Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

chor, m. und n.

chor, m. und n.
chorus, kreis, pl. chöre, früher auch chore und schwach choren.
1)
chor der singenden sowol als der angestimmte gesang: der erste, der andere chor; der höhere und der niedere chor; chor der männer und frauen; und die sahen zween chor propheten weissagen. 1 Sam. 19, 20; ein lied im höhern chor. ps. 120, 1. 121, 1; ein lied Davids im höhern chor. 122, 1 und öfter (canticum graduum); chor der musen;
öfnet die himmel, aufschlieszet die thore,
David kömpt wieder, drümb stimmet die chore.
Hanmann zur poeterei 155;
das himmlische geflügel
stimmt an den süszen chor.
Opitz;
ins höhere chor der vollendeten gehen.
Messias 10, 259;
das unsichtbare chor fiel in die letzten worte ein. Göthe 10, 257; das ganze chor von vögeln. 33, 149; das chor der parzen, welches mit gesang eintritt; steht neben mir, dragoner, helft im chor ausfüllen, ihr wiszt ja den alten bekannten chorgesang, brennender herzen nachtfeier genannt. Fr. Müller 3, 109.
2)
chor überhaupt kreis, reigen, menge, ohne bezug auf gesang:
ein chor der stillen freuden.
Uz 1, 20;
ein sternenheer, das chor der nacht.
1, 32;
das chor der jungen stunden (horen).
Gotter 1, 164;
in wessen herzen der höhere ruf verstummt, der ist der gemeinschaft unsrer frommen chöre (der klosterleute) unwürdig. 3, 70;
mich dünkt, ich hör ein ganzes chor
von hundert tausend narren sprechen.
Göthe 12, 131;
der freunde heilig chor.
Pfeffel 5, 5;
ein mann, schrie nun das chor, der jede weiberlist, den stillsten mädchenwunsch versteht. Thümmel 2, 59; ein blindes invalidenchor. 6, 176; das scheue chor der oreaden. 6, 255.
3)
ort in der kirche, wo sich die sänger aufstellen, die innere stelle um den altar, gegensatz des schiffes; in der protestantischen kirche die emporbühne, von welcher gesungen und musicieret wird: und er bawet einen umbgang an der wand des hauses rings umbher, das er beide umb den tempel und chor hergieng. 1 kön. 6, 5; und bawet daselbst inwendig den chor und das allerheiligst. 6, 16; aber den innern chor des tempels wirf hinaus und misz in nicht, denn er ist den heiden gegeben. offenb. Joh. 11, 2;
da waren unterschiedne chorn,
viel zimmer und erhobne thorn.
Ringwald tr. Eck. B 6ᵇ;
als ungesehen jetzt vom hohen chor
herab die orgel anfieng sich zu regen.
Schiller 502ᵈ;
ich würde hinten einen schönen, runden chor anlegen lassen. Fr. Müller 3, 345.
4)
man sagt zu chore stehn, zu chore gehn: das sie mit euszerlichen salben gesegnet sind, kronen tragen, sonderlich kleider tragen, sonder gebet und werk thun und mess halten, zu chor stehen. Luther 1, 267ᵇ. zu chor treiben hiesz bewältigen, gehorsam machen, gleichsam die schüler zum chor treiben; ähnlich dem zu paaren treiben, die rosse zur krippe bringen (1, 1138): denn wenn gott die kleinen und bösen junkherrn will zu chor treiben, so lesset er ein mechtigs reich aufkommen. Mathesius 82ᵇ; niemals konnte ich ihn besser zu chor treiben, als wenn ich eine gleichsam unsinnige liebe gegen ihn bezeugte. Simpl. 2, 127. vgl. zu kreise bringen. Schweinichen 2, 124.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 617, Z. 33.

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Zitationshilfe
„chor“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/chor>, abgerufen am 25.10.2021.

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