Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

butter, f.

butter, f.
gr. βούτυρον, lat. butyrum, it. butiro, burro, franz. beurre, prov. boder, also ein fremdes wort, dessen gr. zusammensetzung sich treffend erklärt und wie ἱππάκη und das ahd. chuosmero vom thier entnommen ist; des Hippocrates angabe, dasz βούτυρον scythisch sei, mag auf sich beruhen. Galenus (de medic. simpl. p. 134 ed. basil.) sagt dagegen: ἐκ τοῦ βοείον νομίζω βούτυρον καλεῖσθαι. wäre butter urdeutsch, so stände es lautverschoben. aus buttern, stoszen, rühren läszt es sich nicht leiten, würde dann auch das stoszende, nicht das gestoszene ausdrücken. dazu haben wir andere, eigne wörter, das bis auf heute in unserm südwesten fortlebende anke (1, 378), ferner schmalz und schmer, welches im scandinavischen smör allgemein für butter gilt. des goth. ausdrucks werden wir nicht mehr habhaft. sl. maslo, von mazati ungere, litt. svěstas, lett. śweests von śwaidiht ungere, walach. unt, untel = unguentum; ir. paiteog, welsch ymenyn, armor. amann; eigen das sp. manteca. genau genommen liegt in butter die vorstellung der frischen, natürlichen, in anke und schmalz der ausgelassenen butter. Die deutschen stämme, welche das wort annahmen, schwanken in genus und flexion. ags. butere, gen. buteran f., fries butere, gen. butera, engl. butter, nnl. boter, nhd. butter, unveränderlich. ahd. aber kann in landstrichen, wo mhd. butter, gen. butteren, nhd. butter, gen. buttern m. vorkommt, auch ein männliches putiro, putirin gesetzt werden. man spricht noch heute in Östreich, Baiern, Tirol, in der Schweiz, selbst in der Pfalz und in Franken der butter, der buttern;
er pôt in puterin.
Diemer 16, 27;
pring den putern.
Wolkenstein s. 174;
aus Dasypodius ist das genus von butter nicht zu ersehen, Maaler 83ᶜ hat der butter; voc. 1482 aa 2ᵇ putter, sambuca, i. e. butirum, ungeleutert schmalz; Lonicerus im kreuterbuch der butter; bei Conr. von Weinsperg liest man s. 8 vier zentner bütern, s. 25 bütern und unslieht bestellen; in Freys garteng. cap. 47 ein hafen mit anken oder buttern;
haben also von uns zur not
kleider, milch, buttern, kes und brot.
Eyering 1, 299;
meienbutter, der nit gesotten oder gesalzen ist. Gersdorf 55; also dasz es sich einem butter vergleich. Paracelsus 1, 907ᶜ; klopfe den butter und das wasser durcheinander, so lang bis der butter als ein schnee weisz werde. chir. schr. 49ᵇ; mit ungesalzenem butter. Seuter 28; mit geläutertem butter. Pinter 390; er war gern, da man mit groszen löffeln aufgieszet, den butter ins fewer schüttet, wanns nit brennen will. Garg. 45ᵇ; wie sie ihren butter heraus packte und den butter in demselben bächlein netzte. Simpl. 2, 255; nimm ungenetzten, erst ausgerührten butter. Hohberg 2, 204ᵃ. Schuppius setzt den starken gen.: der thier, milch, käs und butters überflusz. 736. Eine auch den unterschied zwischen butter und schmalz zeigende stelle läszt das genus unbestimmt, sie redet vom h. Bernhart:
man solde im zweimal buteren geben,
dô stunt smalz dâ beneben
zu andern dingen bereit.
daʒ wart von vergeʒʒenheit
me danne zeimâl vor in brâcht.
dô hete er sîner andâcht
geworfen kleine an spîse,
er aʒ eʒ in der wîse
als ob eʒ butere wêre.
pass. K. 401.
hier kann butere m. oder f. sein, im letzten falle wäre es die älteste stelle für den weiblichen gebrauch des wortes bei uns in Deutschland; seit Luther scheint dieser anzunehmen: und er trug auf butter und milch. 1 Mos. 18, 8; butter von den kühen und milch von den schafen. 5 Mos. 32, 14; milch gab sie, da er wasser foddert und butter bracht sie dar in einer herlichen schalen. richt. 5, 25; brachten hönig, butter, schaf und rinder zu David. 2 Sam. 17, 29; wasserbeche, die mit honig und butter flieszen. Hiob 20, 17; da ich meine trit wusch in butter und die fels mir ölebeche gossen. 