brei m
Fundstelle: Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 353, Z. 47
puls, gen. breies, breis, pl. die breie; ahd. prî und prio (Graff 3, 261), mhd. brî und brîe, gen. brîen (Ben. 1, 239ᵃ), wonach die zweite ahd. form auch für prîo, gen. prîen zu nehmen ist; die bair. mundart schiebt das n sogar in den nom. brein (Schm. 1, 256). nnl. brij, gen. brijs, pl. brijen; ags. brig und briv, jusculum, puls; den nord. sprachen fehlend. zunächst liegt die abkunft von brëgen, frigere, kochen, so dasz prigo sich in prijo, prîo wandelte, etwa wie pî, bî, bei (1, 1202. 1346) aus bi, ags. big entsprang. nicht anders geht aus kochen, sieden das bairische koch = brei (Schm. 2, 278), aus altn. valla, wallen, sieden, kochen velling, schw. dän. välling für puls hervor, und da wir zu bregen auch lat. fervere hielten (sp. 322), würde sich fervor und fervidus = frevor, frevidus zu unserm brei stellen, vgl.brägel sp. 291. wollte man jenes ahd. prio nicht zweisilbig, sondern einsilbig = priu nehmen, so liesze sich auch an priuwan brauen denken, worin wiederum die vorstellung von sieden auftaucht und von anderer seite das lat. fervere erreicht wird. doch streitet die flexion prîen und niemals priuwen für prîo, mhd. brîe. Das bairische gebirgland, nach Schmeller, setzt koch, d. i. brei dem mues entgegen und versteht unter brein die körner, welche sich zu brei kochen lassen, wie anderwärts griesz und grütze eigentlich das korn, dann den daraus gekochten brei ausdrücken. in manchen gegenden sind brei und mus gleichbedeutig, apfelbrei was apfelmus. Brei enthält die vorstellung des weichen, dickflüssigen, der brei im topf kocht über, in einem kindermärchen (nᵒ 103) steigt der süsze brei unaufhaltsam über das töpfchen hinaus. im schlaraffenland gibt es berge von brei, durch welche man sich essen musz;
die welt ist nicht aus brei und mus geschaffen,
deswegen haltet euch nicht wie schlaraffen,
harte bissen gibt es zu kauen.
Göthe 2, 266;
sei teufel, doch nur nicht wie brei!
12, 146;
der mann war milder, milchiger natur, nicht ein brei, worin ein knochen oder degen feststeht, sondern eine weite, knochenlose marksuppe. J. P. Nepomukk. 117; Alban, vor welchem das leben noch nicht in einen brei der verwesung zerlief. Tit. 2, 128; weich wie brei; einen zu brei schlagen, prügeln; zu brei an die wand geschmettert. Heinse an Gleim 1, 349. dies brei gemahnt an batz oder batze, welches 1, 1160 richtig zu backen, einem mit bregeln verwandten begrif gestellt wurde. der brei wird aus der pfanne gescharrt: ich will meinem Hans ein süppchen kochen zum abende. der lose vogel, der grosze hat mir gestern das pfännchen zerbrochen, als er sich mit Philipsen um die scharre des breis zankte. Göthe 16, 20;
kocht des kupfers brei,
schnell das zinn herbei,
dasz die zähe glockenspeise
fliesze nach der rechten weise!
Schiller 77ᵇ;
mischt und rührt es, dasz der brei
tüchtig, dick und schleimig sei!
572ᵇ;
so sagt mir doch, verfluchte puppen,
was quirlt ihr in dem brei herum?
Göthe 12, 122;
entzwei entzwei!
da liegt der brei!
12, 126.
Brei ist eine einfache lieblingsspeise des volks:
eʒ tagt, wolûf, setz zuo den brîen!
Hätzlerin 35ᵇ;
ich iʒ daheim vil gerne brîn.
Helbl. 1, 623;
ein guoten käs wil ich euch schenken,
und ein guoten veisten prein.
fastn. 396, 7;
'dein käs und dein veister prein
süllen von mir ungeessen sein'.
396, 22;
wir essen all nit gern hebrin prei.
344, 4;
sprichwörter: hestu nur brei und fried dazu; isz deinen brei und halt dein maul; der brei, den du angerührt hast, must du auch ausessen; man geht so lang um den brei, bis er kalt wird; der brei wird nicht so heisz gegessen als er aufgetragen ist; man soll den brei nicht weiter treten, als er von selbst flieszt; niemand kann zwei breie in einer pfanne kochen; wo viel köche sind, wird der brei versalzen; vier über éinen brei, mhd. vier über ein brîn. Ls. 1, 446; wenns brei regnet, hab ich keinen löffel;
dasz glück ihm günstig sei,
was hilfts dem Stöffel?
denn regnets brei,
fehlt ihm der löffel.
Göthe 2, 261.
den brei verschütten heiszt eine sache auf einmal verderben:
nun hört, wie sie den brei verschütt.
Scheit grob. H 3ᵃ;
unangesehn, das ir den brei
zu hof gekocht, verkleckt dabei.
Ringwald tr. Eck. H 1ᵇ;
erst hat er den brei gar verschütt. Kirchhof wendunm. 409ᵃ; dastehn als ein koch, der den brei verdorben. Felsenb. 2, 471; du hast brei im maul, redest undeutlich: sie mummeln, als hetten sie heiszen brei im maule. Luther 5, 296ᵇ; wer sophistisch redet und brei im maul behelt. Luthers tischr. 265ᵃ;
wie wir uns selb in brei versenken.
Brant 171ᵃ;
unser narr stecket vol phantasei
und platzt oft ungschwungen in brei.
H. Sachs V, 363ᵈ;
ei schweig, dasz dir der brei verbrenn!
Ayrer fastn. 131ᵃ;
meinent die weisosten sein,
doch hangt in an dem mund der prein.
Haupt 9, 104;
dasz dir der erste brei den hunger eingestrichen,
der sich nach weisheit sehnt.
Günther 380;
damit sie dem dollen bofel hofieren und dem rappen den brei einstreichen. Frank weltb. 38ᵃ; einem den brei ins maul schmieren; lang umb den bri gon, circuitione uti. Maaler 78ᵈ; gat umb den bri. Brant 55, 32; doch ohne länger um den brei herum zu gehen, zu unserm doppelpaare. Wieland 21, 207; warum gehe ich so um den brei herum? Thümmel 4, 435; die jacobiner sind um mich herum geschlichen, wie die katze um den heiszen brei. Göthe 14, 266; lasz bruder, ich weisz schon, wer den dummen brei angerührt hat. Fr. Müller 2, 98; ein unleidlich ding ist, heiszen brei auf einen kahlen kopf. s. apfelbrei, brotbrei, erbsenbrei, grieszbrei, haberbrei, hirsebrei, kartoffelbrei, kinderbrei, kürbiszbrei, mandelbrei, mehlbrei, milchbrei.
Zitationshilfe
„brei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/brei>, abgerufen am 17.11.2019.

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