm die starren augen bricht.
Gotter 1, 63.
3)
den kopf brechen, sich den k. br. durch nachsinnen. pers. rosenthal am ende; es bricht mir den kopf hart. Frey garteng. 87ᵇ; da kann man hals und bein, arme und beine, finger brechen; das ich wil enzwei brechen deinen arm. 1 Sam. 2, 31; fiel er zurück und brach seinen hals enzwei. 4, 18; brachen dem ersten die beine. Joh. 19, 32;
und fällt und bricht sogleich das bein.
Gellert 1, 157;
besser bein gebrochen, als den hals; und (wir) haben fast die hälse gebrochen. Göthe 14, 83; dasz man sich aus gefahren rette und nicht immer den hals breche. 24, 255; das wird ihm den hals brechen, ihn verderben;
die ungestalten seh ich an
als irdenschlechte töpfe,
nun stoszen sich die weisen dran
und brechen harte köpfe.
41, 166;
von faulkeit han ich groszen schaden,
ein prochens pein, geschwollen waden.
fastn. sp. 565, 10;
aber den erstling des esels soltu mit eim schaf lösen, wo du es aber nicht lösest, so brich im das genick. 2 Mos. 14, 13. 34, 20; gleiche bürde bricht niemand den rücken. schöne weise klugr. 40ᵇ;
wie sinnlich demonstriert die lehre,
die fast des schülers rücken bricht.
Hagedorn 1, 94;
nicht eines jeglichen starker und gewaltiger arm soll des elenden schwache hand brechen. pers. rosenth. 8, 141; schande ists, wenn ein starker arm eines kraftlosen hand brechen will. 1, 12; nachdem er die hände gefalten und sie gen himmel gebrochen hatte. Hippel 2, 10.
4)
die mutter brechen (biblisch): so soltu aussondern dem herrn alles was die mutter bricht (vulg. quod aperit vulvam). 2 Mos. 13, 12. 15; alles was seine mutter am ersten bricht, ist mein. 34, 19; allerlei menlin, das zum ersten die mutter bricht (goth. uslukands qiþu). Luc. 2, 23;
es ist geraume zeit,
und ohngefehr soviel ein elephante brauchet,
eh er die mutter bricht, und von der schosz noch rauchet.
Günther 1024;
überhaupt verwahrte sie alle erstgeburt, so die mutter gebrochen, auf festtage. Hippel 4, 90;
neulich war die erde braut,
itzund liegt sie in den wochen,
laub und blumen, saat und kraut
haben die geburt gebrochen.
Fleming 355 (352).
5)
mund, wort, sprache brechen:
dieser mund, ist er der meine,
den dies süsze lächeln bricht?
Lenau neu. ged. 278;
der arzt im das wort im mund brach. Bocc. 2, 120ᵃ; ein tiefer seufzer brach ihm das wort vom munde. Woldemar 1, 69; die sprache brechen? wie man sagt radebrechen, corrumpere verba, ich lese nur das participium:
und dasz er nur gebrochen
arabisch sprach.
Wieland 22, 175;
indem sie ein gebrochnes, mit französisch und italienisch durchflochtenes deutsch sprach. Göthe 18, 172; dann klangen die saiten allein, bis sich wieder die stimme leise in gebrochnen lauten darein mischte. 18, 218; indem die gebrochene sprache übereinstimmend ward. 18, 234. vgl. wenn tiefe seufzer meine stimme brechen. 7, 267 und I, 8. der kukuk bricht die noten. wunderh. 1, 354.
6)
den schlaf brechen, interrumpere, intercipere somnum:
daʒ ir durch den willen mîn
iwern slâf sus brechet.
Parz. 554, 11;
er ert die acker, er wacht und bricht sinen schlof, er sorgt wie im vil frucht werd. Keisersb. bilg. 67ᵃ; sie brechen iren schlof und arbeiten. 134ᵇ; harre, ich wil euch widerumb ewren schlaf brechen. Luther 3, 430ᵇ; es bricht mir den schlaf. Frey garteng. 111; kein sorg bricht in den schlaf. Frank weltb. 194ᵇ; aber sie werden noch heint villeicht etwas erfaren, dadurch ir schlaf möcht gebrochen werden. schöne weise klugr. 207ᵃ; bricht mir manchen süszen schlaf. Garg. 202ᵇ, eine gute phrase, die wieder aufzunehmen wäre. ähnlich ist den lauf brechen: da ich im den lauft brach. Hiob 38, 10;
Atalanta brach iren lauf,
und hub den gülden apfel auf.
