Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

brunn, m.

brunn, m.
fons, puteus, diese tadelhafte starke form, statt der organischen schwachen, ist im 16 jh. fast allgemein eingerissen, dauert auch noch im 17, bis sie im 18 durch den umgekehrten fehler, wonach man das oblique brunnen zum nom. sg. erhob, verdrängt wurde. Dasyp. 309ᵈ schreibt brun, brunn, Maaler 80ᵃ, Henisch 533, Stieler 252, Frisch 146ᶜ alle geben brunn, wie es freilich dem umgestellten born und nnl. bron zu entsprechen scheint. Keisersberg, Luther und andere zeitgenossen flectieren auch stark, gen. brunnes, pl. brünne: da aufbrachen alle brünne der groszen tiefen. 1 Mos. 7, 11; und die brünne der tiefen wurden verstopfet. 8, 2; aber der engel des herrn fand sie bei einem wasserbrun in der wüsten, nemlich bei dem brun am wege zu Sur. 16, 7; zum zeugnis das ich diesen brun gegraben habe. 21, 30; sihe da war ein brun auf dem felde, denn von dem brunne pflegten sie die herde zu trenken und lag ein groszer stein fur dem loch des bruns. 29, 2; das ist der brun, den die fürsten gegraben haben. 4 Mos. 21, 18; der brun Jacob. 5 Mos. 33, 28; und sol iederman seines brunnes trinken. 2 kön. 18, 31; ein betrübt brun und verderbete quell. spr. Sal. 25, 26; des gerechten mund ist ein lebendiger brun. 10, 11; klugheit ist ein lebendiger brun. 16, 22; der brun aber, darein Ismael die todten leichnam warf. Jer. 41, 9; es war aber daselbs Jacobs brun. da nun Jesus müde war von der reise, satzte er sich also auf den brun. Joh. 4, 6; der brun ist tief. 6, 11; bistu mer denn unser vater Jacob, der uns den brun gegeben hat? 6, 12. diese stellen sind freilich in den späteren bibelausgaben manigfach abgeändert worden. hier noch andere belege: von dannen nit vil weiter dann ein meil ist ein wunderbarlicher brun lebendiger wasser, welches brunnes wasser flieszen mit ungestümme von dem berg Lybano und ist der brunn villeicht eines steinwurfs weit von der strasz, die gen Tyrum füret. Frank weltb. 164ᵇ; Christus ist der brunn des glücks und ewigen heils. Reiszner Jer. 1, 85ᵃ; auch H. Sachs sagt im nom. der prunn, der jungbrunn. Olearius im pers. rosenth. setzt nie anders als brunn, im nom. und acc.;
das pascha, brunn und quell der lust voll nach genügen.
Opitz 3, 244;
frauenwasser aus dem brunn, einem manne nur bekant.
Logau 2, 10, 1;
durch den grimmen brunn der adern dringen.
Gryphius 1, 20;
es ward von ihm ein brunn hier nahe bei gefunden.
Werders Ar. 6, 24;
auch schriftstellern des 18 jh. klebt dieses brunn noch an:
entsprieszt ein reicher brunn mit siedendem gebräuse.
Haller;
der brunn ist tief. Claudius 8, 131; der Teplitzer brunn. Kant 9, 40;
der brunn der ist so schattenkühl.
Göthe 13, 84;
es kömmt vom brunn oder ausm wald.
das.;
dann ist ein brunn, der Krekelborn heiszt.
40, 84.
umgekehrt konnte selbst im 16 jh. die organische schwache flexion nicht ganz aussterben und bricht namentlich bei Luther in der ausg. von 1545 durch: wonete bei einem brunnen. 2 Mos. 2, 15; von dannen zogen sie zum brunnen. 4 Mos. 21, 16 und öfter; geen sie wie ein herd vich über ein brunnen. Frank weltb. 14ᵃ; um so viel mehr herscht sie im 18 jh., seit sie auch den nom. eingenommen hatte. Maaler geht von dem nom. brunn in den gen. brunnens über, wie er heute gebildet wird, und überall erscheint, nachdem man einmal den faden der regel verloren hatte, ein schwanken der formen. neben jenem starken pl. brünne bildet Luther sogar einen schwachen umlautenden pl. brünnen. 5 Mos. 6, 11. 8, 7. 2 chron. 26, 10, der noch spätere nachahmer findet:
dort ein durchflosznes feld mit vielen süszen brünnen.
Fleming 661;
die aue hier durnäszt mit so viel kalter brünnen (gen. pl.).
656.
s. brunne.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 431, Z. 74.

brunnen

brunnen,
1)
aquae potum praebere jumentis, adaquare pecus, musz wol auch hd. gelten, das nd. bornen in diesem sinn ist gewöhnlich. Kilian hat ein nnl. bornen für tränken.
2)
leder in kalkwasser weichen.
3)
schweiz. brünnen, bronna, gläser spülen, schwenken, im wasser reinigen, vgl. einen abbrünnen, mit wasser über und über begieszen. Stalder 2, 503. ein mhd. intransitivum brunnen hervorquellen bei Ben. 1, 270ᵃ ist zu streichen und lobequellen, fontes laudis zu lesen.
4)
mingere: alles geflügel mangelt der plasen, wann si prunnent oder machent iren harn nicht. Conr. von Megenb. 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 435, Z. 20.

brünnen

brünnen,
fuscari, bräunen, braun werden: lasz es sieden, bis dasz es brünnien beginne. von guter speise 49.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 435, Z. 31.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
brenkel bräuer
Zitationshilfe
„brunn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/brunn>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)