Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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brunze, f.

brunze, f.
dasselbe: ich wolt der huͦrn in die har gefallen (sein) und den man, wann er hinaus zu ihr hett wöllen gehn, mit brunzen begossen haben. Alberus ehbüchlein C 3ᵇ; ein art thierlein wie omeisen, so in der brunz wachsen. Privatus 350; er solte die augen mit der brunzen eins weibs waschen ... hie möchte ich nun wol wissen, was grosze kraft in eines weibes brunze sein möchte, dasz er sein gesichte davon bekommen solte? 398. vgl. Herod. 2, 111.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 441, Z. 28.

brunzen

brunzen,
mingere, würde ahd. prunnazan, prunazan lauten, erscheint aber nicht verzeichnet. it. far l'acqua, franz. lâcher l'eau, engl. make water, böhm. wodu pustiti, na wodu gjti = brunzen gehn; vgl. bächeln 1, 1062. mhd.
die lêr ich kolen waschen,
die brunzen in die aschen.
a. w. 2, 56;
ein witwîp brunzet hovelich
durch einer nâdlun œre.
Ls. 2, 388.
nhd. da aber ieder heim gieng und Esopus Xanto nachfolget, füget sich, das Xantus gieng und brunzet. Steinhöwel (1555) 6ᵇ; dann ich muͦsz hinausz brunzen gehn. Frey garteng. cap. 118; wie er aber seinen huͦt also finsterlich aufsetzen wil, so haben in die katzen voll gebrunzt. cap. 77; der luͦgt einsmals, dasz er zwei käntlin uberkam, das ein brunzt er voll, das ander liesz er im voll weins schenken. cap. 22; einer von den zweien ward sehr wol betrunken, were derhalben gern von dem tisch gewesen, ein wässerlin zuͦ machen. sein gefatter sagt, hei, wolt ir darumb aufstehen, nempt hin meinen huͦt, brunzt darein. Wickram rollw. 65ᵇ (115);
wer im in die schueh laszt brunzen
und gstatt, das sein fraw ir profunzen
feil mag iederman heine tragen,
der mag wol han ein guten magen.
Murner narrenb. cap. 59;
ich wolt dich nider werfen vor,
und dir selbst brunzen in ein or.
H. Sachs IV. 3, 45ᵃ;
auch wann dir not zu prunzen ist,
und mitten in der gassen bist,
so ler die blasen aus und steh,
und acht nit wer fur uber geh.
Scheit grob. D 4ᵃ;
in dhosen brunz zuweiln darzuͦ,
dasz es hinab rinn in die schuͦ.
D 4ᵇ;
es ist kein jungfer so verzwunzen,
sie lasz ein furz, wann sie will brunzen;
und wer ihnen die blase schon se verstopft gewesen, dasz sie kein bone hetten prunzen können, noch werden sie in eim schnaps so gesund, wie ein fauler apfel auf faulem stro. bienenk. 114ᵃ; dann dieselben (Hundsruckerinnen) sitzen grattelig, wann sie zu acker fahren, und schadet ihnen nichts am brunzen. Garg. 230ᵇ; ei was zeihest du dich im stinkenden see, darein die fische brunzen (vgl. pisciare mit piscis), zu wohnen. Philand. lugd. 3, 243; du darfst nur das linke bein aufheben, wie ein hund, der an eine ecke brunzt. Simpl. 1, 97; brunze nicht gegen den wind. Simrock nᵒ 1365; von dem trocisci werde geben zuͦ iedem mal 7 gerstenkörner schwer, also lang bisz er pluͦt brunzet. Braunschweig 29; wann einen gaul die feifel anstoszt, so geusz ihm wasser in ein ohr oder brunz ihm darein. Seuter 229; laszt einen gesunden menschen, der lauter wein trinket über zwei handvoll gersten s. v. brunzen, laszt die gersten die ganze nacht in dem harn erweichen. Hohberg 3, 2, 209ᵃ. Adelung sieht wol ein, dasz dieses wort anfangs ein anständiges war, 'allein es sei mit allen seinen ableitungen nunmehr schon lange dem niedrigsten pöbel preisgegeben worden, daher er sich nicht dabei aufhalten wolle'; als wenn es nicht pflicht der sprachforschung wäre, solchen wörtern, die herabgekommen sind nicht weil sie das volk in ihrer natürlichen geltung festhielt, sondern weil die vornehme welt sie durch fremde, nichts sagende verdrängte und zuletzt vergasz, gleichsam die ehre zu retten. würde ein italienischer lexicograph über far l'acqua so unbesonnen geurtheilt haben? diese althergebrachten, grunddeutschen wörter in ihrer vermeinten erniedrigung hat selbst die neue sprache, wenn sie sie auch nicht oft in den mund nimmt, für die kraft und abschattung der rede als nothwendige und durchsichtige aufrecht zu erhalten und die vorausgehenden belege sind dazu aufgesucht worden. wer wollte in Platers treuherziger erzählung für brünzeln irgend einen andern ausdruck setzen?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1854), Bd. II (1860), Sp. 441, Z. 55.

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brenkel bräuer
Zitationshilfe
„brunze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/brunze>.

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