Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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brüten

brüten,
fovere, incubare, auch wol blosz cubare (wie schw. ligga), it. covare, franz. couver, prov. coar; ahd. pruotan, mhd. brüeten, ags. brêdan, engl. breed und brood, nnl. broeden, von der urverwandtschaft eben unter brut und von der nahen berührung mit brühen oben sp. 454; nnl. sind broeijen und broeden kaum zu scheiden und auch unsere volksmundarten mengen sie. Alberus hat unter dem wort huͦn neben brüen zugleich brüten und dem part. gebrüt ist nicht anzusehen, auf welchen der beiden inf. es zurückgehe.
1)
transitiv, ausbrüten, bebrüten: sie brüten basilisken eier und wirken spinneweb. Es. 59, 5; was die jungen legten, musten die alten prüten. Garg. 282ᵇ; ein hun kann zwölf eier brüten; eine glucke brütet wol zehen küchlein, doch nicht alle werden so grosz, dasz sie mit auf die stange fliegen;
gedrängter quellet,
zwillingsbeeren und reifet
schneller und glänzend voller!
euch brütet der mutter sonne
scheideblick.
Göthe 1, 92;
unheil brütende weiber.
Voss Od. 11, 437;
wenn Dion, wie es scheint, irgend ein gefährliches vorhaben brütete. Wieland 2, 293; der strahl der liebe brütet die mächtigsten triebe und kräfte in unserm innersten. Leisewitz Jul. v. Tar. 2, 5;
Electra nur
bethörte noch das volk und brütete den samen
der unzufriedenheit.
Gotter 2, 103;
mensch, was brütest du? Schiller 200ᵃ;
weisz ich nicht, dasz Alba rache brütet?
280ᵇ;
so wie die schöpferische wärme dieses himmels die unglückliche wirkung hatte, die abscheulichsten geburten der tyrannei an das licht zu brüten. 1040ᵃ; zweifel und mistrauen brüten. Woldemar 217; in nacht gebrütet und in nacht vollführt, so mag diese freche that der ungerechtigkeit sich verbergen. Göthe 8, 287; stiefeln, welche jeden tag ein neues hünerauge aus den zehen brüteten. J. P. Fibel 150; ich meine, dasz ein hochberühmtes geschlecht nach gottes weisheit von der höhe schwindet, wenn seine fortdauer greuel brütet. Arnim kronenw. 1, 308;
was ich heute verschlossen im obern stübchen gebrütet,
hast du beim abendtisch lächelnd umsonst mich befragt.
Rückert 278:
2)
intransitiv, das hun brütet schon acht tage; die grasmücke brütet gauchseier; als man einer hennen tuͦt, wenn sie der klück ankompt und wenn man geren hat, das sie nit brüten sol, so stoszt man sie in ein kalts wasser und reibt sie mit nesseln und berupft si und stürzt sie under ein metzen. Keisersberg geistl. spinnerin c 8ᶜ; der igel wird auch daselbs nisten und legen, brüten und ausheggen unter irem schatten. Es. 34, 15;
hofnungen von brütender begier
sanft entfaltet.
Wieland 9, 306;
ein brütend saatfeld für den tag der garben.
Claudius 1, 77;
der vogel ist froh in der luft gemütet,
wenn es da unten im neste brütet.
Göthe 2, 238;
er fühlt, dasz er eine kleine welt
in seinem gehirne brütend hält.
13, 125;
andere hocken zu haus und brüten hinter dem ofen.
40, 216;
dieses gewissen soll erregt, soll beschwichtigt werden. erregt, wenn es stumpf, unthätig, unwirksam dahin brütet. 21, 123; die stille weit verbreitete ruhe über dem breiten Rhein, über den brütenden weinbergen. Bettine br. 1, 73; das schwüle brüten der natur. J. P. Kamp. 17; da der abend schwer auf allen brütete. Hesp. 3, 257. Man sagt, das hun brütet auf oder über den eiern, öfter letzteres: über der idee einer sache brüten. Kant 2, 564; desto weniger blieb es ihm zweifelhaft, dasz man über einem geheimen anschlag gegen ihn brüte. Wieland 7, 359;
wenn über werdend wachsendem vorher
der vatersinn mit wonne brütend schwebte.
Göthe 9, 320;
jenen heiszen himmelsstrich, wo die sonne noch immer über unsäglichen geheimnissen brütet. 14, 136; meine einbildungskraft brütete über der kleinen welt (des puppenspiels), die gar bald eine andere gestalt gewann. 18, 27; die einbildungskraft brütet über einer wüsten sinnlichkeit. 45, 299; wüste leerheit umfängt erst alles, der geist jedoch brütet schon über beweglichem und gebildetem. 49, 3; über widrigen empfindungen brüten. Klinger 5, 10; brütete über dem was er vernommen hatte. 7, 82; bewustloses brüten oder stand der gänzlichen unschuld. Schelling ak. stud. 149;
während ich, der im gemüte
auf den wink der gunst verzichtet,
bücher vor mir aufgeschichtet,
überm rauch der lampe brüte.
Platen 8ᵇ.
statt des dat. begegnet einigemal der acc.: dasz er über eine idee in sich brütet. Kant 1, 180; indem die vernunft über ihre eignen begriffe brütet. 3, 249; hier sitzt er, brütend über sein geschick, den leichnam seiner gattin entseelt im schosze haltend. Göthe 44, 132. vgl. hinbrüten und oben sp. 378. schweiz. brüten, kränkeln. Stald. 1, 236.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 454, Z. 60.

