Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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cobel, cobele, n.?

cobel, cobele, n.?
die Deutschen nennen den schwarzen teufel und die alten teufelshuren und cadartin alte und schwarze cobel, die vihe und leute mit irer zauberei und gift und gaben schaden thun. Mathesius 109ᵇ; David, das schöne kindlein, war von mutterleibe ein rechtes cobele. 114. von David heiszt es 1 Sam. 16, 12 er war braunlicht, mit schönen augen und guter gestalt, und das läszt doch nicht an kobold, gobelin denken, worauf die erste stelle gehn könnte. kobel, taubenkobel, taubenhaus (Schm. 2, 275) erklärt ebensowenig, eher dürfte 'du blinde kobel' bei Schm. 2, 276 helfen. s. auch das folgende adj.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 629, Z. 28.

kobel, m.

kobel, m.
1)
enges schlechtes haus, angustum domicilium. Schönsleder f 5ᵈ, Schmeller 2, 275, noch nürnb. siechkobel, pl. köbel, für alte leute zu unentgeltlichem unterhalt (sondersiechenkobel pl. Schades sat. u. p. 3, 106), ursprünglich krankenhäuser, wie spital beide bed. hat; Schmeller weist es aus mon. boica 25, 64 von 1450 nach; auch schwäb. Schmid 321. vergl. köbler.
2)
hütte, haus für thiere: 'kobel, gallistallum, est locus ubi gallinae consedunt, vel porcorum' voc. inc. teut. n 3ᵇ, hühnerstall und koben, schweinekoben; hennekobl, gallinarium Schönsleder b 4ᵃ, taubenkobel taubenschlag, schwäb., fränk., bair., östr.: vom hünerhaus oder kobel. Hohberg 2, 321, der taubenkobel. 2, 346ᵇ. bair. auch eichhornkobel, nesthöhle des eichhorns, wie bei Nemnich 4, 1380: (die schneeeule) baut kein eigenes nest, sondern nimmt ... die kobeln der eichhörnchen ein, ob der schwache pl. echt ist? s. vorhin unter 1 köbel.
3)
kobel, der kutschkasten, wo man die füsze hin setzt. Steinbach 1, 889, Frisch 1, 530ᵇ. eine einzelne anwendung des allgemeinern begriffs 'verschlag', den Castelli 183, Tschischka 188 aus Östreich geben (gleich koben 1, d).
4)
schwäb. wehr im flusse. Schmid 321. s. kobelwehr, koben 2, b und kober 2.
5)
kobel ist deutlich dem. von koben, kobe, nach dem beibehaltnen masc. geschlecht von hohem alter. das mhd. kobel bei Helbling 1, 626 ist gewiss nicht 'überzug' (wb. 1, 855ᵇ), es scheint der kobel, kasten, zum kobelwagen, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1539, Z. 41.

kobel, m.

