Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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cörpel, cörper

cörpel, cörper,
s. K.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 637, Z. 41.

körper, m.

körper, m.
corpus.
I.
Herkunft und form.
a)
es ist das lat. corpus, übernommen nach den cas. obl. aus lebendiger rede, aus dem latein der ärzte und mehr noch der geistlichen; 'der dualismus, das abendmahl und die leichnamsanbetung der christen trug zu dieser einimpfung des wortes bei' Diefenbach goth. wb. 2, 589. wird doch jetzt noch in halb scherzhafter rede für leib rein lat. corpus gebraucht (aber auch als masc.), selbst von nichtstudierten, volksmäszig korps (wie kadaver, auch als m.), gleichsam in gelehrt medic. weise, aber eben in todter gestalt, nicht mehr lat. flectiert. so auch engl. corpse leichnam.
b)
das masc. statt des lat. neutr. ist begreiflich nach der endung -er, wie bei keller aus cellarium (wo doch das k- zu erklären bleibt), koller m. aus cholera f., noch neuestens der meter nach franz. le mètre, gr. aber μέτρον n.; mehr bei Wackernagel umdeutschung 44 fg. doch hat das lat. n. anfangs auch noch gegolten (s. u. körpel) und findet sich noch später: also naemen sijne heimliche frunde dat heilige corper (des heil. Thomas) ind begroefent it. Harff pilgerf. 142, 10, 15. jh.
c)
eigen aber ist der umlaut. mhd. und meist noch im 15. jh. ist es ohne umlaut: corpus, corper Dief. 152ᶜ, chorpär nov. gl. 115ᵇ, korper voc. inc. teut. n 4ᵇ. aber schon Keisersberg lautet um, s. cörpor unter 2, a, und körpel (s. d.) ist auch schon mhd. woher stammt der umlaut? corpus bietet als anlasz höchstens das i in corpori, corporibus, das nicht reicht. vergl. küster mit custos.
d)
bemerkenswert ist, dasz körper auszer hd. nd. nrh. (s. b) nicht besteht, schon nl. nicht, wo wie im nord. 'leichnam' seine stelle hat. zwar wird ihm gewöhnlich ein nord. wort gleichgestellt, das man dort selbst als eins mit unserm körper fühlt: dänisch krop, schwed. norw. kropp m., isl. altn. kroppr m. (daher auch lapp. kroppe in kirchlicher sprache); aber das gehört wol mit schwed. skrof n. rumpf, norw. skrov thiercadaver zusammen, wie jenes auch norw. krov, isl. krof heiszt. übrigens ist corpus vielleicht urverwandt germ. vorhanden, wie Wackernagel vermutet: ahd. hrëf (ref) cadaver Haupt 5, 356ᵇ, ags. hrif. keltisches u. a. s. bei Diefenbach a. a. o.
II.
Gebrauch und bedeutung.
1)
Es erscheint zuerst vorwiegend in der bed. leichnam.
a)
zuerst wahrscheinlich in geistlicher rede gebraucht:
der corper (Christi), der lîchame
wart gar lobesame
geleget in ein nûwe grap.
erlösung 4942,
der geistliche dichter brauchte den aus der vulgata geläufigen ausdruck (Matth. 27, 58. 59), fand aber noch für gut, ihn zugleich zu übersetzen, wie ähnlich im folg.;
die greber alle wider gebent
ir corper, ir gebeine.
6274;
der dôten corper harte vil
erstûnden ûf mit gote dâ.
5187,
öfter auch im leben der h. Elis., s. Bartsch Germ. 7, 21. ebenso in einer md. evangelienübers. des 14. jh. in denselben stellen: dû hieʒ Pilatus widdergeben den lîchamen, und nam den corper Joseph (v. Arimathia). Haupt 9, 285, vulg. Pil. jussit reddi corpus, et accepto corpore J. Matth. 27, 58 fg.; und vile corpere der heiligen .. stûnden ûf. das., vulg. multa corpora sanctorum Matth. 27, 52, bei Luther beidemal vielmehr leib, das also zu seiner zeit schon wie heute wieder das edlere war. im 14. 15. jh. mochte man jenes corper wol auch in passionsspielen hören. in einem fluche, gewiss aus älterer zeit her:
ich wil sammer botz cörper mit dir (auf raub).
