Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

compagnie, f.

compagnie, f.
consortium, nach französischer schreibung, denn wir sprechen compani (wie ehmals comedi) aus, ohne das g hören zu lassen, das wir auch in compan nicht schreiben, und mhd. setzte man compânîe, cumpânîe. ein seit dem mittelalter durch ganz Europa verbreitetes wort, it. compagnia, sp. compañia, franz. compagnie, engl. company (wie comedy, history), poln. kompania, böhm. kumpanye, die Niederländer haben es nicht aufgenommen. Diez s. 108 leitet es aus panis, doch scheint es von pagus land zu stammen, compagania landsmannschaft ausgedrückt zu haben, vielleicht bestand auch ein neutrales compaganium, gekürzt companium. in einem zusalz der lex salica (Merkel s. 73) findet sich conpanium und compagensis. accompagnare, accompagner ist mit einem über land gehen, ihn im lande geleiten. dieses zusammenhangs von compagnie mit pagus, it. paese, sp. franz. pais, so wie mit accompagner, wurde man aber frühe schon uneingedenk und nahm es blosz für gesellschaft. weniger für sich hat die herleitung von compages. Hier folgen einige mhd. belege:
erbôt im kumpânîe.
Parz. 147, 18;
si sainte compânîe,
sus heilige geselleschaft.
Trist. 69, 6;
si unde ir compânîe.
122, 16;
diu liehte compânîe.
237, 20.
doch scheinen sich nhd. belege aus dem 15. 16 jh. (wo auch burse, bursch sp. 547 fast denselben sinn erfüllte) keine zu ergeben, erst in und nach dem 30 jährigen kriege beginnt das wort allgemein zu werden und zwar hauptsächlich in der bedeutung einer rotte von soldaten im regiment, z. b. Simpl. 1, 223. 234. 307;
dort zeigt sich ein squadron,
hier eine compagnie, und ist gefasset schon,
dasz sie dem feinde steh.
Fleming 168;
dagegen für gesellschaft:
du schöne compagnie, dank habe deiner ehre,
dasz du mich auch nimmst ein.
171;
bei Weise, Ettner u. a. m. ist es allenthalben in diesem sinn anzutreffen: wollten der schönen compagnie das geleite geben. erzn. 7; da risz die compagnie wieder aus. 12; wenn man aus einer ehrlichen compagnie gestoszen wird. 29; was sonst vorgelaufen, weisz unsere compagnie nicht. 148; war ich in einer compagnie. klügste leute 90; doch durfte er in keine compagnie riechen, so war hurenkind sein bester titel. 105; die liebwertheste compagnie. unw. doct. 831; die compagnie legte zusammen. 833; es liesz sich niemand in der compagnie merken. 843. auch noch im 18 jh.: so oft sie miteinander in compagnie kämen. irrg. der liebe 551; die vornehmsten compagnien besuchen. 580; weil ich in compagnie kein voll glas vor mir sehen kann. Fr. Müller 2, 179; hoffe, die compagnie auf morgen soll brav zahlreich sein. 3, 366. doch hat unser deutsches gesellschaft allmälich wieder die oberhand erlangt und wird schon seit Gellert vorgezogen, nur für die bedeutung im soldatenregiment haftet compagnie gänzlich. das franz. société wird nothwendig durch gesellschaft gegeben, compagnie aber kann noch beibehalten werden, es heiszt in guter gesellschaft sein (en bonne société), in lustiger compagnie.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 630, Z. 75.

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Zitationshilfe
„compagnie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/compagnie>, abgerufen am 27.11.2021.

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