gebrodet, gebrödet

gebrodet, gebrödet,
s. gebrotet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1870, Z. 56.

gebrotet, gebrötet

gebrotet, gebrötet,
in eines brote stehend.
1)
die alte form ist gebröt, gebrot.
a)
ohne umlaut: wo iemant derselben vogelherd .. allein für sich, seine geprote kinde, eehalten und gesinde geprauchen wolt. Nürnberger pol. 314, aus dem 15. jahrhundert; wie si das (die barchentweber ihre waare) in iren werksteten durch sich und ir geprote gesind machen. 188; si mit iren gebrotten eehalten. 220, handwerker mit ihren gesellen; ob iemant usz den husgenoiszen von node wegen nit kommen mochte (zum gericht), wie er das vornotboden (mit notboten melden) solle? ist die antwort: mit sime gebrodten gesinde ader mit eime gesworen boten. weisth. 5, 298, wetterauisch 15. jahrh., wo auch söhne mitgemeint sein mögen; die selben han mym gnedigen herrn sinen gebroten knecht in siner gnaden gerichte mit gewoppenter hant oberlaufen. Büdinger buszregister 1474 ff. hs. s. auch bei Scherz 188, Haltaus 598 fg., Grimm rechtsalt. 318, Lexer 1, 360 unter brœten.
b)
mit umlaut: es soll auch niemands ainichem man oder frawen, die nit sein geproͤtt zugehoͤrig sein, weder schilt u. s. w. (s. unter gebröte 2) .. und welche ietzo schilt .. haben, die inen ir protherren nit geben hetten, die soͤllen sy abthun. reichsabsch. Augsb. 1500 D iijᵇ, d. i. seine gebrötte zugehörige; gemietet und gebröt gesinde. Erfurter stadtordn. R 1ᵇ; einwoner oder ir gebröt diener. Erfurter conc. C iijᵃ; des schuldners gebröten ehehalten, gesinde. Frankf. ref. I, 49 § 3; so soll (beim todesfall) zuvorderst den taglönern und geprötten eehalten oder dienstleuten von wegen ires verdienten lidlons .. vor allen andern persönlichen sprüchen verholfen werden. Nürnb. ref. 1564 67ᵇ; (dasz er es) selbst bawe oder sonst durch seine gebrötte dienere bawen lasze. Lennep landsied. 2, 12, vom jahre 1571. s. auch bei Schm. 1, 253.
2)
in voller form gebrotet, so in neuerer zeit, aber auch schon im 14. 15. jh., wie sie denn auch durch das -tt unter 1 angedeutet wird: ouch so ensal kein man bestellen .. (fremden) win zuͦ brengen adir zuͦ senden (in die stadt), her ensende denne .. sinen gebrodeten knecht darnach. Leipz. urk. 1, 49; mine gebrodeten knechte. Haltaus 599, vom j. 1412; gebrotete diener. Moscherosch, s. unter broten; alle auszerhalb der immunität wohnende gebrodete diener (des klosters), als schaf- und gänschirten. Möser osnabr. gesch. 1, 328; unter dem titel von dienstleuten und gebrodeten dienern. patr. ph. 2, 205, als übers. von ministeriales; gebrotetes gesinde, gebrötete diener. Adelung unter brötling. mnd.: brôdede gesinde, öfter als brôde g., s. Sch. u. L. 1, 425 fg.; unsen knechten .. de unse degelîkes gebrôdeden gesinde sint. P. Wigand denkw. beitr. 195 (14. jahrh.).