H. Sachs 5, 341ᵃ,
d. i. eig. 'so mir gotts cörper (helfe)', wie 'botz oder box leichnam!' oben 2, 281, d. i. gottes, Christi leichnam.
b)
dann auch in weltlichem gebrauche: ich hân von geschichte (von ungefähr) einen menschen erslagen und trag den selben chörper hie pei mir in einem sakh. gesta Rom. 94 (vorher und nachher leichnam); so ein guͦter freünd sturb, richt man den cörper in der leüch (bahre) auf. Frank weltb. 200ᵃ; cörpel auf einander gehaufet, congesta cadavera. Maaler 84ᵈ; (hat man) etliche (d. h. viele) cörper in Frankreich gesendet, damit sie bei iren altvättern begraben worden. Fronsperger 3, 109ᵃ (1596);
ehe man sie (die gans) nun zum grabe trägt,
soll ir cörper werden gelegt
in einen zinnenen sarg fein.
ganskönig C 5ᵇ;
die körper (ossa) werden am jüngsten tage auferstehen. Stieler 1015, dazu 'leibeskörper' cadaver, was er noch als erste bed. angibt; um seinen leichnam entbrennt ein mörderisches gefecht, und der entstellte körper wird unter einem hügel von todten begraben. Schiller 964ᵃ, hier nur der abwechselung halber, denn leichnam, leiche haben körper wieder überwogen.
c)
den übergang des begriffes zum folg. deutet die verbindung todter körper an, obwol sie anfangs nur des nachdrucks wegen gegolten haben wird (s. erlösung 5187 u. a): und Judas liesz erstechen alle mansbilde drinnen .. und zoch durch, uber die todten cörper hin. 1 Macc. 5, 52; zum todten cörper dringen. Bocc. 1, 18ᵃ; todtner cörpel inane corpus, die todnen cörpel ausziehen spoliare cadavera Maaler 84ᵈ.
2)
Für leib überhaupt, auch den lebendigen. auch diesz doch schon um 1300, gleichzeitig mit den stellen unter 1, a:
in ungedult der knabe ranc (in krämpfen),
er warf den corper her und dar.
heil. Elis. 8525. 31, wie vorher lîb.
a)
haupts. im absichtlichen gegensatze zum geiste, zur seele, in geistlichem und philosophischem sinne: ein ietlicher geist, ausz kraft seiner natur (es sei denn das im es got wer und nit gestatt), so mag er einen ietlichen leib oder cörpor besitzen oder sich darin senken und bei (durch) und in im würken. Keisersberg irrig schaf D 4ᵇ, in form und gebrauch rein gelehrt, wie aus der philosophischen schule;
der sagt die seel unsterblich sein,
far doch in andre cörper hin.
Scheit grob. J 2ᵃ;
der seelen fehlt die kraft den körper zu bewegen (vor schmerz).
Günther 974;
der mensch entflieht sich nicht, umsonst erhebt er sich,
des körpers schwere last zieht an ihm innerlich.
Haller (1777) 89;
seitdem du voller eil den körper abgelegt (gestorben),
worinn der innre geist sich unbehülflich regt.
Bodmer das. 247;
gelingt es dem geist, die krankheit oder kränklichkeit ganz aus sich zu entfernen und blosz in den körper zu bannen, so ist unendlich viel gewonnen und ... (das übel) hat sehr oft auch noch etwas die seele schön und sanft reinigendes ... von ihm (Schiller) aber konnte man wirklich sagen, dasz er die krankheit in dem körper verschlossen hielt. W. v. Humboldt briefe an eine freundin 1, 192; in krankem verfall des körpers, in blühender gesundheit des geistes. Göthe 21, 94; schon diesen ganzen abend scheinen sie nur dem körper nach gegenwärtig. 14, 121;
nur der körper eignet jenen mächten,
die das dunkle schicksal flechten.