H. Sachs I, 154ᵃ.
7)
steine, erz brechen, caedere, effodere; den acker brechen, proscindere, vgl. brache:
acker, soll er tragen frucht, musz gebrochen werden vor.
Logau 2, 10, 36.
bahn brechen, viam aperire, es muste bahn durch den schnee gebrochen werden, was auch heiszt den schnee brechen, durch den noch nicht betretnen schnee gehen. Schm. 1, 245.
8)
blumen, laub, zweige, früchte, kirschen, nüsse brechen; steig auf den baum und brich mir den höchsten apfel; mein freund ist hinab gegangen, das er rosen breche. hohelied 6, 1;
als ich erdper brach.
H. Sachs I, 425ᵇ;
wir aber brechen mit der reinen hand
des blutgen frevels segensvolle frucht.
Schiller 549ᵃ;
das feld, wo andere vor ihm so unsterbliche lorbeeren gebrochen haben. Lessing 6, 449.
9)
töpfe brechen: brich den hafen. Fischarts spielverz. 252; brich die krüg, so brich ich töpf. Henisch 495;
umb drei grosch hast mir hefen brochen.
H. Sachs I, 512ᵈ;
du brichst hefen, so brech ich krüeg.
III. 3, 8;
der eine bruder brach töpfe, der andere krüge. verderbliche wirtschaft. Göthe 49, 57.
10)
flachs brechen, zum erstenmal abstoszen, sonst auch rollen genannt, vgl. breche f. 1;
mit brechen, hechlen hanf und flachs.
H. Sachs I, 510ᶜ;
wie ein vogel, der den faden bricht
und zum walde kehrt.
Göthe 1, 107;
ein allerliebstes frühlingsgelände
mit nadeln zierlich schattirt und gebrochen.
4, 113.
schu brechen (zerreiszen). Garg. 50ᵇ.
11)
briefe brechen, erbrechen: denn es ist mir ja mein eigen handschrift wider zukomen gebrochen und gelesen. Luther 3, 423; abwesens M. Philippi hab ich ewer schrift müssen brechen. br. 5, 27; ich breche die briefe selbst. Mich. Neander syll. loc. 6ᵇ; weil seine widerwertigen seine briefe aufgefangen und gebrochen hetten. Micrälius 5, 248. heute heiszt einen brief brechen eher falten, wie ein papier, einen bogen brechen, complicare.
12)
man sagte sonst den maulwurf brechen, ihn auf dem feld aus seinen haufen ziehen und tödten: und sol man am s. Georien obent ungebotten uf die selb matte gon, den mulwerfen zerbrechen und wer einen alten bricht, der ist dem meiger zwen schillinge verfallen. weisth. 1, 697.
13)
der fisch wurde an tafel gebrochen, nicht geschnitten:
zerschneid das fleisch und brich die fisch.
Haupt altd. bl. 1, 282.
14)
das brot brechen: brich dem hungerigen dein brot. Es. 58, 7; und nam die funf brot und die zween fische, danket und brachs und gab die brot den jüngern. Matth. 14, 19; da sie aber aszen, nam Jesus das brot, danket und brachs und gabs den jüngern. 26, 26; und er nam die funf brot und zween fisch und sahe auf gen himel und danket und brach die brot. Marc. 6, 41; da ich fünf brot brach (þan þans fimf hlaibans gabrak). 8, 19; so beweisen wir, das Christus und die apostel haben Christus leib gebrochen. Luther 3, 84ᵇ.
15)
städte und kirchen brechen, vgl. I. 22; kirchen brechen. Luther 3, 45;
die kirchen gotes bricht.
Murner schelmenz. 93, 4;
und brachen die städte Arcona und Carenz in grund. Micrälius 2, 256; sein leger brechen. Schertlins br. 192 (heute, das lager abbrechen); den halt brechen (den hinterhalt). Fierabr. f;
die vögte wollen wir mit ihren knechten
verjagen und die festen schlösser brechen.
Schiller 530;
brecht das gerüste, sprengt die bogen!
547;
nur in zwei fällen brichts (das volk) das gitter:
wenn ihrs geplaget allzubitter,
wenn ihrs zu plagen aufgehört.
