Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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klassisch, classisch

klassisch, classisch,
1)
im gebiete der kunst und schönen wissenschaften, mustergültig, meisterhaft; lat. bei Gellius scriptor classicus schriftsteller ersten ranges (classicus assiduusque aliquis scriptor, non proletarius 19, 8, 15), übertragen von cives classici, die der ersten, bevorzugten classis von den fünf oder sechs classes des Servius Tullius angehörigen bürger, wie diese classe im alten strengen sinne allein classis hiesz.
a)
classisch nannte man anfangs nur die mustergültigen dichter und schriftsteller des römischen und griechischen alterthums, ebenso alles was sich auf sie oder auf die alte kunst oder auch auf die 'alten' überhaupt bezieht: die klassischen dichter, die klassische geschichtschreibung, die klassische literatur, das klassische alterthum, klassische kunst, klassische verse, der klassische hexameter; die klassischen studien, klassische bildung, klassischer geschmack, stil; es (Wielands Agathon) ist der erste und einzige roman für den denkenden kopf, von klassischem geschmacke. Lessing 7, 314; gute muster von klassischem ansehen. briefe die neueste litt. betr. 13, 103;
froh empfind ich mich nun auf classischem boden begeistert.
Göthe 1, 265 (röm. eleg. 5);
da ich mich auf dem überclassischen boden in einer poetischen stimmung fühlte. 28, 205 (ital. reise, 7. mai 1787). jetzt sagt man dafür schon öfter altklassisch.
b)
der begriff hat sich nämlich erweitert in mustergültig überhaupt, künstlerisch vollkommen, zum vorbild tauglich: lies die classischen schriftsteller unsrer nation. Gellert (1784) 5, 251; charakter unserer claszischen schriftsteller, Winkelmanns, Hagedorns, Mosers, Abbts u. s. w. Herder 18. fragment über die neuere deutsche litt., register; ein deutscher Homer, Aeschylus, Sophokles, der im deutschen eben so klaszisch ist als jene in ihrer sprache. das. (1767) 1, 73; worauf klassische jungen (ironisch, frühreife dichterjünglinge) ihre unleserlichen gedanken geäuszert haben. J. Paul jubelsen. 38; klassisches deutsch, klassisches französisch, wie klassisches latein (selbst klassisches mittelhochdeutsch ist nun nicht unerhört, wie klassiker des mittelalters); ein klassischer ausspruch, in form und inhalt von höchster reife, mustergültig; jedes wort, was Schiller über diesen gegenstand gesagt hat, ist klassisch. Gervinus nationallit. 4, 169 (1843); die klassische epoche einer literatur oder kunst, die epoche der höchsten reife. auch von wissenschaftlichen werken: es ist kein zweifel dasz sie (Gottscheds deutsche. sprachkunst) sich klassisch machen werde. Wedekind (i. j. 1748) bei Danzel Gottsched u. seine zeit 230.
c)
auch auf ganz andere gebiete wird es bezogen; wie Italien das klassische land der kunst heiszt, so nennt man, diesz nachahmend, z. b. Spanien das klassische land der romantik, England das klassische land der freiheit. man spricht von klassischer naivetät, grobheit u. ä., mit einer art künstlerischer auffassung der grobheit, oder auch im anschlusz an den begriff a.
d)
in der kunstwelt braucht man klassisch als gegensatz von romantisch oder auch von naturalistisch u. dgl.Das subst. dazu ist, garstig genug, klassicität.
2)
ungewöhnlich, aber gut als adj. zu klasse: der klassische unterschied der abkömmlinge eines stammes. Kant 10, 57.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1006, Z. 64.

klassisch, classisch

klassisch, classisch,
1)
im gebiete der kunst und schönen wissenschaften, mustergültig, meisterhaft; lat. bei Gellius scriptor classicus schriftsteller ersten ranges (classicus assiduusque aliquis scriptor, non proletarius 19, 8, 15), übertragen von cives classici, die der ersten, bevorzugten classis von den fünf oder sechs classes des Servius Tullius angehörigen bürger, wie diese classe im alten strengen sinne allein classis hiesz.
a)
classisch nannte man anfangs nur die mustergültigen dichter und schriftsteller des römischen und griechischen alterthums, ebenso alles was sich auf sie oder auf die alte kunst oder auch auf die 'alten' überhaupt bezieht: die klassischen dichter, die klassische geschichtschreibung, die klassische literatur, das klassische alterthum, klassische kunst, klassische verse, der klassische hexameter; die klassischen studien, klassische bildung, klassischer geschmack, stil; es (Wielands Agathon) ist der erste und einzige roman für den denkenden kopf, von klassischem geschmacke. Lessing 7, 314; gute muster von klassischem ansehen. briefe die neueste litt. betr. 13, 103;
froh empfind ich mich nun auf classischem boden begeistert.
Göthe 1, 265 (röm. eleg. 5);
da ich mich auf dem überclassischen boden in einer poetischen stimmung fühlte. 28, 205 (ital. reise, 7. mai 1787). jetzt sagt man dafür schon öfter altklassisch.
b)
der begriff hat sich nämlich erweitert in mustergültig überhaupt, künstlerisch vollkommen, zum vorbild tauglich: lies die classischen schriftsteller unsrer nation. Gellert (1784) 5, 251; charakter unserer claszischen schriftsteller, Winkelmanns, Hagedorns, Mosers, Abbts u. s. w. Herder 18. fragment über die neuere deutsche litt., register; ein deutscher Homer, Aeschylus, Sophokles, der im deutschen eben so klaszisch ist als jene in ihrer sprache. das. (1767) 1, 73; worauf klassische jungen (ironisch, frühreife dichterjünglinge) ihre unleserlichen gedanken geäuszert haben. J. Paul jubelsen. 38; klassisches deutsch, klassisches französisch, wie klassisches latein (selbst klassisches mittelhochdeutsch ist nun nicht unerhört, wie klassiker des mittelalters); ein klassischer ausspruch, in form und inhalt von höchster reife, mustergültig; jedes wort, was Schiller über diesen gegenstand gesagt hat, ist klassisch. Gervinus nationallit. 4, 169 (1843); die klassische epoche einer literatur oder kunst, die epoche der höchsten reife. auch von wissenschaftlichen werken: es ist kein zweifel dasz sie (Gottscheds deutsche. sprachkunst) sich klassisch machen werde. Wedekind (i. j. 1748) bei Danzel Gottsched u. seine zeit 230.
c)
auch auf ganz andere gebiete wird es bezogen; wie Italien das klassische land der kunst heiszt, so nennt man, diesz nachahmend, z. b. Spanien das klassische land der romantik, England das klassische land der freiheit. man spricht von klassischer naivetät, grobheit u. ä., mit einer art künstlerischer auffassung der grobheit, oder auch im anschlusz an den begriff a.
d)
in der kunstwelt braucht man klassisch als gegensatz von romantisch oder auch von naturalistisch u. dgl.Das subst. dazu ist, garstig genug, klassicität.
2)
ungewöhnlich, aber gut als adj. zu klasse: der klassische unterschied der abkömmlinge eines stammes. Kant 10, 57.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1006, Z. 64.

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Zitationshilfe
„classisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/classisch>, abgerufen am 28.11.2020.

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