Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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buhlen

buhlen,
amare, venere uti, minnen, freien, begegnet noch nicht in rein mhd. quellen, wäre gleichwol möglich, die frühsten stellen aus dem Dresdner roseng. und aus den fastn. spielen sollen hernach beigebracht werden. voc. 1482 aa 2ᵃ hat pulen freien, Dasypodius 311ᵃ buͦlen liebhaben, amare, habere rem cum aliqua; nnl. boelen steht gleich dem schw. bola, dän. bole nur für unerlaubter liebe pflegen. ganz unverwandt ist den buchstaben nach das dän. beile, freien, um liebe werben, welches aus altn. biđla (wie seile aus sigla) entspringt und in der bedeutung sich berührt, aber erlaubtes werben meint. formell hätte buolen aus buobilen eine ähnliche wandlung erfahren.
1)
intransitiv, ohne casus,
a)
auf beide geschlechter zusammen bezogen: kom, lasz uns gnug bulen (vulg. inebriemur uberibus, was Luther vorher gab: lasz uns der brüste satt werden) bis an den morgen und lasz uns der liebe pflegen. denn der mann ist nicht daheime, er ist einen fernen weg gezogen. spr. Sal. 7, 18.
b)
auf männer: so ein junger gesell buͦlet in diser statt zur ee oder sunst. Frank weltb. 205ᵇ;
der welcher buhlet hat vil plag,
und der nicht buhlet het all tag
auch müh gnug sein herz zu verdrieszen.
Weckherlin 395;
es sei auch was es sei. die sing- und seitenschulen
die lernen uns bevor das wol vergunte buhlen,
und wie man sittsam wird.
Fleming 58 (59);
was bei schwärmen, trunk und buhlen
freier geister handwerk ist.
Günther 194;
wer sonst bult, der bult mit reden, schreiben, winken, tanzen, pfeifen,
bauren bulen gar vil näher, bulen balde nur mit greifen.
Logau 3, 4, 68;
vgl. die 1, 1754 angezogne stelle.
c)
auf frauen:
ein frawe die da bult aus dem haus.
Keller alte schwänke s. 26;
die tochter buhlt. o straft sie nicht,
das gute kind will allen,
wie ihres vaters reim, gefallen.
Lessing 1, 20.
d)
auf thiere:
sticht selbst ein ferklin ab, würgt einen feisten han,
der unwerth (untüchtig) ist gemacht und nicht mehr buhlen kan.
Opitz 1, 157 (162);
wo sie auf der nechsten weide
zwene spatzen buhlen sehn.
Hagedorn 2, 153;
wie buhlen dort die turteltauben.
3, 35.
e)
buhlen wird gern gesagt von luft und fächelndem winde: flattert vielleicht in jenem buhlenden zephyr ein atom Anakreons? Schiller 700ᵇ. vgl. 3, b, buhler 2 und auch buhlerisch, freierisch.
2)
mit dem dat. der person, hofieren, den hof machen: das mochte sie vielleicht umb ires adels willen thun, oder sich vielleicht irer schöne übernam und daucht, er ir zu bulen nit wirdig were. Bocc. 1, 295ᵃ; nachdem aber etliche herren dem fräulein buhleten. Schweinichen 2, 33; da ich doch meinem itzigen weibe bis ins fünfte jahr buhlete. 2, 138;
auf deutsch ist welt ein weib, lateinisch ist sie mann,
drumb siht man, wie jetzt mann, jetzt weib ihr buhlen kan.
Logau 1, 6, 26;
buhler sind gemeinlich blinden, wer ihm selbst buhlt, der ist blinder,
dann der buhler buhlt dem buhler, buhlt und wird gebuhlt nicht minder.
2, 2, 36;
die sternen buhln der nacht, ziehn ihr ihr goldstück an.
Lohenst. Arm. 1, 1129;
ihrer vil schelten den Macchiavellum offentlich, lieben und buhlen ihm dennoch ingeheim. Butschky Patm. 424.
3)