Lenau Faust 62.
die treppe brechen, unterbrechen, abstufen: ich konnte sie auf der dreimal gebrochenen treppe von allen seiten und zuletzt ganz in der nähe betrachten. Göthe 24, 321; das dach brechen, tecti declivitatem interrumpere.
16)
den stab über den verurtheilten brechen; speere, lanzen brechen (vgl. I, 17):
um einer Lais gunst sah ich gebrochne lanzen.
Gotter 1, 303.
17)
die wellen brechen = schiffen, altn. unnir knîa, fluctus terere; wer gelernet hat, die wellen des widrigen gelückes zu brechen. Butschky Patm. 456;
des jammers fluten, die auf dieses haus gestürmt,
ziemt dir zu brechen.
Schiller 513ᵇ;
gott der hilfe, hab erbarmen,
brich des sturmes wut.
Gotter 3, 451;
die wellen brachen das schwache schif.
18)
du die speis wider von dir brachst. sch. und ernst cap. 433; der kranke kann nichts bei sich behalten, bricht alles von sich; die schöne frau begunte da ihre galle über mich zu brechen. pers. baumg. 7, 8.
19)
geschwüre brechen, auflösen: all inwendig geschwer, die pricht er (der gebrennte wein), das sie durch den menschen gend. item alle auswendige geschwer pricht er, ist das man sich damit bestreicht und salbt. Haupt 9, 367. 368. die milch brechen heiszt aber gerinnen machen. Stalder 1, 222, gleichsam umschlagen lassen.
20)
das ei, die schale brechen; die haut brechen, ritzen, gerben, mhd.
baʒ denne ein swankel gerte,
diu argen kinden brichet vel.
Parz. 174, 9;
daʒ twerc sîn vel unsanfte brach.
401, 15.
21)
brechen, drücken (nᵒ 10), abstract genommen: das er seine lieben heiligen manchfeltig bricht, straft, demütiget und martern läszt. Luther 3, 20; ob er mich wol drückt und bricht. das.; solche leute, die zuvor wol durch die rolle gezogen, versucht und gebrochen sind und solchs wissen und bekennen müssen, das sie böse buben gewesen sind. 6, 220ᵇ.
22)
das leben brechen, vitam eripere:
gott thu uns dann das leben brechen.
H. Sachs III. 2, 180ᵇ;
bis im der tod sein leben brach.
III. 3, 3ᵇ;
ich gieng der weide nach,
die mich zur hellen stiesz und dir das leben brach.
Fleming 30.
23)
auf das nicht das gesetze Mose gebrochen werde (ei ni gatairaidau vitôþ þata Mosêzis). Joh. 7, 23; wenn iemand das gesetz Mosis bricht. Ebr. 10, 28; wie die priester im tempel den sabbath brechen;
dasz noth gesetze bricht.
Gotter 2, 219;
bricht mancher sein heiligs gepot.
Schwarzenb. 140, 1;
natur, dein ewiges gesetz hab ich gebrochen.
Gotter 2, 25;
aber ich bin aus meiner bahn geschritten, ich habe meine gesetze gebrochen. Göthe 17, 370; das du den eid verachtest und brichst den bund. Ez. 16, 59; welchs eid er veracht, welchs bund er gebrochen hat, da sol er sterben. 17, 15; wiltu deinen glauben brechen. Luther 3, 132ᵇ; sie schewen sich nichts zu rauben und glauben brechen. 8, 27ᵇ;
wie oft man treu und glauben bricht.
Hagedorn 2, 33;
Herodias, wie uns die schrift erzählt,
brach dem die treu, mit dem sie sich vermählt.
Gellert 1, 172;
wer eine abgescheidete freiet, der bricht die ehe (goth. hôrinôþ). Matth. 5, 32. 19, 9. Luc. 16, 18; die freundschaft brechen;
ee si wolt sein Hiarbas braut
und brechen iren witwenstand,
tödt sie sich kecklich mit der hand.
Schwarzenberg 159, 1;
dasz sie denn nun ihre pflicht
jetzt in deiner liebe bricht.
Logau 1, 1, 43;
dann ihre zunge bricht
die schöne zwischen mund und herz gepflogne pflicht.
3, zug. 145;
denn selber der, der jede pflicht gebrochen,
wird durch ein herz gereizt, das gott und tugend ehrt.
