braunspat m
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 327, Z. 32
spathum brunescens.
spat m
Fundstelle: Lfg. 11 (1903), Bd. X,I (1905), Sp. 1971, Z. 57

Unterbegriffe in diesem Artikel

(II) blättricht brechendes gestein.
1)
formales.
a)
ahd. spat, alumen, gipsus, spatt, nitrum, gruenspatt, viridis eris. Graff 6, 326 (erst seit dem 12. jahrh.), mhd. spât, spat Lexer handwb. 2, 1072, mnd. spaet, vitrum; spat Schiller-Lübben 4, 306ᵇ: alumen ... spat (Sumerl.). Dief. gloss. 27ᵃ; gipsum, -us ... hd. spar vel spat, spat off spair, spade, spare calcke ... spatkalck, ... spaaet, eyn spad, gibs (vel) spatt. 263ᵇ; nitrum ... hd. spat (res similis vitro, herba), spade, spad, spaut, eyn spate salcz bolver. 381ᵇ (nov. gloss. 264ᵇ); vitrum ... spat (vel) spere darm vensteren afmalet, spat do man venster ausz macht. 624ᵃ; spat, sper, dar me venster af maket. nov. gloss. 383ᵇ. ferner holl. spaath, engl. spat, dän. spath, schwed. spat, franz. spath, ital. spato, wol alle aus dem deutschen, vgl. Kluge⁶ 369ᵃ. mhd. begegnet spat einmal in der allgemeineren bedeutung 'abgerissenes stück, fetzen':
der lewen einer niht enlieʒ,
als er engegen im trat,
er sluoc dem ritter ein spat
mit den clâwen von der sîten.
Lanzelet 1958.
dies ist vielleicht mit dem gewöhnlichen spat identisch, s. Weigand 2, 752. im übrigen ist der ursprung des wortes unbekannt.
b)
mhd. findet sich spat sowol im reime auf a (trat Lanz. 1958, s. oben, blat, s. Albrecht unter 2, f), wie auf â (rât feldb. 313, hât Germ. 8, 285, 51, s. unten 2, d. g); es ist also fraglich, ob man (mit Grimm gramm. 1³, 169) spât anzusetzen hat. im nhd. scheint die länge des vocals festzustehen. sie ist deutlich in der schreibung spaat bei Jablonski und wol auch durch die schreibung spath ausgedrückt, die in neuerer zeit (bei Adelung, Jacobsson, Nemnich, Campe u. s. w., in der litteratur bei Brockes, Göthe, s. unten) vorherrschend ist und erst neuerdings wieder durch spat verdrängt wird.
c)
das geschlecht ist in den mhd. belegen, die es erkennen lassen, neutr., s. mhd. wb. 2, 2, 489ᵃ. so noch bei Schambach 203ᵃ angegeben. nhd. scheint das masc. allein vorzukommen.
d)
der plur. (nur von den verschiedenen arten) wird bei Adelung und Campe als spathe, bergmännisch auch als späthe angegeben. jene form gebraucht Jacobsson; diese verzeichnet Veith 454 (späte), sie herrscht aber auch bei Göthe: kalkerde und schwererde erscheinen in so mancherlei späthen durchsichtig. 53, 211, dazu kalkspäthe 43, 110, feldspäthe 197.
2)
bedeutung.
a)
spat ist zusammenfassende bezeichnung für eine gruppe von steinarten und wird folgendermaszen definiert: spat ist ein blätteriges, bröckliches, schiefriges, öffters ganz weisses, manchmal braun-rothes, auch anders gefärbtes kalch-artiges gestein, weicher als quarz, dasz man es leicht schaben kan, man kan aber kein metall heraus bringen. Frisch 2, 293ᶜ; spat, ein blättriches, bröckliches, schiefriges, sehr weich und schweres gestein. G. Körner böhm. bergw. 25; 'spathe sind diejenigen krystallisirten, und in verschiedenen graden durchsichtigen steine, welche unter der erde, vorzüglich in den erzgruben gefunden werden, und nicht hart genug sind, um mit dem stahle feuer zu geben. ihren eigenschaften nach gehören sie zu verschiedenen erdarten, und haben daher verschiedene namen, als kalkspath, gypsspath u. s. w.' Jacobsson 7, 384ᵇ, vgl. 4, 201; 'spath ... nach den ältern naturforschern und mineralogen, eine gangart oder gestein, welche meist blättericht, bisweilen bröcklicht ist u. s. w. ... man belegte besonders alle steine mit diesem namen, die sich in ihrer krystallgestalt ziemlich glichen, welche allezeit glänzende blätter nach art der spiegel zeigen, und mit dem stahle, auszer dem feldspathe, kein feuer geben.bei den neuern mineralogen und chemikern ist der name spath nicht mehr eine benennung für den stoff, sondern eine benennung für die gestalt einer steinart, wenn diese ein blättriges gefüge und eine spiegelförmige fläche hat, so ist sie ein spath. der spath ist also nichts anders, als ein sauerstoffhaltiger kalk, mit einer fremden beimischung, wie mit säuren oder kies, auch thon, talk und metalle.' Krünitz 156, 529. s. noch Popowitsch 542. Nemnich (spathum, spatum) und Adelung.
