Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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brünstig

brünstig,
ardens, fervidus, fast nur in den drei letzten bedeutungen von brunst: wende deine augen von mir, denn sie machen mich brünstig. hohelied 6, 4; aber mein herz ist anderes sinnes, meine barmherzigkeit ist zu brünstig. Hos. 11, 8; dieser war unterweiset und redete mit brünstigem geist. apostelg. 18, 25; seid brünstig im geiste (spiritu ferventes, goth. ahmin vulandans). Röm. 12, 11; habt unter einander eine brünstige liebe (caritatem continuam). 1 Petr. 4, 8; wenns auch aufs aller brünstigst, hitzigst, herzlichst erkant und bedacht wird. Luther 3, 85ᵇ; die guten engel sind viel hitziger und brünstiger zu helfen und aus aller not zu retten. 5, 337ᵇ; das gehör ist nicht die wenigst anreizung auch brünstige ursach zu lesen. Fronsp. kriegsb. 1, 173ᵇ; seinem brünstigen ehebruch willfahren. Kirchhof wendunm. 426ᵇ;
lindert sich der brünstig schmerz.
Melissus O. Z. 164;
feur aus seim mund fure prünstig.
ps. F 7ᵇ;
ist in der lieb brünstig und heisz.
Ayrer fastn. 36ᵃ;
o du mein Pilades, mein Febus würde brünstig,
säng höher als vorhin, weil du ihm wärest günstig.
Fleming 47;
disz und jenes schneidt man auf von der hochzeit ersten nacht,
mich, sagt Else, schreckt es nicht, werde brünstig nur gemacht,
unter augen dem zu gehn, was mir letzlich kummen soll.
Logau 2, 6, 23;
in vergnügung ihrer brünstigen geilheit gar insationabilis. Simpl. 2, 60;
Philindrene war mir günstig,
Leonore gut und brünstig.
Günther 292;
streit, argwohn, eigennutz und klagen streut keinen mehlthau
auf die frucht,
die jedes auf des andern lippen mit brünstiger umarmung sucht.
441;
brünstige begierde des weltgeistes. Felsenb. 4, 558; nie hätte meine andacht inniger, brünstiger sein sollen als heute. Lessing 2, 135; jugendliche spiele, wornach die knaben so brünstig sind. Stillings jugend 83;
also sagt er, und schlang sich mit brünstigen, zitternden armen
um den erlöser.
Klopstock Mess. 2, 209;
wenn mit zärtlichkeit beide die brünstige mutter umarmte.
3, 193;
Paphos hat sie (die tauben) her gesendet
ihre brünstige vogelschaar.
Göthe 41, 172;
da klang so ahnungsvoll des glockentones fülle,
und ein gebet war brünstiger genusz.
12, 45;
durch brünstiges, ja gewaltsames gebet. 48, 144;
welch ein säuseln, welch ein wehen,
wenn sie kosend mich umfieng,
und mit süszem liebeflehen
brünstig mir am halse hieng.
Bürger 43ᵇ;
und die seele, die so brünstig,
die so liebend, die so bange
wohnte wie in sichrer kühle.
Tieck 1, 372;
einst folgt er mit zu brünstgem lauf
dem wild durch moor und ried.
Kinds gedichte.
man sagt auch ein brünstiges thier, die kuh ist brünstig; kaum aber eine brünstige flamme, ein brünstiges gestirn, brünstige krankheit, brünstiger most. bei Hohberg 3, 2, 64ᵇ steht: Zerbster bier kan machen, dasz der urin scharf und brünstig wird. vgl. inbrünstig, hirnbrünstig, rotbrünstig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 439, Z. 81.

brünstig, adv.

brünstig, adv.
ardenter, heftig, innig: und habt euch untereinander brünstig lieb aus reinem herzen. 1 Petr. 15, 22;
hier fieng sie brünstig an zu weinen.
Günther 295;
ich schlosz ihn brünstig in die arme.
434;
wer brünstig liebt, dem macht die furcht stets bange.
909;
ach wäre Galathee zugegen,
ach sollt ich, holde Galathee,
um deinen weiszen hals die arme brünstig legen!
Uz 1, 133;
ewiger vater, das weist du, das wissen die himmel, wie brünstig
mich seit diesem entschlusz nach meiner erniedrung verlangte.
Klopstock Mess. 1, 102;
schnell mit brünstig eröfneten armen, mit herzlichen blicken
eilten sie gegen einander.
1, 321;
Bethlehem, wo ihn Maria gebar und ihn brünstig umarmte.
2, 29;
wer weisz es besser, wie brünstig,
wie lange sie Karamell liebt.
Wieland 5, 33;
wie um ihren stab die rebe
brünstig ihre ranke strickt.
Bürger 38ᵃ;
brünstig wird das neue bild geküst.
68ᵇ;
es lebt ein mann, der so das leben liebte,
dasz brünstiger kein nönnchen ihr brevier
Gotter 1, 314;
ist euch schon der wind nicht günstig,
zu den rudern greifet brünstig!
Göthe 2, 40;
dort naht der feind, die deinen harren brünstig,
befiehl den angrif, der moment ist günstig.
41, 271;
dann küste sie ihr haupt zwischen den gescheitelten haaren brünstig und wiederholt in frommer absicht. 23, 206; so wünschte ich brünstig. 55, 130;
schon kniete brünstig, stillandächtig
der kaiser vor dem hochaltar.
Platen 33.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 440, Z. 59.

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Zitationshilfe
„brünstig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/br%C3%BCnstig>.

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