Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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bühre, f.

bühre f.
stragulum quod culcitis inducitur, bettzieche, bettüberzug, ein nd. wort (brem. wb. 1, 169), das Voss eingeführt hat, die nhd. sprache aber dulden kann, wie sie gebühr und gebühren von derselben wurzel besitzt. ahd. purran, purian ist erigere, mhd. bürn erheben, in die höhe halten (Ben. 1, 153ᵃ), die büre also das aufgezogne, übergezogene linnen:
bleich am warmen stral der sonnen,
leinwand die ich selbst gesponnen ...
bald als laken und als bühren
sollst du mir das brautbett zieren.
id. 6, 66;
feinere laken und bühren, die glatt vor der mangel und schneeweisz
schimmerten.
Luise 3, 855.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 511, Z. 28.

büre

büre,
s. bühre.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 534, Z. 1.

burren, purren

burren, purren,
ein in form und bedeutung schwieriges verbum. man sollte es zunächst dem sp. 534 behandelten büren gleichstellen, da schon im ahd. purran (Graff 3, 164) aus RI sich RR entwickelte, umgedreht auch nhd. büren neben burren erscheint. der sinn von ruere, ferri, excitari, stürmen, toben entspricht dem des lat. furere, sl. bauriti.
1)
furere, fremere, strepere: es burrt schreckbar, der sturmwind heult entsetzlich. Schm. 1, 193, was ganz zu dem sl. bourja (sp. 534), altn. byrr stimmt. vom dumpfen laut der taube: die ringeltaube hat ein langes geheule, die turteltaube burret nur. Tänzers jagdgeh. 3, 91ᵇ; vom rauschen und murmeln des wassers:
ich bin der lebendige bronnen,
pur, pur, pur,
ich habe wasser gewonnen,
im winter und im sommer,
purre, purre, purre.
Gryphius 742,
wo pur, purre heiszen kann ich murmle, oder eine interj. bilden; von mürrischen, brummenden, tobenden menschen: hiemit fare hin, lieber neidhard, und so du viel purrest und schnurrest, so gedenk, es sind etliche, die geben nichts dorumb. Luther 1, 219ᵇ; wenn man ein wenig zu viel lachet und über die schnur feret, so schnurren und purren sie. 4, 128ᵇ; (die werkheiligen) urteilen iederman, schnurren und purren, sobald man inen nicht recht thut. 4, 141ᵇ;
sag aber, warumb gabst dem alten
fluchenden wirt, der nichts denn müren
thet im haus hin und wider büren,
solch kostliche schewren (schale) von gold?
H. Sachs III. 1, 239ᵇ,
wo müren murren, büren brummen ist; nun stumpf, kumpf, rumpf und stumpf, thut die augen auf und die hend zu, speit fornen fewr und scheiszt hinden aus funken, schnurrt, murrt und burrt, wie dort der heiden hauf. Garg. 227ᵃ, mit bezug auf ps. 2, 1 warumb toben die heiden? wie in der folgenden stelle:
was schnurt und burt der heiden schwarme wüst?
Melissus ps. A 3ᵇ;
er puret und schnuret den ganzen tag, dies totos grunniendo consumit. Stieler 1466. Zugleich aber drückt dieses burren oder purren ein mattes fliegen und flattern aus: der käfer burrt ab, burrt weg, burrt dahin; der schmetterling burrt von der blume auf; der taubenzüchter läszt die jungen tauben burren, treibt sie sich im fluge zu versuchen. Pröhles harzsagen 264, was an den ausruf burr erinnert, sich erheben und rauschen scheinen hier natürlich verbunden.
2)
man könnte glauben, wie burren zusammensteht mit schnurren und murren, dasz es schallnachahmende verba seien, in deren reihe noch andere gehören, hurren, pfurren (Stalder 1, 166), pfnurren, surren. der hund knurrt, die katze schnurrt, der käfer surrt und burrt, das spinnrad hurrt und burrt, taube, schmetterling, fliege burren:
nâch manchen ferten snurren
mîn Herz (als jagdhund) alda begunde,
widerzucken, phnurren
ich eʒ mit dem seile faste kunde.
Hadamar 55;
schôn aber schôn, dîn snurren
mag müediu bein wol machen.
89;
man mag eʒ ouch versnurren
ân alleʒ widerbringen,
sein und ze snelleʒ burren
muͦʒ man mit fuͦgen an die mâʒe dingen.
486;
d'röda ham burt
und da haspel had gkracht.
Stelzhamer 137,
die räder haben geburrt und der haspel hat geknarrt;
um an bam buren d'kefa.
113,
um einen baum burren, surren die käfer;
purrt eine flieg ihm an der nase.
Gökingk 3, 163,
brummt, surrt. Jeroschin (bei Pfeiffer s. 208) reimt pur. snur (d. i. burr: schnurr). auf ähnliche weise verhalten sich girren, mirren, schwirren, brummen, hummen, summen u. a. m. doch diese eintreffenden klänge dürfen uns nicht hindern in burren die lebendige wurzel beren, ferre, in brummen die wurzel bremen, fremere zu erkennen. die analogie der laute ist vom sprachgeist zugleich mit der der bedeutungen erreicht worden.
3)
einige zumal niederdeutsche schriftsteller setzen transitives purren im sinn von anregen, antreiben, anbrummen, reizen, den wir vorhin schon bei purlen wahrnahmen und der sich leicht mit büren, heben einigt:
doch besser, dasz die laune mich allein
als gar durch mich auch andre purre.
Gökingk 1, 168;
denn ich,
wenn gleich ein krüppel, lasse mich
von niemand lange purren.
3, 129;
von mücken wird man dann gepurrt (angesurrt)
und wälzet sich im bette.
Voss 4, 42;
jeder wicht, der stört und purrt,
wird abgeschnurrt.
6, 24,
wie es auch heiszt abgepurrt, abgeburrt. das brem. wb. 3, 379 führt an: dat vüer up purren, das feuer aufschüren; purre mi nig, reize mich nicht; lat mi ungepurret, lasz mich ungezerret; umpurren, umrühren. ebenso nnl. porren, antreiben, reizen, mnl. aber porren, ziehen, fahren, reisen, sich aufmachen, sich erheben, schnurren, dahin fahren. Huydecoper op Stoke 2, 399. diese purren, porren scheinen den buchstaben des schweiz. pfurren näher zu liegen, als unserm ahd. purian = nhd. burren, sie müsten denn aus der hd. form entlehnt sein, wie auch in andern fällen, z. b. bei dem worte plündern sp. 169 angenommen wurde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 545, Z. 28.

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Zitationshilfe
„burren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/burren>, abgerufen am 06.12.2021.

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