Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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charfreitag, m.

charfreitag, m.
trauerfreitag, in dieser zusammensetzung, wie in der von charwoche, hat sich das ahd. chara luctus, goth. kara, alts. cara, und zwar in strengahd. gestalt bewahrt. mhd.
eʒ ist hiute der karfritac,
des al diu werlt sich freun mac,
und dâ bî mit angest siufzec sîn.
Parz. 448, 7;
der winstock wart gezogen
vier und driszig jar
bisz an den carfritag,
do wart er zitig gar.
lied des 15 jh. bei Wackern. 976, 10.
Alberus wider Witzel M 6ᵃ schreibt karfreitag.
mit flammenschrift war innigst eingeschrieben
Petrarcas brust vor allen andern tagen
charfreitag.
Petrarcas liebe, die unendlich hohe,
war leider unbelohnt und gar zu traurig,
ein herzensweh, ein ewiger charfreitag.
Göthe 2, 18,
der dichter selbst singt:
era 'l giorno, ch' al sol si scoloraro
per la pietà del suo fattore i rai.
son. 3.
sonst heiszt charfreitag it. venerdi santo, franz. vendredi saint, poln. wielki pia̜tek, böhm. welký pátek, der grosze freitag, ebenso lett. leela peekdeena, litt. aber tykoji petnyczia, der stille freitag. dän. langfredag, schw. laͦngfredag und danach finn. pitkäperjantai. nnl. goed vrijdag, engl. the good friday. auch unter uns sind der gute, der stille freitag üblich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 612, Z. 12.

karfreitag, m.

karfreitag, m.
s. charfreitag. in den fastnachtspielen oft im gegensatz zur fastnacht:
solch narren man heut geren sicht
der man am karfreitag gert nicht.
wer es aber am karfreitag wolt anfahen,
mit kamerlaugen wurd man im zwahen.
Keller 92, 5, vgl. 329, 14. 773, 3;
wer ich (rühmt sich die fastnacht) an dem karfreitag gefallen,
man solt dennoch mein fest und zeit
began in aller cristenheit weit.
379, 22;
spar deine andacht nicht bis aufs tanzhaus und deine fastnacht nicht bis zum karfreitag. Simrock spr. 300; mit der wahrheit spielt man alle tage den karfreitag. 11154. auch die andern tage der charwoche finden sich so benannt, z. b. in einem religiösen volksliede von der Eifel bei Schmitz sitten und sagen 1, 79. 80 charmontag, chardienstag, charmittwoch, charsamstag. Das merkwürdig bewahrte kar, wehgeschrei, klage, ist in der vollen alten bedeutung und auszerkirchlich erhalten in dem kartag der deutschen gemeinden in den venetian. alpen, 'tag an welchem ein verstorbener unter klaggeschrei beerdigt und dann das leichenmahl gehalten wird' Schmellers cimbr. wb. 134ᵃ (s.karjammer); der karfreitag ist urspr. nur ein solcher kartag auf Christum angewandt, und er findet sich selbst so genannt, s. kartag Scherz 761, sodasz das ahd. garotag, altcöln. gardaich 'parasceue' für karfreitag (Diefenb. goth. wb. 2, 444) wie umdeutung erscheint. das kar scheint auch enthalten in altn. isl. karfasta f. fasten in der fastenzeit, und in schott. care sonday palmsonntag oder der sonntag vor diesem, letzteres altn. kærusunnudagr, altdän. kæresöndag u. a., engl. chare thursday grüner donnerstag bei Spenser.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1864), Bd. V (1873), Sp. 212, Z. 12.

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Zitationshilfe
„charfreitag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/charfreitag>, abgerufen am 26.11.2020.

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