Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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catharina

catharina,
die schnelle, laufende Catharine, östr. laufende Catherl, venter solutus, mit hinsicht auf κάθαρμα, κάθαρσις, neugr. καθάρισμος, reinigung: ist ihr leib nicht so zart, schmal und anmutig, als ob sie acht ganzer wochen die schnelle Catharina gehabt hätte? Simpl. 1, 140.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 609, Z. 29.

katharina

katharina,
s. unter C. nachträglich:
1)
zu der 'schnellen katrine', die über fast ganz Deutschland verbreitet scheint (deutschungarisch de Trenn, d. i. Trine, s. Schröer 68ᵃ. 122) vgl. schwäb. kathareinlen, pl. verhärteter augenschleim Schmid 303, also auch eine art flusz, an catarrhus erinnernd, und bair. jungfer kattl, menstruation Schm. 2, 342, wie der durchfall da laufend kattel heiszt. es scheint ein schulwitz aus alter zeit; s. gaderzick.
2)
merkwürdig für verschwörung, geheimes einverständnis: wie wil denn ein fürst oder herr allein so grosze und so viel schelke from machen in seinem hofe und lande? sonderlich wo dieselbigen wollen so frei und gewaltig sein, dazu eine heimliche Katherin oder Kethen zusamen machen wider iren herrn, derselbig mag denn wol heiszen an eine schöne eiserne jungfraw Kethe gebunden Luther 6, 145ᵃ (ausl. des 101. ps.); dasselbe scheint hundsketten schmieden Mathes. Luther 151ᵇ. aus der Zips in Ungarn gibt Schröer 69ᵃ an ongelegte kêt, kette, eine verabredete sache (vgl.angelegte karte sp. 237).
3)
in appellativischer bedeutung. ein Mari-Kattel ist bair. ein dummes gänschen, eine kátrin, katreí eine plaudertasche (sogar von männern), bei Günther 493 eine plauderkäthe; anderwärts klatschtrine Bernd Posen 125, wie franz. une péronnelle, d. i. Petronella, bair. eine Appel Apollonia Schm. 1, 88; vgl. schweiz. gätschi (dem. wie meitschi) schwätzer, schwätzerin Stald. 1, 426, die gättl, elster bei Abraham a S. Clara? östr. kaderl f. spöttisch für perücke Castelli 178 scheint dasselbe. Anderwärts braucht man die koseform des namens für dummheit; thür., erzgeb. eine alberne Käthe, sächs. thür. eine dumme Trîne, auch nd. dumme Treine Fromm 3, 373. auch bei Fischart Trein, als kellnerin:
hie hie, bäslin Trein,
röste mir disz biszlein zum wein.
Garg. 97ᵇ.
Eine andre nd. koseform ist Kasch, Kaschi, Kaschchen; daher in Ostpreuszen eine liederliche kasche, die abends auf den gassen erwerb sucht. Hennig 118, vgl. kaschandern. Früher auch für mädchen, dirne überhaupt, wie Grete:
säh er (der geistliche) zu kirchen nit Katherin,
er käm in zwenzig jor nit drin.
Murner geuchm. 1078 Sch.;
fasz dein gelerntes handwerk wol (mahnung an junge männer),
verschaff dir wohnung, pflug und eg,
und dich darnach zur Kethen leg.
Ringwald l. w. 175 (156),
ehrbar, 'dánn denk an die liebe'; im volke hört man noch meine Käthe meine frau, die frau des Kasperle im puppenspiel heiszt so. dagegen wie vorhin Kasche:
die wahrheit steht bei mir viel höher an dem brete
als Strephon in der gunst der geilen Apfelkäthe.
Günther 463, s. apfel 1, 533
auch so wird, käfern gleich die von der rose fliehn ..
er bald zum Kätgen gehn, das mit beschmutzten küssen
den brand, den Iris zeugt, ums geld wir löschen müssen.
Haller (1777) 147;
gleichen sinn hat die franz. koseform des namens, Catin. daher in des Mephistopheles 'moralischem lied' unter Gretchens fenster:
was machst du mir
vor liebchens thür,
Kathrinchen, hier
bei frühem tagesblicke?
Göthe 12, 192.
jenes Käthchen ist übrigens die gültigste koseform, auch nl. Kaatje; die derbere ist Käthe (engl. Kate, Kitty):
sich baderin Kett,
bereit ein bett.
Fischart Garg. 96ᵇ,
wieder zugleich wie Hallers Kätgen; holla Kätterlein, zünd mirs liecht an. ders. groszm. 82, Ketterlin von einer leichtfertigen dirne, zusammen mit Gretlin Murner luth. narr 1524 ; im Freischütz im dem liede 'hier im irdschen jammerthal':
fläschchen sei mein a b c,
mein gebetbuch Katherle.
Fr. Kind.
schlumperkäte, schlumpiges weib Bernd Posen 265. das rotkehlchen heiszt in Leipzig beim volke rotkätchen, schles. rotkatel, katel Weinhold 41ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 276, Z. 6.

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Zitationshilfe
„catharina“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/catharina>, abgerufen am 25.10.2021.

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