buhlen, und die praep. um, werben, sich mühen.
a)
bezogen auf männer:
ich puolt umb eine eins wol zwir.
fastn. 340, 24;
do puolt ich umb unser mülnerin.
345, 25;
einer der eim umb sein eeweib pult.
711, 7;
auch was zierlich gmalt an der wand,
wie Vertumnus der jüngling zart
umb die Pomona buͦlen ward.
Wickram bilg. 76;
und ich gieng fur dir uber, und sahe dich an, und sihe es war die zeit, umb dich zu bulen, da breitet ich meinen gern uber dich. Ez. 16, 8; gehe noch eins hin und bule umb das bulerisch und ehebrecherisch weib. Hos. 3, 1; nun Ricardus umb dieselbige schöne frawe bulet. Bocc. 1, 161ᵃ; ein wittfrau sagt von zwein, die umb sie buleten. Lehmann 164; um dieselbe (fräulein) bulete ein teutscher fürst aus der nachbarschaft. Micrälius 2, 160;
Nisus buhlte stark um Nisam, dieses gab ihr viel beschwerden,
wolt ihn nicht, sie freit ihn aber? seiner also los zu werden.
Logau 3, zug. 59;
wärest du nie doch geboren, das wünscht ich dir, oder gestorben,
eh du um weiber gebuhlt.
Voss Il. 3, 41.
b)
auch diese construction gilt von winden und schmetterlingen:
(das kind, es) haschte schmetterlinge,
die um die rosen buhlten.
E. von Kleist 1, 38;
der zephyrn gleich um alle blumen scherzet,
um alle buhlt, doch nur die schönsten herzet.
Wieland.
dann wird sie auf andere werbungen erstreckt: do zmal was ouch der cardinal (von Sitten in) Zürich, der bulet umb Züricher, sie sölten mit im zum bapst zien. Plater 31
wir buhlten nicht um schätze, nein um ehre.
Gotter 1, 279;
wie lange schon buhlt ich nicht um das glück
vor euch zu stehn!
1, 268;
da wir buhlten um die ehre des gesanges. Göthe 16, 167; daher sind die künstler übler daran, die persönlich um den beifall des moments buhlen. 44, 267; um die gunst des volks buhlen, auram popularem captare;
kann wol was ungereimter sein, als zwei
unsinnige, die um dasselbe buhlen!
Schiller 241ᵇ;
o jetzt, jetzt lern ich sie verstehn, sie haben
nur um bewunderung gebuhlt.
295ᵇ;
doch von ferne dir nach sind stets drei künste geschlichen,
die mit wechselndem glück oft um dein lächeln gebuhlt.
Rückert 276.
4)
buhlen und die praep. mit,
a)
von männern: denn Juda bulet mit eines frembden gottes tochter. Maleachi 2, 11; und schämeten nicht einer dem andern zu offenbaren und ein ieglicher hätte gern mit ir gebulet. Susanna 11; maulchristen, welche einen scheinheiligen wandel äuszerlich führen, aber in heimlichen sünden stecken bis über die ohren und mit dem teufel buhlen. Schuppius 641;
wo bader und balbier mit Meditrinen buhlen.
Günther 382;
der so die tochter will, musz mit der mutter buhlen.
550.
b)
von frauen: aber du (Judaea) sprichst, ich musz mit den frembden bulen und inen nachlaufen. Jer. 2, 25; und (Ahala) bulet mit allen schönen gesellen in Assyria. Ez. 23, 7; die hexe bekennt, mit dem teufel gebuhlt zu haben.
c)
anwendung auf naturerscheinungen: die kalte nachtluft stählte mich, ich buhlte, neckte mich mit den tausend augen der finsternis, die aus jedem busch uns entgegen blitzten. Bettine tageb. 4, 8; mit lufterscheinungen (phantomen) buhlen. Klinger 8, 122.
d)
andere anwendungen:
ein vogel ist es, und an schnelle
buhlt es mit eines adlers flug.
Schiller 74ᵇ;
ein quidam sagt, ich bin von keiner schule,
kein meister lebt, mit dem ich buhle (wetteifre).
