Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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brügel, m.

brügel, m.
fustis, heute geschrieben prügel, scheint dem vorausgehenden brüge unmittelbar verwandt, wie es auch Maaler 79ᶜ darunter setzt und brügel tile (diele) planca deutet. mit recht zieht noch Stieler 237 die schreibung brügel vor, wiewol er die falsche ableitung von brechen hat. brügel musz einer abkunft sein mit brücke und nicht blosz fustis, sondern auch sudes, palus, knüttel, knüppel, bengel ausdrücken. brügelweg ist ein durch den sumpfboden gebrückter weg, knüppelweg, eine brücke. schon die ahd. sprache, wie aus dem verbum prugilôn gefolgert werden darf, musz dieses prugil besessen haben. brügel ist also
1)
fustis, ein knüttel zum schlagen, der schlag selbst; es heiszt prügel geben, austheilen, bekommen, empfangen, erhalten, kriegen, verdienen, davontragen, und der ausdruck ist unedler als schläge. einem mit dem brügel drohen, minari baculo.
schlah in mit eim prügel ümbt schinken.
fastn. 686, 26;
geh, bring zwen brügel mir und dir.
H. Sachs II. 4, 28ᵈ;
wann klaubten sie all brügel auf,
gar bald würd unser auch ein hauf.
Soltau 240;
indem Pasimondas mit einem groszen prügel inen entgegen kam. Bocc. 1, 261, wo ältere drucke brügel, der Ulmer druck 183ᵃ aber prügell; der maultreiber ein prügel nam und das maul aus allen kreften damit schlug. 2, 161ᵇ; mit dem prügel bewillkommen; mit dem prügel schlagen, tödten; eine ganze tracht prügel blieb nicht aus. vgl. arschprügel, stockprügel.
2)
ein zu brennholz gehauner baumast. Schmeller 1, 342. ein stosz, ein fuder prügel; die prügel richten, schichten.
3)
ein prügel zum schieszen, schieszprügel, feuergewehr; auch der dem hund angehängte knüttel.
4)
membrum virile.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 423, Z. 1.

prügel, m.

