Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

ch

ch,
hat mehrfache geltung,
1)
ist es die organische hochdeutsche kehlaspirata der auslaute und inlaute, an stelle der gothischsächsischen tenuis: bach dach brach flach sprach blech frech pech brich dich ich mich sich stich bottich rettich joch loch bruch spruch buch gleich reich streich bleich auch lauch rauch euch siech; mache sache rache sprache breche spreche zeche pichen sicher sichel strichen wichen gebrochen gerochen woche buche suchen reichen weichen zeichen brauchen rauchen stauchen riechen siechen. anderemal vertritt ch die reine spirans, wie schon mhd. geschah: doch hoch nach noch. ebenso haftet es vor t und s, liege ihm goth. k oder h zum grunde: acht beicht brachte fechten geflecht flucht hecht licht macht nacht nicht recht schlecht spricht wicht wucht; ch lautet uns ks: wachs wachsen lachs dachs fuchs luchs achse achsel wechsel. nach liquiden dauert ch in drilch milch zwilch zwerch, ist aber sonst zu k geworden: falke schalk bank dank werk wirken. ähnlich ist block für bloch eingedrungen.
2)
unser g steht anlautend dem k, in- und auslautend dem ch näher, wie sich z. b. an dem worte gegen bewährt, dessen erstes g anders klingt als das zweite; nur die tonlose partikel ge empfängt auch anlautend die aussprache des inlautenden g und gegeben ist mehr chekeben als kekeben, wenn dieses auch die volkssprache vieler gegenden festhält. hieraus begreifen sich nun übergänge des ch in g, wir schreiben essig billig völlig unzählig für essich billich völlich unzähllich, in den drei letzten wurde ig und lich verwechselt. das 17. 18 jh. setzt häufig mädgen bübgen rädgen für mädchen bübchen rädchen, und welcher unterschied sollte in der aussprache beider sein? umgekehrt wurde manch aus manig.
3)
anlautendes ch dauert uns nur in wenigen wörtern fort, die die folgende aufzählung hervorheben wird. in der regel aber sind alle ahd. ch anlaute schon mhd. k gewesen, geschweige später. dies k steht also von den anlauten f oder pf und z empfindlich ab und stört den parallelismus der lautstufen. oberdeutsche dialecte, vorab der schweizerische und alemannische, wahren das rechte ch und sprechen überall cha chappe chatz chalb chefer chilche chli chlotz chnopf chriesi für unser kann kappe katze kalb käfer kirche klein klotz knopf kirsche.
4)
fremde wörter anlangend, hat uns anlautendes griech. ch die aussprache von k, franz. ch von sch, doch bei längerer einbürgerung wird auch sch geschrieben, schalmei, schaffot, neben charmant, charpie.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 610, Z. 41.

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Zitationshilfe
„ch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ch>, abgerufen am 25.10.2021.

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