Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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bersten

bersten,
crepare, findi, rumpi, praet. barst (schlechter borst), part. geborsten, eine nd. form, die erst seit dem 16 jh. ins hd. vordringt, ahd. galt nur brestan, prestan, prast, giprostan (Graff 3, 271) und mhd. bresten brast gebrosten (Ben. 1, 256), selbst alts. brestan, altn. bresta, schw. brista, dän. bröste; ags. aber berstan, engl. burst, nnl. bersten. Dasypodius und Maaler haben noch kein bersten, dagegen gebresten deficere, gebreste defectus; bei Henisch 294 und Stieler 167 ist bersten eingetragen. Die umstellung in bersten verdunkelt den ursprung des worts, denn sichtbar schlieszt sich bresten sowol an brechen frangere (vgl. oben sp. 1451), als an altn. briota, schw. bryta, dän. bryde rumpere, wofür auch ein ahd. prioʒan aus proʒ gemma erumpens gefolgert werden darf; das ST in bresten verhält sich wie im lat. frustra und frustum, die abstraction fraus fraudis, fallacia (abbruch) gleicht buchstäblich dem altn. braut via fracta, strata, vgl. auch brust, pectus, die schwellende, vorbrechende, was sich wieder umstellt in nd. borst. von dem merkwürdigen verhalt zwischen goth. brikan und einem mutmaszlichen briutan = altn. briota soll anderswo näher gehandelt werden. Redensarten.
1)
bersten vor gift, zorn, ärger, bosheit, geheimnis, schreien, lachen: wiltu fur bosheit bersten? Hiob 18, 4; hastu etwas gehöret, so lasz es mit dir sterben, so hastu ein ruhig gewissen. denn du wirst ja nicht darvon bersten. Sir. 19, 10; da nam Daniel pech, fettes und haar und kochet es untereinander und machte küchlein daraus und warfs dem drachen ins maul und der drach barst davon mitten enzwei. vom Bel 26; dieser hat erworben den acker umb ungerechten lohn und sich erhenket und ist mitten enzwei geborsten. apost. gesch. 1, 18; das er leichtlich darvon möcht börsten. bienenk. 232; also das sie zuletzt darfür wol möchten börsten. 244ᵃ; der schwenke vor lachen bersten. unw. doct. 706; ich gedachte vor bosheit zu börsten. Plesse 1, 81; noch möcht ich vor zorne bersten, wenn ich daran gedenke. Klopstock 12, 379; ich hätte über sein kaltsinniges compliment bersten mögen. Lessing 1, 263;
schrei, bis du berstest, schurke!
Schiller 536ᵃ;
da er entweder bersten oder reden muste. Wieland 19, 323; ich müste sonst an meiner zweifelei bersten. Gökingk 2, 121; ich will ihnen zu lachen geben, dasz sie bersten sollen. Klingers th. 2, 239; aber hier barst Worble in ein lachen auseinander, das er so lange zusammengehalten. J. Paul komet 3, 55.
2)
und solt dem geist der bauch bersten. Luther 3, 466ᵇ; ach das herze im leibe wil mir vor angst und schmerzen bersten. Heinr. Jul. von Br. Sus. 3, 4; ein strom von thränen, in welchen sein berstendes herz ausbrach. Klopstock 1, 304; sie krümmte sich in thränen berstend zu meinen füszen. 2, 65; auch öfnete sie mir ihr herz nicht, bis es von selbst borst. Leisewitz Jul. von Tar. 2, 5; des staunens berstende thräne. Schubart ged. 1, 14;
des schmerzes höllenqual durchdringt
der wolken schosz mit berstendem geheule.
Schiller 31;
am lautesten Armins berstender seufzer. Göthe 16, 172; sein herz wollte bersten. 16, 176.
3)
der geruch eines berstenden aases. Schiller 111ᵇ. man sagt die füsze, hände bersten, brechen auf; die lippen sind ihm geborsten, aufgebrochen; die brüste bersten.
4)
nicht anders als börste die erde. Schiller 873; in (von der sommerhitze) geborstnen feldern. Lessing 1, 126;
berstend reiszt
der boden unter meinen füszen auf.
Göthe 9, 245;
mit dem düstern gesträuch, das sich aus geborstener wand hervordrängt. Bettine br. 1, 275; eine geborstene mauer, glocke; das eis, die decke des eises barst.
auf seen und strömen das grundeis borst.
Bürger.
5)
die kraft des windes und der berstenden wolken. Felsenb. 1, 62;
ihr wolken berstet, gieszt herunter ströme!
Schiller 539ᵇ.
6)
eine noch nicht geborstene rose. ped. schulf. 116;
baum, der borst.
Brockes 7, 500;
durch der eichenwälder bogen
bist du brausend hingezogen,
bis der letzte wipfel barst.
Rückert 46.
man vgl. brechen, platzen, reiszen, springen, deren jedes in bestimmten fällen gilt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1853), Bd. I (1854), Sp. 1527, Z. 46.

breste, m.

breste, m.
dasselbe, gen. bresten, mhd. brëste (Ben. 1, 256ᵇ):
der bresten vil entdecken in aller geistlichkeit.
Uhland 912;
die hant ein kunst, die ist so guͦt,
das sie all presten heilen duͦt.
Brant 55, 12;
sie sollent keinen bresten oder mangel haben. Aimon B 1; pillulen, die wären für allen bresten gut. Frey garteng. cap. 23; disen bresten zu heilen brauch folgende mittel. Seuter 275; thet sich groszer kunst, wie er allerhand bresten heilen könte aus. Kirchhof wendunm. 117ᵇ; aus der physonomei all tugent und bresten abnemen. kluge, weise reden 68ᵇ; auch ist das nit ganz, das so vil nachteils, prestens und jamers in sich hat. Petr. 1ᵇ; es sei eine schlechte kunst bei ärzten, gott und der natur den bresten befehlen. Zinkgr. 2, 12, 8; sollt aber der gnädige got den lieben friden ertheilen, so möchte man den bresten erst recht sehen und empfinden. Romplers gebüsch vorr. 4; die gall wirt gelobt zu den bresten der ohren. Forer fischb. 168ᵃ; sein schmalz heilt die bresten des rachens. 59ᵃ. in der Schweiz ist bresten, brästen leibesgebrechen, seuche, viehseuche, pest. Stald. 1, 217. 218. s. gebreste.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 372, Z. 80.

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brenkel bräuer
Zitationshilfe
„breste“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/breste>.

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