29, 6; ir mund ist gletter denn butter. ps. 55, 22; wenn man milch stöszt, so macht man butter drausz. spr. Sal. 30, 33; butter und honig wird er essen, das er wisse böses zu verwerfen und gutes zu erwelen. Es. 7, 15; und wird so viel zu melken haben, das er butter essen wird. 7, 22. zwar gewährt auch keine einzige dieser stellen den artikel, doch würde das m. den acc. buttern verlangen, da sich kein starkformiges mit dem gen. butters für Luther annehmen läszt. freilich hat Fischart den botter, nicht bottern. es ist also strenggenommen auch das f. in den angezognen lutherischen stellen unerwiesen. in Murners Eulensp. steht entschieden: bedroufte den braten mit dem buttern. cap. 72; ich wil euch guͦten frischen buttern geben. cap. 75. bei Henisch schwanken die beispiele und neben der butter findet sich 573, 38 butter verderbet keine kost, sie ist gelind und schmieret wol. Stieler 263 schreibt die butter, ebenso Frisch 1, 160ᵃ. Man sagt reine, frische, fette, feiste, gelbe, rothe butter, braune, gebratene butter. Göthe 57, 232. maibutter, maienbutter; butter machen, schlagen, stoszen, blotzen, rühren, ausrühren, agitare butyrum, milch plumpen. bienenk. 171ᵃ. der ags. ausdruck dafür lautet cernan, engl. churn, nnl. kernen, isl. kirna, schw. kärna, dän. kierne. vgl. butterkern, kernbutter. die butter auslassen, ausschmelzen, läutern; ausgelassene butter heiszt schmalz (wie ausgeschmolznes thierfett talg), sie wird dadurch zum kochen und braten dienlicher, verliert aber ihren wolgeschmack, s. die stelle vom h. Bernhart, der vor lauter andacht auf den unterschied nicht achtete. butter salzen, butter stechen, aus dem fasz mit einem besonderen stecher nehmen. Es heiszt weich, zart, glatt wie butter:
o der zarte herr von butter!
alle vögel kann er fliegen,
keinen vogel hangen sehen.
Göthe 57, 232.
stehen, bestehen wie butter an der sonne, zerflieszen, nicht stich halten, vor scham vergehn: das ich da stehen müste wie butter an der sonne. Luther 3, 74; so stehen sie wie butter an der sonnen. 3, 342ᵇ; so frage ich, wie weistu es? hastu sein herz gesehen? so stehestu denn wie butter an der sonnen. 4, 328ᵇ; wenn uns der tod unter augen schnaubet, so felt es alles dahin, stehet wie butter an der sonnen. 4, 494ᵇ;
komm ich und hab kein fanen gwonnen,
bsteh ich wie butter an der sonnen.
Haupt 3, 262;
bruder Lamp stand wie butter an der sonnen von ihnen allen verlassen. Wolgemuts Esop 48; und bestund dieser, der ein procurator sein will, wie butter an der sonn. Kirchhof wendunm. 135ᵇ; da wird er da gestanden sein, wie der butter an der sonnen. fliegenwadel 146; mein ankläger bestund also wie butter an der sonne. Felsenb. 2, 338; weil ich nun hier bestunde, wie butter an der sonne. Plesse 1, 83; Christeli aber stand da wie butter an der sonne. Gotthelf sagen 5, 12;
wie butter an der sonne stehn.
Gotter 3, 31.
Eine andere redensart geht von heftigem schrecken: erschrack ich, dasz mir die butter hätte mögen vom brote fallen. Ettner unw. doct. 447; ich will so mit ihm reden, dasz ihm die butter vom brote in den dreck fallen soll. pedant. irrthum 276ᵇ; vgl. die schon oben sp. 401 beigebrachten stellen. es heiszt auch einem die butter vom brot schaben, das fett abschöpfen:
heiliger, lieber Luther,
du schabtest die butter
deinen collegen vom brot!
das verzeihe dir gott.
Göthe 56, 110.
im butter sitzen bleiben, wie in der brühe (sp. 424): sasz übel im butter. Zingerle märchen 2, 147. es wer dann, dasz sie schweizerisch stockfisch essen wollten, doch on butter. bienenk. 134ᵃ, schläge kriegen; so kont er auch nicht, wie der mönch zu Trier, das himmelreich eim berg mit butter vergleichen, da das thal darbei voll köll (kohl) war und die sonn schmelz den butterberg in den köl. 195ᵇ. das ist butter an den galgen. Simrock 1426, nnl. het is boter an de galg gesmeerd, vergebliche arbeit; het is botertje tot den boom toe, butter bis auf den boden, übertriebene freundlichkeit;
gelbe butter am spunde
ist nicht immer gut auf dem grunde:
das essen schwimmt in butter, ist zu fett gekocht; seine butter musz immer oben schwimmen; butter morgens gold, mittags blei. wer am gastmahl die butter anschneidet, darf dies jahr nicht heiraten. vgl. faszbutter, kleebutter, maienbutter. butter steht auch sonst für schmierige, fette masse: butter, die aus den augen trieft, augenbutter, gramiae; der leichnam lesset von sich eitel unflat, rotz, speichel, putter, schweisz, schweren, blattern, grind, gnatze, flüsse, eiter, mist und harm. Luther 6, 316ᵃ. s. krebsbutter. die chemiker reden von bleibutter, spieszglasbutter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 582, Z. 16.

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Zitationshilfe
„butter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/butter>, abgerufen am 15.10.2021.

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