Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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buckel, m.

buckel, m.
curvamen, der sich krümmende oder gekrümmte leibestheil, von biegen abzuleiten, s. bücken, wo das CK für G erklärt wird, verwandt mit bühel, collis. das wort ist aber weder ahd. noch mhd., auch bei Luther und den meisten schriftstellern des 16 jh. nicht zu treffen. Henisch hat es 551, 7, Stieler 108, Maaler 81ᵇ aber ein n. bügkele, kleiner hoger.
1)
dorsum, cervix, meistens in fällen, wo dem rücken übel mitgespielt wird: auf den buckel laden, auf sich laden, unterfangen. Henisch 551, 7; wenn sie der lenz auf den buckel stichet. Frank im kriegsb. des fr. 202; so wil ich dir da buckel arauma. Simpl. 1, 8; ich besorgte, es möchte, wann es dann mislingte, mir der buckel geraumet werden. 1, 385; es sei dann dasz dir der wirt vor die zahlung, die du thun soltest, entweder deine kleider nehmen oder den buckel abraumen solle. 3, 28; wie sollten mir die halbvolle bauren den buckel abgeraumt haben. 2, 250; als ich ihm aber sagte, die rechnung wäre ganz ungereimt, schlug er mir den buckel hinten und vornen ab (prügelte er mich tüchtig). Jucundiss. 125;
so wünscht mein abschied euch mehr segen und gedeien,
als flüche mir anitzt auf meinen buckel schneien.
Günther 1039;
meine rolle in diesem stück ist immer nur ein buckel voll schläge und ich könnte eben nicht sagen, dasz ich solche jetzt nöthig hätte. Möser 9, 116; wofür ich zum dank den teufel auf den buckel kriege. Wieland bei Merck 1, 195; wenn die bursche schwimmen und ich seh einen nackten buckel schwimmen, gleich fallen sie mir zu dutzenden ein, die ich habe mit ruthen streichen sehen. Göthe 8, 208; juckt euch der buckel wieder? 8, 242; ein paar meiner guten freunde, die anderwärts schon wären gehangen worden, hat er mit einem buckel voll schläge verabschiedet. 8, 246; sie konnte ihren herrn vater nicht eher ausstehn, bis er den baron auf dem buckel hatte (sich hatte zum baron machen lassen). Klinger 1, 168; wartet nur, ihr kerls, bis mir eure schuh recht sind, so will ich euch auch die buckel salben. der a. m. im Tockenb. 32; man sollte dir den buckel mit buchigem holz salben, bis kein ganzer fetzen mehr dran ist und dann mit salz und pfeffer einreiben, bis du keinen brüll mehr auslassen könntest, du generalslöhl, was du bist. Gotth. der schuldenb. 176. in andern fällen aber läszt sich rücke nicht durch buckel vertreten, z. b. wenn es heiszt: ich lehnte mich mit dem rücken an die eiche, ich fühle schmerz im rücken, ich sah ihn mit dem rücken an u. s. w. man sagt aber: es ist auf dem rücken wie auf dem buckel, hier wie dort, kein unterschied, eins so schlecht als das andere.
2)
gibbus, auswuchs des rückens, wofür die ahd. sprache hovar, die heutige sonst höcker verwendet: er hat einen buckel; der buckel entstellt seine sonst günstige bildung; der buckel eines kamels; einem bucklichten, den man von seinem buckel heilen wollte, müste man das leben nehmen. Lessing 7, 64;
der athem stank ihr sehr, ein bückel auf dem rücken.
Werders Ar. 7, 70.
sich einen buckel lachen, sich krumm, scheckig, kurz und klein lachen, vgl. mythol. 470. s. bucklicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 484, Z. 53.

buckel, f.

buckel, f.
artemisia vulgaris, was bucke m. ahd. buggila bei Hattemer 1, 314ᵃ.ᵇ und Mone anz. 8, 400; bugel 6, 220; buggul. vocab. opt. 51ᵃ; buckel, scopa regia. voc. 1482 e 4ᵃ; puckel, matricaria, mater herbarum. aa 1ᵇ. mater herbarum will sagen das beste unter den kräutern, vgl. gramm. 4, 723.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 485, Z. 30.

buckel, f.

