Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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brü

brü,
s. brühe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 407, Z. 63.

brühe, f.

brühe, f.
jus, jusculum, ein ahd. pruohî (wie muohî, pluohî) nicht vorhanden, mhd. brüehe, brüeje (Ben. 1, 267ᵃ), nnl. broei, brui (wie bloei m.); Dasyp. schreibt brühe 107ᵈ. 309ᵈ, Maaler brüi 79ᶜ, Henisch brü 531; vgl. it. broda, brodo und oben sp. 395 brod. von der wurzel unter brühen.
1)
jus, ζωμός, das heisze wasser auf, von gesottnem fleisch oder kraut, altn. sođ: und Gideon kam und schlachtet ein zigenböcklin und legt (das) fleisch in einen korb und thet die brühe in ein töpfen. richt. 6, 19; geusz die brühe aus. 6, 20; schweinenfleisch mit geler bruwen. weisth. 2, 451; schwarze brühe, jus nigrum; den gästen brühe und fleisch vorsetzen;
wie vast das fleisch mir ward verschlossen,
han ich doch oft der brüe genossen.
fastn. 261, 30. 339, 17;
sie bat um ein tröpfchen brühe, das wollten mich die wächter nicht reichen lassen. Fr. Müller 3, 207. unsere heidnischen vorfahren genossen die brühe und das oben schwimmende fett des opferfleisches (mythol. s. 50). eine brühe an etwas machen hiesz die brühe noch mit andern speisen z. b. eiern oder mit würze versetzen; dann aber wurden auch zu braten oder backwerk eigne brühen (saucen) bereitet. s. fleischbrühe, bratenbrühe, fischbrühe, hammelsbrühe, kalbsbrühe, hünerbrühe, gerstenbrühe, haberbrühe, eierbrühe, kloszbrühe, würzbrühe, kaffeebrühe.
2)
brühe hiesz auch so viel man auf einmal brüht, eine brühe fische = ein gericht fische, ganz wie ein kochet erbsen, ein gericht erbsen, so viel man zusammen kocht. Steinhöwel sagt im Bocc. nach dem alten Ulmer druck 356ᵇ: und in kürze ein schöne brü visch gefangen heten, wo im urtext nur in piccolo spazio di tempo presero pesce assai (10, 6), und hier unpassend, da es sich von zu bratenden, nicht zu siedenden fischen handelt, weshalb auch die spätere ausg. von 1580 2, 187ᵇ richtig ändert: in kürze ein schöns essen fisch fiengen. jenes brü aber erweist den aufgestellten sprachgebrauch.
3)
die brühe von einem, von etwas haben, will sagen nicht das geringste davon, nicht einmal die brühe von dem gesottnen fleisch haben, es ist also eine der häufigen verstärkungen der negation (gramm. 3, 728—736), welche dann selbst wegbleiben kann. ursprünglich heiszt es, ich habe nicht die brühe davon, hernach aber mit gleichem sinn, ich habe die brühe davon, wie z. b. ich habe nicht den teufel davon oder ich habe den teufel davon. hier sind einige belegstellen: komm, wir wollen weiters, ich habe die brüh von diesem groben, undankbaren bauren. Simpl. 3, 856; hört vetter, in wirtshäusern musz man bezahlen und habe ich die brüh von eurer vetterschaft, der beste vetter ist im beutel. Ettners hebamme 44; die brühe von einem haben. Dreieicher urk. nᵒ 188. auch nnl. ik heb er den brui van, ich lasse mich nicht darauf ein; ik geef er den brui van, ich gebe nicht das mindeste darauf. man sagt auch nnl. daar hebt gij al den brui, al wat er is, im sinne von: da hast du die ganze brühe, den ganzen bras, brei, bettel. westfälisch: van sulke schrabberi weit ich neinen brue, nicht das mindeste. Lukevent B 7ᵃ.
4)
eine brühe machen, geschwätz und gerede; er macht über alles eine lange brühe. alles in éine brühe werfen, immer dieselbe brühe aufgieszen, die sache in einer weise behandeln. die brühe verschütten, die sache verderben; er hat seine brühe bei ihm verschüttet, sich um dessen gunst gebracht.
5)
brühe bezeichnet auszer der gesottenen auch noch andere flüssigkeiten. so nennt man das blut die rothe brühe, wie den rothen saft (sp. 170), oder die rothe suppe (Plesse 3, 177); er drohte, ich werde dich schlagen, dasz die rothe brühe davon laufen soll. wenn jemand gierig saftige früchte iszt: die brühe läuft ihm den mund herab. man sagt auch, die trauben geben viel oder mehr brühe, und nennt den wein traubenbrühe, rebenbrühe, rebensaft:
nu gesegen dich got, du liebe rebenbrü!
altd. bl. 1, 406. fastn. 1335.
wäscher und färber nennen die lauge und flüssige farbe brühe, auch der dünne, flüssige koth heiszt brühe. nach dieser letzten bedeutung entspringen die redensarten in die brühe geraten, in die brühe führen, in noth und verlegenheit; in der brühe stecken, sitzen: daurt dich nicht dein liebes völklin, welchs du in die brühe fürest? Garg. 216ᵃ; denn ich hatte solcher schleppsäcke unter den bürgerstöchtern ein ganz halb dutzet, die mich mehr als allzu wol kanten und nunmehr recht in der brühe saszen. Simpl. 1, 342; niemand mochte ihn leiden und alle lieszen ihn jetzt in der brühe stecken.
6)
schweizerisch ist brüh auch der wurm am finger, wie sonst brüt, gebrüt, gleichsam das siedende, brühende, brütende weh. Tobler 81ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 423, Z. 44.

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Zitationshilfe
„brü“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/br%C3%BC>.

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