kobel, m.
teufel, böser geist, pl. kobel.
1)
im allgemeinen: da ward der kobel und teufel zornig. Luther tischr. 211ᵃ; die Deutschen nennen den schwarzen teufel und die alten teufelshuren und cadartin alte und schwarze cobel. Mathesius Sar. 109ᵇ (10. pred.); schwarz wie der cobel. 112ᵃ; schlacken ist die unreinigkeit, so von cobelt und zusetzen kommet, gottlose leut kommen auch vom teufel, dem rechten cobel her. das., diesz doch zwischen 1 und 3 schwebend, selbst mit beimischung von 4.
2)
von bösen menschen: Christus .. wird die fromme zur seligkeit annehmen ... die böse kobel den schwarzen engeln ... hinterlassen. V. Herberger evang. herzpost. 677.
3)
der berggeist, kobold der bergleute: daemon subterraneus mitis, bergmennel, kobel, guttel. G. Agricola de animantibus subterraneis (animantium nomina); es lesset sich oft auch das bergmändlein und cobele oder gütlein darinne sehen und hören. Mathesius Sar. 210ᵃ (15. pred.), doch wird diesz kobele für kobelein stehn, s. dort.
4)
kobel bergmännisch für kobalt (ein späterer beleg schon dort unter 5): dise coblichten handstein lerne nun ein jeder in seinem herzen kennen und wann (wannen) dise cobelart kommen ist, nemlich ausz dem bösen geiste. Mathesius Sar. 112ᵇ; kobelerz 110ᵃ; davon koblicht, köblicht (s. d.), kobaltisch.
5)
dazu selbst ein fem., in einem voc. um 1420 in Kleins historiae avium prodromus Lübeck 1750: syrena, cobelle. 237ᵇ.
6)
das wort hängt eng mit dem schwierigen kobolt (kobalt) zusammen, es fragt sich ob es blosz aus kobelt gekürzt sein kann. Mathesius scheint es in der 3. bed. auszer der zusammensetzung nicht zu brauchen, während ers in der 1. 2. bed. mitten zwischen kobelt und kobalt setzt (s. unter kobalt 5). s. weiter kobelein, kobelwerk, kobelbad, die doch für ein selbständiges kobel sprechen, besonders aber das fem. unter 4, zumal bei seinem alter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1539, Z. 67.

kobel, m.

kobel, m.
eine viehseuche: es sollen die metzger an den orten, da der kobel unter dem vieh und dasselbe krank ist, kein vieh kaufen. Schmeller 2, 276 aus einer oberpfälz. verordn. von 1657. vielleicht nichts als das vorige in einer begreiflichen anwendung, der bergmännischen unter 4 ähnlich (s. kobalt 4).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1540, Z. 21.

kobel, m.

kobel, m.
fels, berg: die menschen laufen hin und laufen her, aufsteigen die kobel und die berg u. s. w. (suchend, forschend). A. v. Eybe 43ᵃ (vgl. unter ausecken aus einer andern ausg.); gefallen von ainem fels oder kobel. votivtafel in Altenötting bei Schmeller 2, 276. appenz. chobel überhangender fels Tobler 113ᵇ. s. kofel, kopf II, B, 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1540, Z. 26.

kobel, m.

kobel, m.
schlesisch, gelenkknochen der schafe; es wird ein fangspiel damit gespielt, das kobeln, dem sächs. knöcheln entsprechend (s. d.), s. Weinhold 45ᵇ. in Siebenbürgen heiszt bei demselben spiele, dort pitziknôchen genannt und 'mit den würfelknochen des lammes' gespielt, der knöchel 'durch dessen treffen das spiel gewonnen wird', kâbla fem. (Haltrich plan 15ᵃ), dasselbe wort in weiblicher bildung und eingeschrumpfter bedeutung. es musz danach alt sein, knöbel klingt nur zufällig an.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1540, Z. 32.

kobel, fem.