b)
die einzelnen arten werden zum theil durch zusatz von adjectiven unterschieden: blättriger spath, 'ein spath, der sich von den spathdrusen darinn unterscheidet, dasz er sich in kleine blätter spalten läszt, mehr weich ist, und nicht selten in ein glas schmilzt, wenn er kaum rothwarm ist.' Jacobsson 4, 201ᵇ. Krünitz 156, 530; durchsichtiger, 'ein weicher, wenig blätterichter und ganz durchsichtiger spath, den man in würflichten, etwas rautenförmigen stückchen von verschiedenen farben antrifft.' 533, vgl. Jacobsson 4, 201ᵇ. 7, 385ᵃ; undurchsichtiger spat steht theils allgemein für die hauptmasse der spate, theils für eine bestimmte art (eigentlicher undurchsichtiger spat). ebenda. Krünitz 156, 575; isländischer spat, 'kalkspathkristalle, welche rautenförmig, heller und durchsichtiger sind als andere spathdrusen, und durch welchen man alle gegenstände doppelt siehet, daher er auch doppelspath und doppelstein genannt wird.' Campe, vgl. Jacobsson 4, 201ᵇ; körniger spat, eine art undurchsichtiger kalkspat mit unregelmäszigem körnigem gewebe. Jacobsson 4, 202ᵃ. Krünitz 156, 557 f.; leuchtender spat, spathus phosphoreus, franz. spath phosphorique, eine art fluszspat, die stark erhitzt im finstern leuchtet. ebenda. Jacobsson 4, 202ᵃ; würflichter spat, ein sehr schwerer undurchsichtiger spat, der in scharfeckige würfel bricht. ebenda.
c)
zahlreicher und bestimmter sind die zusammensetzungen, so:
blätterspat
s. theil 2, 79;
blauspat
zu den talkthonen gehörig, blau und undurchsichtig. Krünitz 156, 530;
bleispat
plumbum spathosum. Nemnich, vgl. theil 2, 102. Krünitz 5, 695;
braunspat
s. theil 2, 327. Krünitz 156, 530;
diamantspat
530—3, vgl.demantspat, theil 2, 918;
doppelspat
s. isländischer spat unter b und theil 2, 1271, Krünitz 156, 533: doppelspath Göthe 55, 35 (entopt. farben 25, überschr.);
eisenspat
s. theil 3, 374;
feldspat
spathum scintillans. Nemnich. Krünitz 156, 533—542: erst fragte man nach quarzkrystallen, dann nach feldspäthen. Göthe 43, 197;
fluszspat
fluor spathosus. Nemnich, fluorit. Karmarsch-Heeren³ 3, 606 f. Krünitz 156, 543—555. Oken 1, 252 ff., vgl. theil 3, 1858: der eisenglanz spielt eine grosze rolle, ... der kalk, verschieden gesäuert, als fluszspath und apatit. Göthe 51, 104;
gipsspat
gypsum spathosum, selenites. Nemnich, auch selenitspath Krünitz 156, 556;
gitterspat
mit gitterförmigem gewebe. 555;
glasspat
spathum vitreum, solidum, fluszspat. 555; auch für spiegelspat. Nemnich;
glinzerspat
Marienglas. Krünitz 156, 556;
hohlspat
chiastolith. ebenda;
kalkspat
calcareus spathum. Nemnich. Krünitz 156, 556 f., s. theil 5, 68: die marmore, besonders aber die alabaster (kalkspäthe) des landes nehmen sich sehr gut aus. Göthe 43, 110;
kieselspat
albit;
kohlenspat
s. Krünitz 156, 557;
pechspat
558;
perlspat
glinzerspat, durchsichtiger glimmer, Marienglas. 556;
quarzspat
eine art des feldspats. 558 f., vgl. theil 7, 2328;
rosenspat
s. theil 8, 1219;
säulenspat
sp. 1905. Krünitz 156, 559—562;
schieferspat
152, 491, vgl. theil 9, 7;
schillerspat
s. sp. 149, schielerspath, spathum scintillans versicolorum, franz. spath des champs changeant, labradorstein, mondstein. Krünitz 156, 562;
schörlspat
vgl. theil 9, 1578 und Nemnich (spathum);
schwerspat
theil 9, 2576;
selenitspat
s. oben und Krünitz 156, 574;
spiegelspat
gipsspat mit spiegelnder oberfläche;
stangenspat
spat in viereckigen seiten. Nemnich. Oken 1, 273, eine art des schwerspats. Krünitz 156, 574 f.;
tafelspat
theil 11, 23. Krünitz 156, 575;
zinnspat
ebenda.
