Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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capelle, f.

capelle, f.
sacellum, ahd. chapella (Graff 4, 356), mhd. kapelle, wonach man auch dem nhd. kapelle den vorzug geben dürfte. füre sie in des herren haus in der capellen eine und schenke inen wein. Jer. 35, 2; und füret sie in die capellen der kinder Hanan, welche neben der fürsten capellen ist uber der capellen Maseja des sons Sallum des thorhüters. 35, 4; wie kan das ubel geraten, wann einer von den secten abtritt und helt sich zu der capelle, kirchen wolt ich sagen, ich weisz nicht, wie ich uf die capell kumen. Alberus wider Witzel L 1ᵃ; wo gott eine kirche hat, baut der teufel seine capelle daneben; nach dem gott sein evangelion gen Freiberg sandte, wolte der teufel auch alda sein spiel und capell haben und stiften. Mathesius 17ᵃ. einfälle haben wie eine alte capelle, wie ein altes haus. eine zum fürstlichen gottesdienst eingerichtete heiszt hofcapelle, schloszcapelle: diese nacht will ich in der capell ewres castells die waffen bewahren. Harnisch 36. unter capelle versteht man aber auch die dafür angeordneten geistlichen oder capellane, in weiterem sinn die sänger und musikanten der capelle, in weitestem die gesellschaft von tonkünstlern, welche ein fürst unterhält, ohne kirchlichen bezug: an diesem hofe befindet sich eine trefliche capelle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 605, Z. 10.

capelle, f.

capelle, f.
catinum fusorium, fehlerhaft für cupelle, cupella, franz. coupelle, it. coppella, sp. copela, d. h. kleine schale oder tiegel zum schmelzen: so nim dann das muͦs in ein capellen oder hafen und brenne das also lang, bisz es trucken würt. Gersdorf 61; ein metall auf die capelle bringen, auf der capelle abtreiben; eine capelle schlagen, fertigen. figürlich, auf die capelle bringen, streng prüfen: vielmehr weisz ich zuverlässig voraus, dasz er jeden feinern unterschied, mit dem man seine gelehrsamkeit auf die capelle bringt, für sophistisch erklären wird. Lessing 8, 47.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 605, Z. 32.

kapelle

kapelle,
s. capelle. hier einiges nachträglich.
1)
sprichw. es denkt ein jeder wie er sein capell besingt, in seinen sack. Henisch 678, 44. oberd. betont kápel, káppel (schon mhd. auch káppel, wb. 1, 786ᵃ), cappel, hauscappel Maaler 84ᵇ:
noch suͦchen die kappel und klusen
des sackpfifers von Nickelshusen.
Brant narr. 11, 17;
versündiget an der heil. röm. kapeln (kirchen wolt ich sagen). Alberus wider Witzeln K 8ᵇ;
der ein jungfraw darf (wagt) schwechen,
darf auch in ein capell brechen.
Garg. 63ᵃ (105),
hier und bei Brant wol noch kápèll, s. Lachmann zu Iw. 5887. daher oberd. ortsnamen Kappel, Kappeln, Altenkappeln u. ä. (wie Zell von cella). bair. gilt im oberlande káppel (dazu dem. das kappel), dagegen im unterlande kapéllen. Schm. 2, 315.
2)
kappel n. ist für käpel-lein, 'das cäpele im haus, kleine capell' Maaler 84ᵇ, käpelin aedicula 239ᶜ; keppel hiesz auch die hütte über dem schacht, s. kaue. bei Würzburg das käpelle auf dem Nicolaiberge, käppelein bei Schm. v. j. 1723. die strenge form capellelin Garg. 275ᵃ, capellelein 15. jh. Uhland volksl. 434.
3)
in kirchen heiszen auch kapellen besondere logenähnliche zimmer, zum gebrauch einzelner familien oder behörden bestimmt, familienkapelle, ratskapelle, fürstliche kapelle.
4)
im scherz vom abtritt: der künig gat auch uf das hüslin wie ein andrer mensch ... der pabst der gat auch uf dieselbe capell, wie ein andrer mensch. Keisersb. post. bei Frisch 1, 164ᵇ; gewiss im kloster gebraucht und entstanden, vgl. kanzlei.
5)
für chorus musicus: nachgehends hatten sie ihren mut (vergnügen) musicisch .. ungefährlich wie die bayerisch capell (unter Orlando Lasso). Garg. 175ᵃ (321 Sch.);
ihr tiretilieren die lerchen anstellen
und haben den vorzug mit ihren capellen.
W. Scherfer ged. 140;
morgen frühe ist päpstliche capelle, d. i. kirchenmusik. Göthe 29, 282.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 183, Z. 5.

kapelle

kapelle,
schmelztiegel, coupelle, s. capelle 2, 605: aber wie rein jedes (goldstück) sein mag, kann doch selbst der scheidekünstler nicht eher wissen als bis er es auf die kapelle gebracht hat. Thümmel 3, 108; Aristion wurde als ein bösewicht erfunden, sobald ihn das glück auf die kapelle setzte. Wieland 36, 64. schweiz. einen auf die kapelle setzen, z. b. beim examen ins gedränge bringen. Stalder 2, 86.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 183, Z. 39.

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Zitationshilfe
„capelle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/capelle>, abgerufen am 08.12.2021.

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