Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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camerad, m.

camerad, m.
contubernalis, commilito, gesell, genosz, nach dem it. camerata, sp. camarada, franz. camarade, wie bursch nach bursa (sp. 547), von camera, kammer, stube zu leiten, aus der collectivbedeutung stubengenoszenschaft übergehend in die des einzelnen stubengenoszen. dieses zusammenhangs bleibt weder unsere noch die franz. sprache eingedenk, weil sie kammer und chambre schreiben. s. kammer. camerad findet sich noch nicht bei Henisch, aber häufig im Simpl., z. b. folgte meinem cameraden und herzbruder. 1, 108; wünschte sie (die würste) meinen cameraden im wald. 1, 239; meine eigene cameraden. 1, 249. es scheint erst im 30 jähr. krieg aufgekommen zu sein und das ältere landsknecht, kriegsgesell, guter gesell verdrängt zu haben, galt also vorzugsweise unter soldaten, allmälich auch unter andern gesellen und burschen: sahe sich nach seinen cameraden um. Felsenb. 1, 48; die übrigen eilf cameraden werden nach allerstärkester gegenwehr gefangen. 2, 504; warum er denn unter seinen sechs übrigen cameraden allein vor so unwürdig geachtet werden solte. 2, 562; wo sein camerad ihr sohn wäre. Gellert 4, 261; meinen ehemaligen cameraden. Lessing 1, 233; schweig camerad! Schiller 122ᵃ;
erst noch ein gläschen, cameraden!
330ᵃ;
wol auf cameraden, aufs pferd, aufs pferd,
ins feld, in die freiheit gezogen!
das.;
drum frisch cameraden, den rappen gezäumt!
330ᵇ.
einige behalten ganz die franz. form: hört ihrs dort unten, camaraden, wie kommt ihr durch? ihr lieben guten camaraden, wollt ihr nicht helfen? Fr. Müller 2, 110; ihr guten camaraden, seid doch keine bengel und helft mir! 2, 111; das weib ist mir lieb, aber ein guter camarad doch noch lieber. 2, 115. zusammensetzungen: bettcamerad, kriegscamerad, schlafcamerad, schulcamerad, stubencamerad.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 603, Z. 10.

kamerad, m.

kamerad, m.
s. camerad 2, 603; bemerkenswert noch, dasz auch unser entsprechendes gesellschaft diesen übergang erfuhr (wie auch frauenzimmer), dasz es den einzelnen bezeichnet, s. Schmeller 3, 229. nl. camarade schon bei Kil. 676ᵃ. mit franz. endung noch:
und wer will mein kamerade sein,
der stosze mit an, der stimme mit ein.
Göthe 1, 145.
Übertragen auf andere wesen als menschen: eine waldblume, obgleich sie nie eine eiche wird, bekommt etwas von der stärke ihrer kameraden, sie steht länger als die auf dem felde. Hippel lebensl. 3, 1, 266; langte ich (auf dem abtritt) aus einem neben mir hangenden carnier ein octav von einem bogen papier, an demselben zu exequieren worzu es neben andern mehr seinen cameraden condemnieret und daselbst gefangen war. Simpl. 1, 592. Man findet auch kammerad, früher gewöhnlich, und noch in neuerer zeit: ich fragte endlich meinen cammeraden was er doch für autores lese. Schuppius 816; deinen alten kammerathen mit einem solchen wunsch zu bewillkommen. Simpl. 2, 13; doch glaubte er (Stilling), dasz sie beide viel verdrusz von ihm haben würden, weil er ihn (Göthen) für einen wilden cammeraden ansah. Stilling wanderschaft (1778) 159; kammerade Lessing 1, 28, kammerad 1, 521. 522.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 97, Z. 62.

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Zitationshilfe
„camerad“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/camerad>, abgerufen am 16.10.2021.

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