d)
litteraturbelege lassen gewöhnlich die speciellere bedeutung nicht erkennen: ist (im eisen) noch kupffer, spat, oder ander wildigkeit drinne. Mathesius Sar. 79ᵃ; es wird an etlichen orthen spat, talkum und Marien-glasz gefunden. Olearius reisebeschr. 89ᵃ;
er brâhte her kieʒ unde spat (: rât).
feldbauer 313 (Germ. 1, 350ᵃ).
e)
nähere bestimmung bieten in der ältern sprache die glossen, s. 1, a. ferner: nitrum haiʒt spat. der stain ist weiʒlot und durchsihtich nâhent sam ain glas, und darumb macht man in für die venster an den häusern in etleichen landen, sam in Dürgen. Megenberg 453, 6; in neuerer zeit werden folgende arten als spat schlechthin bezeichnet:
α)
kalkspat Nemnich. Campe.
β)
gips Nemnich. Campe.
γ)
speciell das fraueneis oder Marienglas, gypsum spathosum, selenites. Nemnich. Adelung.
δ)
das calcinierte fraueneis der goldschmiede. Adelung; spath der goldarbeiter, spath d'orfevre. Jacobsson 4, 201ᵇ.
ε)
spaat, eine weisse gläntzende berg-art, so nirgend zu nutz, als dasz etwa der sogenannte silber-sand daraus gebrannt wird. die bergleute nennen den spaat die ertz-blume, oder auch ertz-mutter, weil er gern auf ertz zeiget. Jablonski 730ᵇ (ist der strahlgips, gypsum fibrosum, gemeint, der nach Nemnich als streusand benutzt wird?). — irgend eine gipsart (doch nicht fraueneis) ist wol auch in folgender stelle gemeint:
ferner ist auch in den gründen
von den steinen, welche glatt,
eine sorte noch zu finden,
diesen nennt man meistens spath.
Engelland und Augspurg reichet
uns denselben, und er gleichet
dem crystallnen gyps, den man
zu Montmastre (?) graben kann.
weisser ist jedoch und schöner
dieser itzterwähnte stein,
und noch glänzender, als jener,
sein so angenehmer schein.
schuppenweise wächst er immer,
und sein wesen voller schimmer
hat, nebst mancher andern kraft,
eine trocknend' eigenschaft.
wenn man will metallen giessen,
braucht man gerne diesen stein,
als wodurch sie leichtlich fliessen
und zum gusz bequemer seyn;
auch zum formen wird's genommen.
Brockes 9, 53.
f)
spat bezeichnet im mittelalter meist einen durchsichtigen stein, der an stelle des glases zu fenstern verwendet wird, vermutlich das Marienglas (e, γ), s. Heyne hausaltert. 1, 235, vgl. die glossen unter 1, a und Megenberg unter 2, e: im alten vocabulario 1482 scheint es, dasz der auctor desselben glas, oder auch frauen-glas für spat gehalten: er setzt: spat, do man venster ausmacht. wie man an einigen orten fenster aus Marien-glas macht. Frisch 2, 293ᶜ;
sîn wîʒe hût dar ûʒ (aus dem wasser) schein
als ûʒ dem glase ein helfenbein
unde als ein gilgen blat
schînet durch ein lûter spat.
Albrecht v. Halberstadt 40ᵇ, s. ⅭⅬⅩⅩⅤ Bartsch.
spat für glas geradezu verzeichnet Schambach 203ᵃ.
g)
spat wird zu sand zerrieben und zum gieszen benutzt, vgl. e, ε: item ein spat ze gieszen, darein mag man gold, silber oder pley gieszen. nim ain spat lasz jn ein hafner in ein (unglasierten) hafen brennen reib in klain auf einem reibstain ... so nun der sand oder spat herait ist. quelle bei Schm. 2, 690; wann du (zum gieszen) ainen gueten sand machen wilt, so nimb ain saubern spat, zestosz den zu mehl. ebenda. als schönheitsmittel:
wâ sint ir shônen vrouwen?
choment, ih lâʒe iuh shouwen
chrâm den ih iu hân brâht, ...
verdergrieʒ unde spât (: hât).
Germ. 8, 285, 51 (passionssp.).
Zitationshilfe
„braunspat“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/braunspat>, abgerufen am 08.12.2019.

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