Gellert 1, 173;
(ich sah) gebrochen pflicht und schwur.
Gotter 1, 392.
brichst du Jason und seinen söhnen das gastrecht, das du ihnen geschworen hast? Klinger 2, 182; du brichst dein wort; ein böses gerücht, das euch glimpf und namen bricht. Musaeus 469; den vertrag, die übereinkunft brechen;
er brach sîn site und sîne zuht.
Iw. 3234;
sît er die scham gebrochen hât.
Karl 78ᵇ.
24)
folge nicht deinen bösen lüsten, sondern brich deinen willen. Sir. 18, 30; dem ritter seinen hochmut brechen. Galmy 130;
das bricht mir mein gemüt und schlägt mein herze nieder,
wann ich in einem stall musz sehen lamm und bär.
pol. stockf. 127;
gebrochen ist in langer kerkerschmach
der edle mut.
Schiller 428ᵃ;
da war es zeit, den stolzen willen dir
zu brechen, dich zur ordnung zu verweisen.
366ᵇ;
du waghals, dessen eigensinn
nur selten oder spät zu brechen.
Hagedorn 2, 56;
niemand ihren sinn zu brechen gedenke. Bettine tageb. 145; da ich meinen eigensinn nicht brechen konnte. br. 1, 132; ich will meinen vorsatz nicht noch einmal brechen. Leisewitz Jul. v. Tar. 3, 5; der fürchterliche anblick hatte alle kraft seines geistes gebrochen. Klinger 3, 290;
ein starrsinn, wie man ihn bei knaben
nur durch die rute bricht.
Gotter 1, 197;
den trotz, den güte reizt, bricht endlich sclaverei.
2, 27;
in dem wir uns bemüht, o eine feine kunst!
zu brechen ihren trotz durch unsre gute gunst.
Logau 1, 1, 4.
25)
noth bricht eisen; kauf bricht miethe; deine ketten sind gebrochen; den zauber brechen; zu den mächtigen naturen, die durch die gewalt ihres genies oder ihrer leidenschaft grosze hindernisse brechen. Schiller 1080ᵃ;
nur der tod bricht endlich meinen schmerz.
Bürger 98ᵃ;
dem der gram die seele bricht.
Göthe 10, 311.
26)
das schweigen brechen, rompre le silence:
die müden glieder neigen sich zur erde
und bald kann ich dies schweigen nicht mehr brechen.
Schilling;
brecht endlich euer schweigen!
Schiller 407ᵇ;
ein windhauch überschwellend bricht das schweigen.
Lenau Faust 121;
wir wollen diese berge zwingen,
dasz sie das fromme schweigen brechen.
131.
27)
lieber für die noch künftige geschichte der bibliothek neuen stof zu brechen, als die rechnung von den verflossenen aufzunehmen. Lessing 9, 2 (nach 7 vom bergwerk);
so brech ich die gelegenheit vom zaun (nach 8).
Wieland bei Merck 1, 87;
als ich wol sah, vom zaune
die ursach gbrochen hast.
wunderh. 2, 479 aus Demantius.
III.
reflexives sich brechen.
1)
sich brechen für oder über, se efferre:
der jung was frisch und wol gemut
und brach sich da für ander sein geleiche.
Ambr. lb. s. 167, 10;
wolt euch höher brechen nicht.
282, 103;
derhalb glaubt seinem rümen nicht,
darmit er sich so hoch her bricht.
H. Sachs I, 487ᵃ;
dergleichen wer sich dunket vil,
uber seins gleich sich brechen wil.
I, 537ᵇ;
wil jemand Marsie haut, der sich mit seinem singen uber Apollinem brechen wolte, lassen das bergkleder sein. Mathesius 14ᵇ; wenn sie haben wider gott stolzieren und uber ander leut sich brechen wöllen. 158ᵃ; dagegen der gemein adel darauf nit zu puchen, noch sich dem mehreren (höheren) adel gleich zu prechen (Schm. 1, 246);
brich selten dich herfür mit geld und glückes gaben,
von sitten musz man lob, und nicht von gütern haben.
Opitz 1, 307.