kobel, fem.,
equa, ein merkwürdiges wort
1)
kobel stute bei Stieler 617, Frisch 1, 530ᵇ, aber auch schlechtes pferd, mähre, equus deterior; letzteres nur die gewöhnliche entartung alternder wörter. daher als schimpfwort:
noch sprichst du blinde kobel fort,
alls was er schreib sei gottes wort.
spottreime des 16. jh, s. Schm. 2, 276.
der alte begriff im 15. jh.: kobel, equa. Dief. 206ᵃ md., auch in einem Breslauer voc. von 1422 'equa, mere ader kobel', und schon bei Jeroschin (s. kobelmilch). aber auch oberd. im 14. jh., in eigner form: die kobäuln oder die pfärtmüeter. Megenberg 137, 7. Es hat sich im fernen osten erhalten, im Temeser banat kobal stute (neues laus. mag. 42, 320), im ungr. berglande kobel, kobal, kobala n. Schröer 72ᵃ (wol als demin.). aber auch in Ostpreuszen kobbel stute Hennig 128, Kuhns zeitschr. 1, 418, wo aus einer urk. derselben landschaft von 1337 stutkobeln pl. und demin. kobilchen, stutfüllen angeführt wird. auch in dem namen Kobelhirt lebt es noch.
2)
die verwandtschaft bietet schwierige fragen.
a)
völlig einstimmend ist nämlich altslavisch kobyla f. stute Miklosich 294ᵃ, russ. kobyla, oberwend. kobła, niederw. kobula, kobyla, sloven. kobíla, die dort heimisch erscheinen, denn böhm. heiszt z. b. auch das heupferd, die heuschrecke kobylka f., sloven. kobílica, d. h. pferdchen, stutchen. dazu wol auch lettisch kêwe stute, vergl. litt. szebélka alte stute, lat. caballus gaul, gr. καβάλλης, vgl. gesch. d. d. spr. 30, Dief. goth. wb. 2, 726.
b)
die entlehnung des deutschen wortes von den Slaven ist aber doch nicht sicher, selbst dann nicht wenn das ostmd. wort sich wirklich an das sl. angelehnt hat, was auf einen alten vorzug der sl. pferdezucht im osten weisen würde. es gibt aber ein schwäb. wort, das von kobel stute nicht zu trennen ist: kôb m. gaul, dazu wol ebenda kob, auch kobel, grillekobel als schimpfwörter Schmid 321 (letzteres eig. heupferd, wie kobylka unter a?), und dazu gehörig koppe f., mähre (s. d.).
c)
überhaupt scheint der wortstamm auch im übrigen Europa älter heimisch als die Slaven, denn es gibt auch nordengl. schott. capul, caple, altengl. auch capyll, capil, keffle ross, und einfacher capo (s. Halliw.). merkw. auch altn. kapall m. pferd, packpferd (kapal-hestr) Möbius 225, Fritzner, das aber is merkw. als n. und stute angegeben wird Biörn 1, 441ᵇ. endlich auch keltisch, wie ir. gael. capull. man sieht diese alle meist als aus caballus genommen an, das aber deutlich nicht zur erklärung aller genügt. das ganze macht den eindruck eines alteurop. wortes, das im anlaut der verschiebung entgieng. vgl. auch mlat. caba hengist Germ. 9, 19, Dief. n. gl. 63ᵃ. 246ᵃ, und schwed. dial. kamp, kampe m. pferd, mähre Rietz 306ᵃ, dän. dial. kamp, norw. gamp.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1540, Z. 40.

kobel, f.

kobel, f.
elsäss. kopfzeug der frauen, haube. Frisch 1, 530ᵇ, der kein geschlecht angibt, Adelung m., Weigand f., wie nnl. kovel f. mönchskappe, kapuze, mnl. covel hor. belg. 7, 12ᵇ, covele culla 17ᵇ, bei Kil. auch kovel der vrouwen, calantica. auch nrh. covel caputium, cuculla Teuth. 46ᵇ, Dief. 99ᵇ. 160ᶜ. es ist gewiss den Rhein auf gewandert. Dazu stimmt ags. cufle f. cuculla Ettm. 384, altengl. cuvele, covele Stratm. 133; auch altn. kufl, kofl m. Egilss. 479ᵃ (vgl. kofri m. mütze). Das nl. wort heiszt auch keuvel m., vgl. kuif f. haube, mnl. coifie, frz. coiffe, ital. cuffia, mlat. cofea haube, cofa helm, s. Diez 119. die urspr. heimat des wortstammes ist fraglich. er erscheint aber auch bei uns früh heimisch, s. kobellerche, kobelmeise, kobelente.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1541, Z. 9.

köbel, m.

köbel, m.
im bergbau, gefäsze zum ausschaffen des gesteins: die köbel fassen gar nach bei (beinahe) sechs und dreiszig kannen, soviel als ein tonnen begreift. Ph. Bechius, Agricolas bergwerk übers. (1557) 114. noch jetzt im sächs. bergbau köbel, es ist wol nichts als kübel mit md. vocal.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1541, Z. 21.

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Zitationshilfe
„cobel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/cobel>, abgerufen am 16.10.2021.

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