Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

brille, f.

brille, f.
beryllus, wie die alte sprache auch christall weiblich verwandte:
in der christall und der parill
kan ich auch sehen vil gesicht.
H. Sachs I, 532ᵇ.
gewöhnlich hat es aber die bedeutung vitrum oculare: setzent die brillen uf! Keisersb. bilg. 36ᵇ; ja lieber, setze brillen auf und kere es umb, ist eben das widerspiel. Luther 3, 264; darnach nu sie solch gemalte brillen für den augen haben. 3, 286ᵇ; wenn wir gleich alle brill, die in der welt sind, aufsetzten. 1, 343ᵇ; wenn ich aber Pirkheimer were, wolt ich Ecolampad eine brill schicken. 3, 354ᵇ; lasz sie brill aufsetzen. 3, 366ᵇ; lieber herr, setzet die brillen auf die nasen und sehet den text recht an. 4, 501; setze die brillen auf die nasen. 4, 505ᵇ. 8, 277ᵃ; on brill und latern. 5, 164ᵇ;
kurze lehr und warnung finstu hie,
allein setz brillen auf und sih.
sch. und ernst cap. 20;
ich hab hie bei mir meine brilln,
dardurch ich besser sehen kan.
Gilhusius 84;
durch dfinger sehen one brill. Kirchhof wendunm. 43ᵇ; er steckt die brillen auf, streckt den hals für sich. Ayrer fastn. 4ᵈ;
wer beider unterschrift wil redlich überlegen,
wird sonder brille sehn, wer nach dem ersten degen
in heiszem vorsatz grif.
Gryphius 1, 332;
was wir sehen in der welt, sehen alles wir durch brillen.
Logau 3, 10, 86;
und nahm das mädchen durch die brille
nochmals in augenschein.
Lessing 1, 122;
warum gleich aus dem häuschen,
wenn einer dir mit brillen spricht?
Göthe 3, 161;
ich rede kein vernünftig wort
mit einem durch die brille.
13, 162;
die alte hausmutter, mit schlüsseln an der seite, brillen auf der nase. 18, 42; er macht die brille der vernunft zu einem modischen augenglas. J. P. grönl. proc. 111; ich gebrauche schon zehn jahre eine brille; ich sehe besser und kann die brille wieder ablegen; du siehst durch eine fremde brille; er bedarf keiner brille, der wol durch die finger sieht; einem brillen aufsetzen, brillen verkaufen, ihn betriegen; das sind brillen, das ist betrug; prillen reiszen. ein maul machen. ein wechsin nase träen. Frank spr. 2, 91ᵃ; schalksnarren und singer, welche unzüchtige lieder singen, prillen reiszen, grobe zotten und possen treiben. Albertini narrenhatz 12, s. brillenreiszer. Man sagt, die brille eines heimlichen gemachs von der runden öfnung in dessen sitz; die brille im festungsbau, franz. lunettes; die brille, ein leder mit stacheln, das man lämmern auf die nase setzt, die entwöhnt werden sollen; die brille, eine deichsel zu zwei ochsen: zbrill fahren, mit zwei ochsen nebeneinander gespannt fahren. Stalder 1, 226.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 382, Z. 70.

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brenkel bräuer
Zitationshilfe
„brille“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/brille>.

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