Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ceremonie, f.

ceremonie, f.
caerimonia, ritus solemnis, pompa, ceremoniell: haben vil seltzame ceremoni irem gott. Frank weltb. 226ᵃ; in genauer freundschaft und ohne alle ceremonien lebten. Felsenb. 2, 496; tretet also lieber von selbst hinein, ohne weitere ceremonien. Fr. Müller 3, 278.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 610, Z. 34.

zeremonie, f.

zeremonie, f.
(s. th. 2, 610), theils aus mlat. ceremonia der sacralsprache (für das antike caerimonia) entlehnt (daher volksthümlich auf -ō- betont, vgl. u. a. schwäb. H. Fischer 6, 1129, obersächs. Müller-Fr. 2, 699ᵇ), theils, nam. in bedeutung 2, dem franz. cérémonie entnommen und aus diesem grunde noch oft auf der endung betont, was Adelung² 1, 1319 empfiehlt; die umstände und gebräuche einer förmlich-feierlichen handlung 1) im religiösen gebiet, a) die gebräuche beim gottesdienst oder andere acte des cultus oder einzelner riten: zuͦefallender gotsdinst als psallieren, singen, orgeln, gemaͤl und dergleichen c-n Berth. v. Chiemsee 417; chron. d. st. 32, 33; ein yede oberkeyt solt des glaubens, predigens und der c-n halben handeln, wie sie es wuste vor gotte ... zu verantworten J. Agricola sprw. (1534) Q 1ᵃ; an der (schulgesetzlichkeit) ... Christen mit mehr aͤngstlichkeit hangen als die Juden an ihren z-n Lavater verm. schr. 2, 107; von den bestattungssitten der Griechen vor Troja: H. Sachs 12, 293 K.; (die) alten ... augurien, c-n und opfer Herder 20, 30 S.; b) seit der reformation als leere und äuszerliche, daher überflüssige gebräuche angesehen und zugleich das augenmerk mehr auf die gebärden und gesten gerichtet: das unverständig volck zuͦ betriegen, machen sie den leüten ein spiegelfechtens vor augen mit iren c-n und gauklerey ... c. ... heiszen uszerliche geberde, die man in den kirchen zuͦ gottes dienst uͤbet, als mit neygen ..., cleidungen, singen, reüchen ... M. Butzer n. Karsthans 33 ndr.; daher denn els. und lothr. soviel wie vorspiegelungen, faxen, gaukeleien: Martin-L. 2, 913ᵃ; Follmann 556ᵃ; gesunken im werthe: manche c-n (beschwörungshandlungen) wurden begangen Göthe 25, 1, 155 W.; mutter M. ... wurde feierlichst mit allen üblichen z-n als hexe verbrannt Gaudy s. w. 14, 102; 2) fast aller wichtigen acte des öffentlichen und privaten lebens (s. zeremoniell): volkoͤmliche macht, die c-n der undertraw mit der tochter von Franckreych in seinem namen ... zu volbringen Stumpf Schweizerchron. 271ᵃ; z-n bei einer krönung, einer festlichkeit bei hofe, beim empfang eines gesandten: Frisch 1, 167ᵇ; Adelung² 1, 1319 (noch jetzt üblich); des bürgerlichen rechtslebens: Heyden Plinius 239; auch des gesellschaftlichen verkehrs, soweit darin steife form gilt: diesem nach sind die c-n ... ein groszer theil der hoͤflichkeit Harsdörfer secr. 2, A 3ᵃ; unter lächerlichen z-n Schiller 13, 382 G.; u. a.; 3) die einzelne feierliche handlung: nach der z. (der trauung) Chr. L. Heyne in d. erzähl. 15 lit.-denkm.; Fontane I 2, 75; z-n kirchliche aufführungen Martin-L. 2, 913ᵃ; Follmann 556ᵃ. — dazu zss. zeremonien-buch, n.: c. der katholischen kirche Rosegger schr. II 2, 77. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1932), Bd. XV (1956), Sp. 669, Z. 49.

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Zitationshilfe
„ceremonie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ceremonie>, abgerufen am 25.10.2021.

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