2)
sich brechen, se cruciare, sich den kopf zerbrechen: darob sich zwar vil hoher leute, aber s. Augustinus am meisten, gebrochen haben. Luther 4, 5ᵃ; darüber haben sie sich wunderlich müssen brechen. 4, 11ᵇ; damit sich auch s. Augustinus selbs seer gebrochen und zumartert hat. 5, 450ᵃ. heute:
sie brechen sich den kopf? es ist vergebne müh.
Göthe 7, 86,
wo doch sich der dat., in jenem sich brechen der acc.
3)
sich brechen von einem, sich losreiszen:
er wolt sich von ir brechen.
ring 14ᶜ, 40;
von dem dich mügest brechen wol.
18ᵇ, 30.
4)
sich brechen = den weg brechen:
war nicht allein an füszen schnell,
sondern so stark in beiden henden,
dasz er sich brach durch alle wende.
froschm. III. 2, 3.
wo sich den weg, die bahn brechen gesagt wird:
sich neue bahnen brechen
heiszt in ein nest gelehrter wespen stechen.
Wieland 17, 14,
ist sich wiederum dat., in der ersten stelle acc.
5)
sich brechen, se frangere, mutari, sich wenden: das wetter bricht sich, tempestas mutatur; die kälte, hitze bricht sich, mitigatur; das fieber, die krankheit hat sich gebrochen.
6)
sich brechen, frangi, infringi: die welle bricht sich am felsen;
es bricht sich die welle mit macht, mit macht.
Schiller 349ᵃ;
es bricht die macht
der könige sich an ihren ewgen wällen.
543ᵃ;
wenn sich im sturm an unsers Harzes klippen
die wolke bricht.
Gökingk 1, 91;
am ufer brechen sich die wogen; der pfeiler, der in den wellen steht, scheint sich hin und her zu brechen, blosz weil sich diese brechen. J. P. aesth. 3, 165; die wolken brechen sich, nubes se scindunt, vgl. I, 20;
ein brüllendes geschrei, das von den lippen fliegt,
an jeder wand sich bricht.
Zachariä 1, 17;
die sonnenstrahlen brechen sich im wasser; sein gesicht brach sich in den wellen der farben sechzehn mal. J. P. komet 3, 134; du kennst es nicht, bevor deine kräfte am alter sich gebrochen haben. uns. loge 2, 184.
7)
sich brechen, vomere, sich übergeben: ich brach mich vor ekel.
IV.
die wurzel brechen steht in deutlicher berührung mit andern. besonders merkwürdig ist der verhalt zwischen brikan und einem, aus altn. briota zu folgernden briutan, das gleichfalls rumpere bedeutet und ahd. prioʒan lautete (1, 1527), wovon proʒʒo, die ausbrechende knospe herstammt. die Schweden besitzen bräcka und bryta nebeneinander, die Dänen bräkke und bryde. aus briota flieszt brot fractura, brot culpa; braut via fracta, strata. im latein steht neben frangere fregi gerade so fraus dolus, culpa und fraudare. brechen, im sinn von gebrechen, mangeln reicht nahe an bresten und bersten, zerbrechen, welchem wieder lat. frustum zur seite tritt; an bresten reiht Diez 580 das franz. briser, prov. brisar. weil aber licht und schall brechen, weil bracht, brahtm und bearhtm zusammen rinnen, musz auch brehen leuchten, glänzen und berht, bairhts leuchtend mit brikan verwandt sein, vielleicht altn. bregda brâ mutare, bragd nitor, odor und brangen läge unfern von frangere. frendere sahen wir mit einer bedeutung von brechen stimmen, es rührt zugleich an fremere und altn. brim aestus, mare, wol auch an frons frondis. dies wenige genüge hier. vgl. zu brechen abbrechen, anbrechen, aufbrechen, ausbrechen, durchbrechen, einbrechen, erbrechen, umbrechen, vorbrechen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 342, Z. 24.

brechen

brechen,
für die bedeutung frangere linum hat in Baiern, Schwaben, in der Schweiz, Wetterau schwache flexion. Schm. 1, 245; der har oder flachs wird gebrechet. Hohberg 3, 2, 7ᵃ; brechete, heuete, dreschete. Gotthelf schuldenb. 136; ich habe flachs gebrecht. dies brechen ist kein ahd. precchan, sondern prëchôn (Graff 3, 267).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 351, Z. 40.

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brenkel bräuer
Zitationshilfe
„brächt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/br%C3%A4cht>.

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