Schiller 72ᵃ.
b)
das fremdwort körper ist aber mit dem einheimischen leib noch bis heute nicht völlig eins geworden, und dabei hat sich jenes mehr zu geist, dieses mehr zu seele gesellt; denn geist und körper, leib und seele (so gestellt des tonfalls wegen) ist die uns geläufige zusammenstellung, nicht umgekehrt, z. b.: die scheidung zwischen geist und körper, seele und leib. Göthe 53, 236. wie nämlich der denkende geist höher gestellt wird, so zu sagen noch geistiger ist als die nur empfindende seele, so ist uns nach der andern seite hin körper schärfer bezeichnend, so zu sagen noch körperlicher als leib; denn leib schlieszt uns meist leben und fühlen, also die seele eigentlich mit ein, während man das absehen von allem geistigen und seelischen, das leibliche an sich am schärfsten nur mit körper ausdrückt. daher ist folgendes möglich: unser leib, als körper betracht, ist weder moralischen noch physischen übeln unterworfen. nur in so weit er mit der seele verknüpft ist u. s. w. Mendelssohn über die empfindungen (1755) 195. das ist eine nachwirkung von dem gelehrten ursprunge des wortes, während leib urspr. nur leben bezeichnet, wie z. b. in folg. hervortritt, aus einem nrh. gespräche zwischen sêle und lîcham von etwa 1400:
up leinde sich der corper trêge,
he sprach als he des lîves plêge (mhd. pflæge).
Germ. 3, 402ᵇ,
d. i.: als ob er den leib, das leben noch hätte. ziemlich wie bei Mendelssohn schon im 15. jh. in Bracks vocab., wo das cap. de partibus hominis beginnt (Lpz. 1491 7ᵃ): exterior homo der korper, corpus leib; 'der äuszere mensch', geistlich wissenschaftlich gemeint.
c)
vom lebendigen leibe bestimmter menschen. auch da sind körper und leib noch keineswegs schlechthin eins.
α)
leib ist z. b. unmöglich oder doch anstöszig, wo ein mann von frauen spricht, zumal ihnen ins angesicht: Ohldinn. der rock ist mir ohnedem ein wenig zu lang (sie zieht ihn ein wenig in die höhe). Klitander. der teufel, was für ein fusz! schade, dasz er nicht an einem jungen körper ist. Lessing 2, 401 (alte jungfer 2, 3); was für eine grazie! rief er aus, indem er auf ihre eigne tochter wies. ich glaube, ihr ganzer körper ist nichts wie harmonie, jede bewegung (im tanze) zeigt neue reize. Möser phant. (1778) 2, 76; wie reizend es war, wenn er von ihrer gestalt, von ihrem körper sprach, der ihn ohne jugendliche reize gewaltsam an sich zog. Göthe 16, 23; nichts ward versäumt, den schönen halbstarren nackten körper (des mädchens) wieder ins leben zu rufen. 17, 332;
so ein vollkommener körper gewiss verwahrt auch die seele
rein (wie der Dorotheens).
40, 297, im munde des pfarrers;
dasz fälle möglich wären, wo die kirche
sogar die körper ihrer jungen töchter
für höhre zwecke zu gebrauchen wüszte.
Schiller 266ᵇ.
leib würde uns da zu sinnlich sein, ohne schutz gegen lüsternheit; diesen schutz gibt so weit möglich körper durch seinen wissenschaftlichen, gelehrten anstrich, während uns leib da zu sehr den belebten körper vorführt. niemand wird z. b. zu einer frau, wie unter a bei Göthe mit körper, zu sagen wagen 'sie scheinen heute nur dem leibe nach anwesend', man sagt da körperlich. schon im 15. jh. einmal, wo man sonst an leib keinerlei anstosz nahm:
aller ir korper gevelt mir wol.
fastn. sp. 513, 12.
β)
vorgezogen wird körper auch in folg. fällen, wo es gleichsam einen medicinischen anstrich hat: er tanzt und ficht beizeiten, damit er den körper in seine gewalt bekömmt. Gellert (1784) 4, 142; die ruchlosigkeit und ein krüpplichter körper sind immer beisammen. 3, 153, vgl. 152;
hab ich die baarschaft gerettet und meinen körper, so hab ich
alles gerettet. der einzelne mann entfliehet am leichtsten.
Göthe 40, 248;
auf allen seinen .. neigungen, denen ein derber körper und eine blühende gesundheit um so kraftvollere explosionen gab, stand ihm die religion im wege. Schiller 733ᵇ.