buckel, f.
umbo clypei, mlat. buccula, franz. boucle, prov. bloca, mhd. buckel (Ben. 1, 275), im Ssp. 1, 63, 4 bokele; puckele, ancile, pelta. voc. 1482 z 8ᵇ; buckel, umbilicus, lamella, bulla in libris, glans in arcu. Stieler 108; ein buch mit buckeln beschlagen, ein pferdzeug mit buckeln; derselbe wohnet in jenem hause, da die thür mit den groszen puckeln. Gryphius 1, 861;
und warf auf die erde den zepter,
hell mit goldenen buckeln geschmückt.
Voss Il. 1, 246;
sprachs und hängt um die schulter das schwert voll silberner buckeln.
Od. 8, 416;
also sprach er. da warf ich das eherne schwert um die schultern,
hell von silbernen buckeln und grosz.
10, 262;
doch sie setzte mich führend zum thron mit silbernen buckeln.
10, 314.
wenn das romanische wort auf bucca, backe zurückgeht (Diez 575), so ist es unserm biegen, krümmen fremd und dann könnte auch das nhd. buckel tuber, dorsum daher stammen, erst nach dem im 13 jh. entlehnten ausdruck später gebildet worden sein. da jedoch beim it. bozza, franz. bosse, die gleichfalls tuberculum ausdrücken, an unser bôʒen stoszen zu denken ist, bliebe möglich, dasz auch boucle jener deutschen wurzel zufiele, der wir bochen und bauke überweisen müssen, vorhin noch bucke artemisia überwiesen. auf solchem weg würden sich buckel artemisia und buckel umbo einigen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 485, Z. 35.

buckel, f.

buckel, f.
tuberculum, beule, geschwulst läszt sich zwar dem vorausgehenden vergleichen, erinnert aber auch an pocke, blatter: da es denn zwischen haut und fleisch grosze und kleine puckeln oder hügel aufwirft. Ettners unw. doct. 137.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 485, Z. 61.

buckeln

buckeln,
1)
trans. dorso portare, auf den buckel nehmen, schwer auf dem rücken tragen: doch sprichst du, dasz die alten störche von den jungen dahin gepuckelt werden. Praetorius storchs winterq. 267; sich buckeln, sich abquälen mit tragen auf dem rücken.
2)
intr. buckelich sein, curvari: ahd. pucchelôn: luna puchelôt in hornes wîs, krümmt sich wie ein horn (Graff 3, 42); buckelende und stelzfüszige jungfrauen. Rompler gebüsch 6; ein gebuckelter stier. Göthe 44, 204; der künstler hat erreicht, was Diderot fodert, dasz der buckligte in allen theilen seines körpers buckeln soll. Knebel in Böttigers lit. zust. 2, 222.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 486, Z. 13.

buckelt

buckelt
für buckelicht: buckelt machen den geraden leib. buch der liebe 117ᵇ; vor alter gleichsam hinfällig, ausgemärgelt, lahm und buckelt. Simpl. 1, 576; ein altes, magers buckelts männel. 2, 357. s. bucklet und bühelt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 486, Z. 28.

bucklet

bucklet,
was buckelt:
ei lieber steh doch nit so bucklet.
H. Sachs V, 242ᵈ;
ich bin krumme worden, ich bin bucklet über die masze. Melissus ps. Q 7ᵃ; ein solcher alter buckleter greis. Spangenb. lustg. 721. vgl.gebucklete schröter. Garg. 33ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 488, Z. 62.

gebuckelt

gebuckelt,
buckelig, mit einem buckel oder einen buckel machend (vergl. buckeln), schon mhd. bei Megenberg 235, 21. nhd.: ein alter blinder Isaac und Tobias, eine krumme gebuckelte Sara. Creidius 2, 359; gepuckelet daher kriechen. Fischart Garg. C ijᵃ (3, 89 Kz.); die bletter seind rund .. und oben her gebuckelt. Tabernaem. 137, mit kleinen buckeln versehen; ein gebuckelter stier im hintergrunde. Göthe 44, 204. in Luxemburg gebockeleg, z. b. eng gebockeleg nois, höckerige nase Gangler 166 (vgl. unter geblümelt).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1881, Z. 21.

gebückelt

gebückelt,
getüpfelt, wie es scheint: der apfel inwendig ist auch geel, mit kleinen schwarzen düpflein oder pünctlein gepückelt. Tabernaemontanus 327.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1881, Z. 30.

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Zitationshilfe
„buckeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/buckeln>.

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