Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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brocken

brocken,
ahd. procchôn. Graff 3, 269. mhd. brocken. Ben. 1, 245ᵃ.
1)
sipare, pullis panem sipare. Diefenbach wb. von 1470. 250. mhd.
daʒ brôt ist mir gebrocket
gelîche als einem huon.
Engelh. 2210;
spise oder korn, die man zum essen brocket. Luther 3, 499; wer in die milch zu brocken hat, geht vor. Henisch 515; brock sie (die holderblut) in siedige gute milch. küchenmeisterei b 1;
und kan den kinden zu schule locken
und simelkuchen in milroum brocken.
nambuch 108;
hier läszt der ritter, da ihn die sonne zu drücken begann,
sich brot in frische milch von einer hirtin brocken.
Wielands Oberon 2, 8;
den landmann hielt die freiheit warm und trocken
und gab ihm stets genug in seinen napf zu brocken.
Bürger 108ᵃ;
doch sei er so genau, dasz wenn er einen andern haben könne, der ihm vier gulden gäbe, er indessen zu hause vor einen pfenning brot in bier brockte und das essen darbte. Weise erzn. 115; hatte weder zu beiszen noch zu brocken. Luthers tischr. 208ᵇ; ich weisz es gewis, Lenette hätte ihren Siebenkäs in der ehe so lieb gewonnen, wie eine braut, hätte er etwas zu brocken und zu beiszen gehabt. J. P. Siebenk. 3, 27; wir haben noch zu beiszen und zu brocken, aber wir wünschen in die zahnlücken goldne zähne hinein. dämm. 133, vgl. die von dieser redensart schon 1, 1400 gegebnen belege. was soll man brot zu brot brocken? Garg. 45ᵇ. vgl. brot bei brot behalten, erwerben.
2)
brocken, auswerfen, promere: es muͦsz doch heraus, wie gwaltig Melibia in dem herzen meines herren sei, der mund muͦsz es brockend auswerfen. Wirsung Cal. C 1ᵇ. schweiz. brocken, grobe worte brauchen. s. abbrocken, einbrocken, verbrocken, zerbrocken, zubrocken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 394, Z. 59.

brocken, m.

brocken, m.
der gipfel des Harzgebirges, nach welchem am ersten mai die hexen wallfahrten, Göthe setzt ihn in die gegend von Schirke und Elend:
die hexen zu dem Brocken ziehn,
die stoppel ist gelb, die saat ist grün.
12, 207;
zum Brocken wandeln wir in der Walpurgisnacht.
12, 211;
daneben braucht er Blocksberg (sp. 138):
wenn ich euch auf dem Blocksberg finde,
das find ich gut, denn da gehört ihr hin.
12, 220;
der Blocksberg, wie der deutsche Parnass,
hat gar einen breiten gipfel.
2, 227.
Zuerst taucht der name auf in einer geistlichen abhandlung aus der mitte des 15 jh., die sich in Breslauer, Weimarer und Amorbacher hss. erhalten hat und in Hoffmanns schles. monatsschr. s. 753, in Kellers fastn. sp. s. 1463 und in Wolfs myth. zeitschr. 1, 6 ausgezogen ist, es heiszt da: alse pelewisen, mülkenstelerinnen und die uf den Brockisberg varen; die do sagen, das sie mit der Berchta und bilbissen oder truten varn auf den Pruckelperg; das sie mit der Perchten oder pilbiszen oder trutten faren auf den Brückelsperg. auch eine nd. urkunde von 1581 in Dittmers Sassen und Holstenrecht. Lüb. 1843 s. 159 liefert Brockensbarg. Heute ist für diesen unholdenberg in Niederdeutschland die benennung Blocksberg weit gangbarer, und man nennt viele solcher hügel und berge in Mecklenburg und Holstein Blocksberge (niemals blosz Blocken wie Brocken) vgl. Lisch jb. 3ᵇ, 189. 6ᵇ, 74. 75. Müllenhoffs sagen s. 564. für den harzischen berg scheint Brocksberg, Brockelsberg, Brockersberg genauer, wie auch dort ein Bruchberg als vorberg des Brockens vorkommt (Pröhles harzsagen s. 124). ob man auf ein hd. Brochen schlieszen und den namen aus den brüchen oder absätzen der felsen deuten darf? es wäre die gebrochene, gebröckelte steinmasse, gleichsam ein brocke des gebirgs, wofür die form Brocke (sp. 322) zu reden schiene; auch in Blocksberg läge felsblock. am Oberharz soll aber brucken ein dumpfes knattern ausdrücken, 'der meiler bruckt' sagen die köhler, dann würde der brockende, bruckende berg vielleicht gar einen donnernden meinen? doch begegnet brocken für donnern nicht. vgl. der Brocken braut (oben sp. 322).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 395, Z. 11.

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brenkel bräuer
Zitationshilfe
„brocken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/brocken>.

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