γ)
aber körper oder leib sind ohne weiteres wechselnd in fällen wie folgende: es geht mir ein schauder durch den ganzen körper, Wilhelm, wenn Albert sie um den schlanken leib faszt. Göthe 16, 115, doch ist hier körper kräftiger als leib (an der zweiten stelle aber wäre körper roh und sinnlich, während leib da nur die taille meint); mich friert am ganzen körper oder leibe. der gemeine mann zieht in solchen fällen noch das deutsche wort vor, der gebildete aber das gelehrte, jenes findet er zu derb. doch niemand trägt wolle auf dem körper, nur auf dem leibe. s. auch oberkörper, oberleib (aber nicht unterkörper, nur unterleib).
δ)
im engern sinne vom rumpfe ( Adelung) als dem theile, der gleichsam das körperliche am körper am eigentlichsten darstellt; auch lat. corpus:
das houpt von sinem körpel sprang.
Liliencron hist. volksl. 2, 33ᵃ.
bildlich: dasz nicht einschleiche fort und fort
kopf, körper und schwanz vom fremden wort.
Göthe 47, 228.
3)
Verallgemeinert, übertragen auf andere dinge.
a)
jedes ding kann ein körper heiszen, insofern es uns als in sich geschlossenes ganzes erscheint, als ein einzelwesen das ein dasein für sich hat; also ein ding in so zu sagen wissenschaftlicher auffassung. ob sich dieser gebrauch aus der bed. 1 entwickelt hat, sodasz ein gegensatz zur geisterwelt oder geisteswelt urspr. gemeint wäre (vgl. körperwelt), oder aus der bed. 2, sodasz das ding gleichsam als belebtes gedacht wäre (vgl. unter c zuletzt), weisz ich nicht zu sagen; der gebrauch hat sich jedenfalls an corpus entwickelt im wissenschaftlichen latein, wahrsch. in allen zweigen der naturwissenschaft, mathematik (s. u. f) und philosophie eingeschlossen. er findet sich schon bei Luther, und zwar im anschlusz ans griechische: es sind himmlische cörper und irdische cörper. 1 Cor. 15, 40, im urtexte σώματα, in der vulg. corpora. Kant erklärte: ein körper in physischer bedeutung ist eine materie zwischen bestimmten grenzen. 8, 516; vgl. aus Lessing u. b. den allgemeinen begriff gibt z. b. des Mephistopheles ausführung vom lichte:
und doch gelingts ihm nicht, da es, so viel es strebt,
verhaftet an den körpern klebt.
von körpern strömts, die körper macht es schön,
ein körper hemmts auf seinem gange ...
und mit den körpern wirds zu grunde gehn.
Göthe 12, 71,
die dinge wäre dafür zwar auch brauchbar (und der gemeine mann würde das vorziehen und sicherer verstehn), aber es würde nicht die naturwissenschaftliche schärfe und zugleich die anschaulichkeit haben wie körper; das urspr. gleichfalls wissenschaftliche gegenstand aber wäre hier zu äuszerlich, nicht so lebendig.
b)
auf der scheide zwischen dem alten und diesem neuen begriffe steht folg. gebrauch von körper im kunstsinne: nahe an einem groszen .. ehebett mit grünem rasch sorgfältig umschlossen, hieng das (geschlachtete) schwein, so dasz die vorhänge einen mahlerischen hintergrund zu dem erleuchteten körper machten. Göthe 30, 116; es ist freilich nichts als der leichnam des schweines (nach 1), aber in körper ist er zugleich als kunstgegenstand gefaszt; vgl. bei Lessing: gegenstände, die neben einander oder deren theile neben einander existiren, heiszen körper (diesz wol nach Wolff). folglich sind körper mit ihren sichtbaren eigenschaften die eigentlichen gegenstände der mahlerei u. s. w. 6, 464.
c)
von einer andern seite zeigt den begriff folg.:
dem majestätschen gang von tausend neuen sonnen
sind längst von Copernic gesäze ausgesonnen.
er hat ihr masz bestimmt, den cörper umgespannt,
die ferne abgezählt und ihren kreisz umrannt.
Haller 1734 s. 54 (1777 s. 61),
den stofflichen, räumlichen umfang, im gegensatz zu licht und bahn. ähnlich in folg. für gestalt, gestaltung:
wie prächtig, mancherlei, wie herrlich und wie schön
der wolken körper anzusehn.
Brockes 2 (1739), 5.
da sind die sonnen, die wolken gleichsam belebt gedacht.
d)
körper im weltraum, weltkörper (vgl. Luther unter a):
die groszen cörper auch,
die elementen selbst, die werden wie geboren
und gehn als wider ein.
