Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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camin, m. und n.

camin, m. und n.
caminus, focus, fumarium, ofen, schlot, schornstein, bei Maaler 239ᶜ kämin, bei Dasyp. 361ᵈ kemmin caminus, kemmet infumibulum, 82ᵃ kemmet, schlat, rauchloch, worüber mehr im K. der könig aber sasz im winterhause im neunden monat fur dem camin. Jer. 36, 28; gar seer finster als ein camin der hellen. Frank weltb. 172ᵃ; oben bei dem kamin. Simpl. 1, 241; baueten einen camin in unserm wohnhause auf dem hügel. Felsenb. 1, 241;
Apollo selbsten hängt die leier zum camin.
Günther 774;
brüder macht euch zum camin!
920;
zum feuer, setzt euch um den camin! Fr. Müller 2, 406.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 603, Z. 46.

kamin

kamin,
s. camin.
1)
die bedeutung ist doppelt, ganz wie bei esse 3, 1159,
a)
schlot, rauchfang: die schinken, knackwürste und speckseiten, die sich im kamin befanden. Simpl. 1, 239; meine cameraden gaben mir durchs kamin herunter zu verstehen. 1, 241;
ihr sahet nie den rauch
von einem fränkischen kamine steigen.
Schiller 461ᵃ;
auch die schlöte der dampfschiffe heiszen kamine, z. b. auf dem Rhein.
b)
die feuerstätte selbst, vorn offen, der 'wälsche kamin' Schmeller 2, 294 in zimmern; kamine in den küchen, unterschieden vom völlig offnen feuerherd wie vom völlig geschlossenen kochofen; auch eine ähnliche vorrichtung zur zimmerheizung von auszen. it. cammino, franz. aber cheminée, engl. chimney; dän., russ. kamin, poln. komin. schon mhd. kamîn:
dem mach ich alsô heiʒe gluot (in der hölle),
daʒ kein kamîn nie wart
ûf erde enzündet alsô hart.
Haupt 6, 375,
es ist wol aber kámîn betont.
2)
denn jetzt zwar gilt hd. nur die betonung kamín, auch in den mitteldeutschen mundarten (ebenso dän., russ., poln.):
die tannen glühn
hell im kamien.
Hölty 216;
frühling schaft
uns am hellen kamien der scherz.
Voss (1825) 3, 4.
in dem hauptsaal erkannte ich sogleich das kamin das ich ehmals von oben gesehen. Göthe 23, 99; ein ungeheueres kamin ... ein groszes familiengemählde über dem kamin. 26, 288; bei dem sklaven der die kohlen im kammin aufschürte. Arndt erinn. 167.
3)
oberd. aber ist es früh mehr deutsch gemacht worden durch zurückziehung des tons, worauf das i der endung umlaut bewirkte (wie bei kamel und sonst oft): kämin n. Maaler 239ᶜ, schon mhd. der kemin oder hert des fiures Haupt 8, 444; caminus, ein ofen und ein welsch rauchloch, kämmin oder schornstein Dasypodius 23ᶜ, kemmin 361ᵈ. das hatte weitere änderungen im gefolge.
a)
um das n gekürzt alem. chemi, kemmi m., rauchfang Tobler 99ᵇ, schon im 13. jh. 'fumarium chemi' Mones anz. 8, 396 aus einer Reichenauer hs.; daher tirol. köm m.:
ne hex im rueszige chemi.
Hebel 64;
und dchemi rauchen au alsgmach.
59.
b)
mit andrer endung kämet, s. d.
c)
kämich. Frisch 1, 163ᵃ aus Fronsperger von kriegsrüstung 85ᶜ; tirol. 16. 17. jh. kemich Schöpf 333; kemmich, rauchloch, slat, esz ... fewrmawr, caminus, kamyn. voc. theut. 1482 q 2ᵇ, auch bei Brack (Dief. 93ᵃ), selbst in der Leipz. ausg. 1491 20ᵃ;
wo seit ihr also im rusz gsteckt?
ich mein, ihr habt kemmich gefegt.
Peter Lew 457, weim. jahrb. 6, 438.
dieselbe merkw. bildung zeigt kümich, kümmel aus chumi, cuminum. nachher selbst mit angefügtem t: zuͦm valete so fegt des bischofs kämerling der kellerin das hinder kemmicht, dasz ir der bauch gschwilt. Schades sat. u. pasq. 3, 182, vgl. unter kämetfegen.
d)
bair. kömich, kümich m. schornstein Schmeller 2, 299, schon in einem voc. v. 1429 chümich caminus, fumarium, im 16. jh. die kömich kören, 'kümich oder rauchfeng'. mit i: nimb den glitzenden ruesz von einem kimmich fünf unz. Seuter 250.
4)
sprichw.: wir wollens in den kamin schreiben, wos die hühner nicht auskratzen. Simrock 5388, zu scheinbarer sicherung, denn die schrift verruszt ja da schnell wieder; ebenso eine schuld in die esse schreiben, darauf verzichten, s. denselben scherz unter kesselhaken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 100, Z. 27.

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Zitationshilfe
„camin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/camin>, abgerufen am 19.10.2021.

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