3)
aber auch die herren hieszen so, die das brot geben: gebrödte herren. Schm. 1, 253; und welch jetzt schilt u. s. w. haben, die inen ire gebröten herren nit geben heten. reichsordn. 1539 48ᵇ, doch in ursprünglicher fassung ir protherren (s. unter 1, b). Da ist es aber als part. von bröten unmöglich, vielmehr tritt da ge- in seine alte kraft ein: gebröte plur. alle die, welche in éinem brote sind, éine haushaltung haben, der herr nach den alten begriffen vom hause mit eingerechnet, auch er neben dem protgesinde (Schm. 1, 253) als einer der protgenossen (das. 2, 710), d. h. die zusammen éin brot, éine kost genieszen, was eigentlich genosz allein schon bezeichnet. Ob es nicht ein adj. oder subst. mhd. gebrôt oder gebrôte, gebrœte, ahd. gibrôto, gibrôtio o. ä. gab? es hätte sein deckendes seitenstück in altfranz. compains (s. kumpan), das in compagnie noch heute nachlebt, und in goth. gahlaiba, s. sp. 1610 fg. im nl. wird gebrood wirklich auch als subst. gebraucht, wofür freilich ältere belege fehlen (s. das grosze nl. wb.), z. b. gebroodden van zijn huis, seine kostgänger, auch von tischgenossen überhaupt: haar arme gebrooden, convivae miseri (Juv. 6, 424). dasz die participform bis ins 14. jh. zurück deutlich vorliegt, stünde der annahme nicht im wege, weil solche einfache bildungen mit ge-, an denen die vorzeit überreich war, noch früher schon sich verdunkelten und in participia übertraten, wozu das ge- den ansatz bot, und hier auszerdem das -t, s. sp. 1612. 1621.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1871, Z. 43.

gebrudert, gebrüdert

gebrudert, gebrüdert,
im verhältnis von brüdern stehend; ein reuterlied hebt an:
woluf, ir lieben gsellen,
die uns gebruͦdert sein,
und raten zuͦ. wir wöllen
dort prasten über Rein.
Uhland 378,
d. h. der 'reuterorden' als bruderschaft behandelt, vergl. unter gebrüder 2, c von den kreuzbrüdern. von leiblicher brüderschaft: so were auch dieser krieg .. eine hausaufrhur .. da sind beide fürsten unter zweier schwestern herzen gelegen, darnach der adel unternander gevettert, geschwistert, geschwagert, gefreundet, ja fast gebrüdert, gevattert, gesönet, das es wol mag heiszen éin haus, éin blut. Luther 8, 41ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1876, Z. 42.

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Zitationshilfe
„brüten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/br%C3%BCten>.

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