Opitz 2, 106;
alle diese weltcörper, so man planeten nennet, sein dunkel und dichte cörper gleichwie unsere erde. öcon. lex. Lpz. 1731 1909. oft bei Brockes, himmelscörper 4, 472. 7, 26, sonnen cörper 7, 210. 546. 22, licht- und sonnencörper 2, 205, erdenkörper 2, 224, auch der grosze wassercörper 7, 18 vom meere.
e)
der naturforscher spricht von festen, dichten, porösen, flüssigen, selbst luftförmigen körpern. dem laien sind luft, licht, wol auch wasser (s. g) körperlos, weil ohne greifbare form und gestalt. aber der mann der wissenschaft nennt auch die luft einen wägbaren körper, denn er denkt sie sich dabei in einer bestimmten grösze und abgeschlossenheit seiner untersuchung ausgesetzt. in organischen körpern werden unorganische, fremde körper gefunden: es fand sich in den nieren ein fremder körper vor.
f)
mathematische körper.
g)
im strengern sinne für fester körper:
wasser ist körper (im winter) und boden der flusz.
Göthe 1, 406.
h)
diesem ähnlich von einem weichen oder flüssigen stoffe, der sich geltend macht wie ein körper; z. b. eine farbe hat viel körper, wenn sie viel färbende theile enthält. Adelung; besonders erkennt man auf diesem wege, welche sorte (bleiweisz) am meisten körper hat, d. h. welche die dickste salbenartige consistenz erlangt. Karmarsch 1, 290. auch von einer weichen masse, die als eins gedacht wird: dasz die früheren künstler .. solche (die farben) erst mit wasser klar gerieben, sie dann geschlemmt und so aus éinem körper mehrere tinten gezogen. Göthe 38, 224.
i)
bei kupferstechern die dicke der spitze eines grabstichels; die spitze darf nicht zu lang, zu schräg zugespitzt sein, damit der grabstichel körper genug behalte, um widerstand zu thun. Adelung. die spitze ist wie die seele des stichels die auf dem körper beruht.
k)
die anatomen nennen den mittlern haupttheil eines knochens seinen körper; ähnlich gebärmutterkörper, harnblasenkörper u. a. ähnlich bei den sattlern der mittlere starke theil eines kummethorns.
l)
an einer eisenbahn spricht man vom bahnkörper, gleichsam dem rumpf (s. sp. 1836 δ) ohne die bekleidung, und ähnlich mehrfach.
4)
Bildlich.
a)
schatten und körper: welches (d. h. die jüdischen satzungen) ist der schatten von dem das zukünftig war (bevorstand, nahte), aber der cörper selbs ist in Christo (der jenes als schatten warf). Coloss. 2, 17, var. leib, gr. σῶμα.
b)
körper und geist oder seele als gegensätze in die gedankenwelt übertragen: durch die mahlerische kunst giebt er (der dichter) den unsichtbaren und geistlichen dingen einen cörper, den leblosen die seele und die rede. Breitinger crit. dichtk., forts. s. 404; Klopstock malet .. die welt der seele und der gedanken, da jener (Homer) sie hingegen in körper kleidet. Herder fragm. 1, 55; man möchte sagen, er (Klopstock) ziehe allem, was er behandelt, den körper aus, um es zu geist zu machen, so wie andere dichter alles geistige mit einem körper bekleiden. Schiller 1203ᵇ; um der imagination genüge zu thun, musz die rede einen materiellen theil oder körper haben, und diesen machen die anschauungen aus. 1184ᵃ; die einbildungskraft strebt ... den begriff zum individuum zu machen, dem abstracten einen körper zu geben. 1183ᵃ. gedanken gewinnen körper beim dichter in diesem sinne: an meinem stück hab ich gearbeitet, es zieht sich ins weite und kriegt mehr körper. Göthe an fr. v. Stein 2, 300, zugleich 'es gestaltet sich aus', wächst zum lebendigen heran. trefflich unterscheidet Bürger geist, körper und kleid (einkleidung, sprache) an einem dichtwerke: so sollte wenigstens eine dolmetschung (Homers) an geist, körper und bekleidung dem originale so nahe als möglich kommen. 175ᵇ. aber auch die sprache selbst kann man als körper der gedanken ansehen, und wieder die schrift als körper der sprache:
körper und stimme leiht die schrift dem stummen gedanken.
