Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

brüllen

brüllen
rugire, mugire, boare, von rind und löwe, dann auch vom meer und donner oder der menschenstimme; sonst brellen (sp. 362), mhd. brüelen. Ben. 1, 267ᵇ:
reht als ein ohse brüelen (: erküelen)
begunde er mit der stimme.
Conrads troj. kr. cod. argent. 172ᵃ,
schweiz. brülen. Maaler 79ᶜ, brüela Tobler 82ᵃ, zu welchem langen vocallaut sich das dän. bröle, schw. vraͦla halten liesze, altn. gilt ohne R baula (vgl. goth. bauljan 1, 1745), schw. böla, woher bulle, ags. bulluca vitulus, engl. bullock entsprungen scheint. nnl. brullen, wie nhd. brüllen.
1)
intransitiv, laut schreien:
ich schlach dich, das du prülst als ein ku.
fastn. 88, 11;
get umb prullen sam ein ku.
1287;
da kam ein junger lewe brüllend im entgegen. richt. 14, 5; was ist denn das fur ein blecken der schafe und ein brüllen der rinder, die ich höre. 1 Sam. 15, 14; das brüllen der lewen. Hiob 4, 10; demnach brüllet der donner. 37, 4; deine widerwertigen brüllen in deinen heusern. ps. 74, 4; die jungen lewen, die da brüllen nach dem raub. 104, 21; die ungnade des königes ist wie das brüllen eines jungen lewen. spr. Sal. 19, 12; sie brüllen wie lewen und brüllen wie junge lewen. Es. 5, 29; brüllet auch ein lewe im walde, wenn er keinen raub hat? Amos 3, 4; ewer widersacher der teufel gehet umher wie ein brüllender lewe und suchet welchen er verschlinge. 1 Petr. 5, 8;
auf dem wütig prüllenden meer.
H. Sachs III. 2, 18ᶜ;
man wiegert den discant, man brüllet den tenor.
Logau 2, 5, 39;
zu wissen was dem bär die starken knochen füllt,
was in dem elend zuckt, was aus dem ochsen brüllt.
Lessing 1, 175;
ein brüllendes geschrei, das von den lippen fliegt.
Zachariä 1, 17;
der kater erwachte,
sah mit funkelnden augen umher und brüllte nach blute.
1, 280;
seh ich die wütende mänade?
welch rauher jubel brüllt zurück
vom thrazischen gestade?
Uz 1768. 1, 168;
es brüllt aus dicker nacht
der donner unter mir.
1, 206;
und ungestümer brüllen
die wellen am gestad.
Wieland 23, 56;
wie die meerflut
brüllt um den hohen strand, wann der kommende süd sie emporwühlt.
Voss Il. 2, 395;
von Philippi, wo die mordschlacht brüllte,
schleicht mein gramgebeugter lauf.
Schiller 134ᵃ;
der graue thalvogt kommt, dumpf brüllt der firn,
der Mythenstein zieht seine haube an.
517ᵃ;
hört, wie der abgrund tost, der wirbel brüllt.
539ᵇ;
wo der tod aus feuerschlünden brüllt.
Gotter 2, 372;
ein brüllendes freudengeschrei. Klinger 5, 123; das geschrei so vieler menschen, die nur um desto heftiger brüllen. Göthe 29, 274. das volk sagt brüllen für laut weinen, schreien, heulen.
2)
transitiv, ein lied brüllen; einen aus dem schlafe brüllen. Klinger 3, 143.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 426, Z. 59.

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