Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

character, m.

character, m.,
ein dem ohr des volks seltsam lautendes wort, für dessen verschiedne bedeutungen wir unsere eignen ausdrücke mahl, bild, zeichen, art, sitte, gepräge hätten heranbilden sollen.
1)
character, typus. mhd.
der karakter a b c
muoser hân gelernet ê.
Parz. 453, 15.
2)
unterscheidendes merkmal, kennzeichen, grundzug: der sache ist ein unvertilgbarer character aufgedrückt; das ist der character alles dessen was er thut; bäche und gebüsch geben dieser gegend einen anmutigen character; es musz jede wirkende ursache einen character haben, d. h. ein gesetz ihrer causalität, ohne welches sie gar nicht ursache sein würde. Kant 2, 421; machen sie mir doch einen kleinen character von ihr (schildern sie mir ein wenig). Gellert 3, 138.
3)
indoles, gemütsart, wie sie sich in den menschen ausgeprägt hat: der wille, der von den naturgaben gebrauch machen soll und der darum character heiszt. Kant 4, 10; wenn man unter character überhaupt das versteht, wessen man sich zu einem sicher zu versehen hat, pflegt man dazu zu setzen 'er hat diesen oder jenen character', und dann bezeichnet der character die sinnesart. einen character aber schlechthin haben, bedeutet diejenige eigenschaft des willens, nach welcher das subject sich selbst an bestimmte practische principien bindet, die es sich durch eigne vernunft vorgeschrieben hat. 10, 325; das ist ein character = ein mann von festigkeit des willens; ein edler, liebenswürdiger, ein schroffer, mürrischer character; die verschiedenheit der charactere zeigt sich in unendlichen abstufungen; ein ganzes schauspiel mit allen seinen acten, scenen, characteren und verwicklungen. Göthe 18, 196; im roman sollen vorzüglich gesinnungen und begebenheiten vorgestellt werden, im drama charactere und thaten. 19, 181;
es bildet ein talent sich in der stille,
sich ein character in dem strom der welt.
9, 113;
denn recht hat jeder eigene character,
der übereinstimmt mit sich selbst.
Schiller 366ᵇ.
4)
stand, amt, rang, titel: wir wirte sind angewiesen, keinen fremden, wes standes und geschlechts er auch sei, vier und zwanzig stunden zu behausen, ohne seinen namen, heimat, character, hiesige geschäfte, vermutliche dauer des aufenthalts und so weiter gehörigen orts schriftlich einzureichen. Lessing 1, 529; mahlern oder schullehrern pflegt der character eines professors verliehen zu werden. das volk braucht richtiger zeichen: er ist seines zeichens ein schuster.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 611, Z. 7.

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Zitationshilfe
„character“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/character>, abgerufen am 26.11.2020.

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