Göthe 2, 292.
5)
transitives buhlen mit acc.
a)
von männern gesagt:
mir puolt auch niemant das schön weib,
denn es thu mir einer zu eim neid.
fastn. 633, 26;
die hausfrau pulstu durch gewin,
dich müsziggend zu prengen hin,
die dochter in pöser begir
dich zu erlustigen mit ir,
die meid zu hilf der kuplerei.
1075;
für war er buͦlt ein andres weib.
Uhland 170;
ein kurzer mann hiesz Hänselein,
der thät ein jungfrau bulen.
Hoffm. gesellsch. s. 230;
kein zager buͦlt kein schönes weib.
Scheit grob. E 1;
ein verzagt herz bult kein schön frawen.
H. Sachs IV. 3, 5ᵃ;
prudens dominatur astris,
und kan bulen schöne weib
in urbibus atque castris.
de fide meretr. 103;
wenn einer einem das weib wil buͦlen, so muͦsz er vor den man buͦlen. Keisersb. brösaml. 92; als so du einen lobst in sünden, das einer eim andern sein frauen buͦlet. s. d. m. 31ᵇ; denn bald nach der flucht hat er seines bruders weib gebulet. Melanchthons Daniel deutsch von Jonas 116; Machomet hett allein funfzehen hausfrauen all edel und der concubinen on zal, welche er all einschlieszen liesz, damit sie von niemant anderen gesehen oder gebuͦlt würden. Frank weltb. 122ᵃ; Tristan bulet euwer weib. buch der liebe 87, 2; der frawen man, die der bilger bulet. Bocc. 1, 168ᵇ; fraw Magdalena, wiewol sie lange zeit von dem herzogen gebulet was gewesen. 1, 219ᵃ; der im gute zeit fürgenommen hett, die jungfraw Simona zu bulen und lieb zu haben. 1, 234ᵃ; wie Anastasius ein fraw bulet. 1, 294ᵇ; denn ir wol kund und wissend war, dasz Friederich den falken on masz lieb hett und auch dasz sie Friedrich gebult hett. 1, 300ᵃ; wargenommen hette, dasz sie ein junger bürger bulet. 2, 36ᵇ; derselbig jung sie vor langer zeit gebulet hette. 2, 54ᵇ; mir hat einer gesagt, wie du ein junges schönes mägdlin hie bei nechst bulest. 2, 95; der kaufmann hette ein knecht, der das weib gern gebulet hett. alt. weisen exemp. 89ᵃ;
ward fro, verliesz gar bald die schulen,
begund eins bürgers frawen bulen.
Waldis Es. 4, 27.
b)
von frauen:
do si (Krimhilt) nun was gewachsen,
do pult si einen helt,
der was grosz ungelachsen,
zu dem sie sich geselt.
Dresdn. roseng. 3;
buͦlt er ein weib, buͦl ich ein man.
Uhland 170.
c)
diese fügung mit dem acc. scheint im 17 jh. erloschen, und nur zusammensetzungen würden sie heute noch gestalten, z. b.
ir habt dem mair sein weib ab pult.
fastn. 651, 34
liesze sich ebenso ausdrücken: abgebuhlt. s. hinwegbuhlen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 501, Z. 37.

bulte, m.

bulte, m.
tuber, acervus, congeries, haufe, hügel: er legt seine kleider beisamen in ein bulten (einen haufen). Kirchhof wendunm. 113; scheint sonst nd.: dar ligt it up enen bulten, da liegts auf einem haufen. brem. wb. 1, 160; Voss, die kartoffelernte besingend, sagt:
wo man nur den bulten hebt,
schaut, wie voll es lebt und webt.
5, 28.
nnl. ist bult buckel, hügel und auch jeder haufe ist eine erhöhung. auch im teutonista bulten, tuber.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 514, Z. 23.

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Zitationshilfe
„bulte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/bulte>, abgerufen am 16.01.2022.

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