prügel, m.,
s. brügel theil 2, 423. — mhd. brügel, prügel, im 16. jh. und auch später noch brügel neben prügel (briegel, brigel theil 2, 382, prigel östr. weisth. 6, 129, 23, priegel Albertinus hauspolizei 158ᵇ, 161ᵃ), plattdeutsch prügel Dähnert 360ᵇ, zusammengezogen prü̂l Schambach 160ᵇ. — das theil 2, 423 aus prugilôn gefolgerte ahd. prugil ist ganz unsicher, da das in einer glosse zu 2 Macc. 1, 19 vorkommende giprugilôn, contutari (das feuer in einer grube) bewahren, verstecken ('durch übergelegte stöcke oder reisig schützen' Schade² 86ᵃ) vielleicht erst durch die beliebte umstellung des r (s. Weinhold bair. gramm. § 163, alem. gramm. 197, mhd. gramm.² 213) aus gipurgilôn entstanden ist, wie auch eine handschrift liest (Steinmeyer-Sievers 1, 698, 33), in welchem falle es mit purc, burgilâ u. a. eine ableitung wäre vom plur. prät. des verbums përgan, in sicherheit bringen, verbergen. vgl. prange 1, prangel. Es folgen hier weitere belege für den b- und p-anlaut.
1)
ein dicker stock (bengel, knüppel, knüttel, keule)
a)
zum schlagen oder werfen dienend: mhd.
man sach dâ swerte vil erwegen
unde ûf heben manegen brügel.
Konrad Parten. 14415;
alsô vil wênic hât gestriten
Êrec mit frowen Ênîten
mit prügeln und mit schîten.
von dem übelen weibe 414 Haupt;
hie gêt eʒ an ein strîten,
mit prügeln und mit schîten
gesâhet ir sölch vehten nie.
590;
nhd. ich (die freiheit) fur ein prugel in der hant
und lauf darmit durch alle lant.
fastn. sp. 554, 5;
si süllen solch faul esel mit prügeln schlagen.
755, 17;
so ainer mit ainen (so) prigel .. schlögt. östr. weisth. 6, 129, 23 (16. jahrh.); ich wil mit macht Erkule den prugel aus der hant nemen. A. v. Eyb Grisardis 389, 31 Strauch;
nimb einen aichen prügel
und schlag sie waidlich zwischen die ohren.
H. Sachs 5, 64, 16;
(ich) in all höch auf zog
mein prügel und thet zu der stund
ein starken wurf zu diesem hund,
und draff ihn eben an den kopf.
1, 419, 17;
der geworfen hund in brügel beiszt.
418, 2;
ein prügel, mein ich, loser tropf,
solt man dir geben auf den kopf.
Ringwald l. warh. 85;
da (gegen den ungehorsam) gehören brügel und ruhten zu. Kirchhof wendunm. 168ᵇ; gestern war sie noch ein böses weib, aber nun ist sie so from wie ein engel, denn ich ihr den teufel ausgebannet mit einem groszen prügel. die schausp. der engl. komödianten in Deutschland 9 Tittm.;
schmier sie mit einem prügel.
Hoffmann gesellschaftsl. nr. 157 (vom jahre 1611);
sie seien uff die ... pauren mit hellenbarten, ... brügel und bängel, die sie erst ... uffgelessen, zuesammen kommen. S. Bürster 33, vgl. 118; er nam einen dürren prügel und schlug uns den staub .. ausz den kleidern. Albertinus landstörzer 65; so sag ich doch, dasz ein ehrliches weib keins andern priegels bedarf, als der ernstlichen wort und eines sawren gesichts desz manns. hauspolizei 161ᵃ; sie giengen einander .. mit den prügeln umb die köpf. eselkönig 295;
ein mensch, der ofters wird mit prügeln ubergangen,
wird endlich schlägefaul.
Opitz (1645) 3, 309;
er erdappte einen prügel und wolte mir umb meine wahrsagung lohnen. Simplic. 1, 634, 6; ich wil dir alten kuppelhuren den rücken mit prügeln messen lassen. Gryphius Horrib. 31 neudruck; Felix und Philippus (werden) mit prügeln getödtet. trauersp. 646 P.; einem mit dem brügel drohen, den brügel geben. Stieler 237; sie schrie auf ihre knechte um hülfe, welche sich auch so fort mit ziemlichen prügeln in der hand dienstfertig einstellten. Zigler Banise 243, 13 Bobert.;
denn wo ihr nicht bei zeiten gehet,
so ist der prügel schon gesucht.
Stoppe ged. 1, 65;
mit prügaln söll ma se derschlohn.
151;
wir sind kettenhunde, die einen armen teufel anbellen, der in kurzer jacke vorübergeht; naht sich aber ein vornehmer und wir knurren nur, gleich winkt der herr, der knecht pfeift und der prügel fährt uns an den kopf. Börne 2, 489; als er aber einmal verbissen gewesen sei mit den richtern, da habe die folter so wenig genützt wie der prügel, den man auf einen verbissenen hund wirft. Riehl gesch. u. novellen (1871) 1, 63. sprichwörtlich: zum bösen hund gehört ein harter prügel. Lehmann 50, 37; wenn man prügel hat, so darf man nicht mit bratwürsten werfen. 935, 5; man musz nicht mit prügeln drein werfen, wenn man vögel fangen will. Weismann lexic. bipart. 2, 290ᵃ.
b)
(dem hunde) zum anhängen: er hett lust zuͦ schönen frawen als der hund zuͦ dem prügell. Bocc. 20, 20 Keller;
dem hirten ich der hund nit gan,
er henk in dann grosz prügel an.
Schwarzenberg 138ᵇ.
sprichwörtlich: wenn man nit den prügel zum hund legt oder an hals hängt, so acht er kein gebot. Lehmann 266, 16; dasz der hund nicht zur hochzeit kompt, das macht der prügel hinter der thür. 17.
c)
ohne ausgesprochenen zweck: es sold auch .. kainer kain stain, prugl und anders zu seinen grund werfen lassen. östr. weisth. 6, 273, 34 (vom jahre 1391);
(sie haben) eng rock mit langem flügel,
darinn jagentz als ein brügel.
des teufels netz 12080;
im forstwesen was knüppel 2, b, knüttel 1, d Schm.² 1, 468, vgl. prügelholz.
d)
obscen, membrum virile Stieler 237:
er juckt sy rain mit seinem prügl,
der do ist wie ain aichner rigl.
Raber Sterzinger spiele 5, 143;
cimbrisch barz-, burz-, vorzprügel, kleiner mensch, pigmeo. Schm. 157ᵇ. 114ᵇ.
2)
der schlag, hieb mit einem oder wie mit einem prügel: ein prügel oder schlag mit einem stecken, mit einem spanischen rohr. Rädlein 713ᵃ, nur im plur. gebräuchlich, prügel geben, austheilen, verdienen, empfangen, bekommen u. s. w., in anlehnung an einem den prügel an den kopf geben u. ähnl. bei 1, a:
da war kein mann dabei, der nicht bekame prügel.
J. Kurz prínzessin Pumphia, vers 418 neudr.;
unsere lustspiele bestanden in verkleidungen und zaubereien; und prügel waren die witzigsten einfälle derselben. Lessing 6, 41 (vgl. Schlegel vorles. 2, 390, 3 f.); bedenke doch der gute zuschauer, dasz die leutchen da droben (auf der bühne) mitunter prügel austheilen, von denen er nichts fühlt. Göthe 38, 274; wenn sich prügel schreiben lieszen, schrieb einmal ein vater an seinen sohn, so solltest du mir gewisz dieses mit dem rücken lesen, spitzbube! Lichtenberg 2, 73; er bekam die hauptprügel, der andere nur das accessit. 106;
gesündigt hat er gnug,
verdient, wenn auch nicht eben heut, die prügel;
er mag auf abschlag sie empfangen haben.
H. v. Kleist 1, 212 H.
prügel machen das blut warm, aber noch mehr die schande; prügel erfrischen, vertreiben die liebe u. a. bei Wander sprichw. 3, 1415; prügel bekommen. Immermann Münchh. 3, 67; die erste begrüszung (war) eine derbe tracht prügel. Freytag bilder (1867) 4, 211; tausend richtig empfangene gesalzene prügel. Riehl gesch. u. novellen (1871) 1, 23; plattdeutsch een pukkel vull prügel Dähnert 360ᵇ. vgl. keilen 4, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2188, Z. 49.

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Zitationshilfe
„brügel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/br%C3%BCgel>.

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