Schiller 76ᵇ (spaziergang).
so setzt sich die doppelnatur des menschen (und alles lebendigen) stufe für stufe fort bis in die geisteswelt und gibt ihr ihre form und faszbarkeit.
c)
mehr nach franz. corps als kern, stoff, rumpf gleichsam, im unterschied von den äuszeren zuthaten: der körper von ihren abhandlungen ist ernsthaft und ansehnlich, die einkleidung ist lustig und possierlich. Rabener 1755 2, 75; es (der aberglaube) ist der körper meiner philosophie, und ich danke nur gott, dasz er mir eine seele gegeben hat die dieses corrigiren kann. Lichtenberg (1800) 2, 7. ähnlich: das murren der unterthanen .. hatte sich nunmehr in éinen körper furchtbar zusammengezogen. Schiller 826ᵃ.
d)
in dem naturwissenschaftlichen sinne unter 3, e: den reinen trank der liebe würden nun lauter fremde körper trüben. J. Paul Tit. 3, 22, fremde einflüsse in bestimmter erscheinung; spruchreden oder allgemeine moralische sätze (meide der dram. dichter), weil sie mitten in einer rede gleichsam ein fremder körper sind. Ramler einl. in die sch. wiss. 2, 246.
5)
Endlich gleichfalls bildlich von einer menge von einzelwesen, die als éin wesen, als ein 'gegliedertes' ganze vorgestellt werden. auch dazu gab schon lat. corpus den anlasz, und gr. σῶμα, engl. body, franz. corps gelten ebenso.
a)
besonders von menschlichen gemeinschaften: das die ganze christenheit .. kein heubt uber sich hat on allein den heiland .. welchen s. Paulus das heubt nennet seines cörpers, welches ist die ganze christenheit. Luther 8, 224ᵃ, vgl. z. b. Eph. 4, 16, wo aber σῶμα mit leib übersetzt ist; sol darzu thun wer am ersten kan, als ein trew glid des ganzen corpers, das ein recht frei concilium werde. an den adel C 1ᵇ; seintemal weltlich herschaft ist ein mitglid worden des christlichen corpers (da der 'staat' in den christlichen 'organismus' eingetreten ist, sich eingegliedert hat) ... darumb ihr werk (thätigkeit) sol frei unvorhindert gehen in alle glidmasz des ganzen corpers. B 2ᵇ. das vortreffliche, erschöpfende bild war jener zeit ganz klar gegenwärtig, aus ihm heraus sprach sie von haupt und gliedmasz, glied, daher noch mitglied, bei dem wir doch an jenes bild nicht mehr denken, obgleich wir von dem herzen, der seele, dem geiste einer gesellschaft z. b. reden. Das bild hat sich aber von selbst wieder geltend gemacht, wenn auch nicht mit der anschaulichkeit jener zeit: durch dergleichen vorstellungen suchte Perikles den unwillen der Athenienser zu stillen. der ganze körper der stadt überhaupt fiel ihm bei. Heilman Thucyd. 254; wie man denn auch wol die scientifische welt als einen einzigen körper betrachten darf. Göthe 50, 214; wurden die einzelnen provincialversammlungen .. an einen allgemeinen gerichtshof zu Mecheln gewiesen, der die verschiedenen glieder in einen einzigen körper verband. Schiller 781ᵃ; wir finden jene doch schon als völker, als politische körper. 1003ᵇ; ein neuer geist fängt jetzt an, den halb erstorbenen körper der österreichischen macht zu beseelen. 937ᵇ; jene periode .. wo ein erfrischtes jugendleben den ganzen nationalkörper (statt körper der nation! s. unter kolossalisch am ende) gleichsam durchdrang. Gervinus nationallit. 1844 5, 225.
b)
nur nach dem franz. oder nur franz. ist gesetzgebender körper, corps législatif, wie das diplomatische corps. vergl. körperschaft.
c)
selbst von dingen findet es sich: einen so mächtigen körper von gebäuden, besitzungen und rechten. Göthe 21, 16.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1833, Z. 48.

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„cörper“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/c%C3%B6rper>, abgerufen am 14.10.2021.

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