Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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compost, compst, m.

compost, compst, m.
frigidarium compositum. kumpost, kumost. vocab. 1429. 1445 bei Schm. 2, 49, anderwärts gumpisch, gumpist (Stald. 1, 496), gumpost, gumpest, gumbs (weisth. 1, 685), komst, kumpes, sauerkraut, eingemachtes kraut; der new compist, ein frischer combist vom bapst und den seinen etwan über Teutschland eingesalzen. Gödekes Gengenbach 292; ein gesulzten kompost kochen. Kirchhof wendunm. 181ᵇ. it. composta, mescuglio di cose acconce insieme, franz. compote. auch gemischter dünger heiszt compost, compostdünger.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1855), Bd. II (1860), Sp. 633, Z. 66.

kompost, n., m.

kompost, n. m.
mit vielen änderungen und nebenformen, eig. eingemachtes allerlei art, aus dem lat. compositum, eingelegtes, nach dessen volksmäsziger aussprache compostum. im allg. sinne nl. bei Kilian kompost, conditura, salgama, conditanea quaevis in doliolis ad usum conservata, so noch schweiz. gumpist.
1)
eingemachtes kraut u. dgl., hauptsächlich eine art sauerkraut.
a)
biblimen, sawer kompost. Diefenb. wb. von 1470 sp. 51 (biblire gähren, s. Dief. 73ᵃ); compositum, kappeszhaubt, kompost, stinkend krute. Melber voc. var. d 5ᵇ; ha lieber, full und settige din buch mit kompost, der da wite und breit ubel stinket. das., vgl. bei Luther: wilt uns ja fressen, so bitten wir dich, du wolltest unten am gesäsze anheben, so hättest du kompest und senf zuvorn. werke 64, 328; wer (in diesem herbst) nicht wein hat, die fasz zufüllen, der wird sie mit getreid, salz, fleisch (salzfleisch?), kraut, kompost und ruben einfüllen. Fischart groszm. 33 (Sch. 569). Frisius 1175 erklärt salgama mit allerlei kraut und wurzen, die man einsalzet und behaltet zuͦ der speis, compost u. dergl.; frigidarium, compost Dief. 247ᶜ.
b)
die betonung kómpost führte aber notwendig zu compest Dief. 247ᶜ, kompest, acalentum, sawer craut Dief. wb. 1470 sp. 10, 'olus', kappisz Brack Lpz. 1491 48ᵃ, Dief. gloss. 395ᶜ (16. jh. Straszb.), compist, combist Gengenbach 292 (bildlich, s. 2, 633). daraus ward notwendig weiter kompst (napocaulis rubenkompst Dief. 375ᵃ, rubenkompest Brack Lpz. 1491 48ᵃ), und diesz wieder erleichtert in komst und komps, beide bei Stieler 1313 (saures komps), niederrh. kompes (Aachener mundart 121), s. auch kompostkraut.
c)
häufiger noch mit u in der ersten silbe, das vom deutschen sprachgefühl wol ebenso herbeigeführt wurde wie das i in kirsche (s. d. I, c). schon im 12. jh. oder älter kumbost, lapastis Graff 4, 406, mhd. kumpost, kumbost lapestes wb. 1, 859ᵃ (kumpóst noch Renner 9798. 9899); kumpost voc. th. 1482 r 6ᵇ und in vocc. des 15. 16. jh. Dief. 138ᵃ. 247ᶜ. 375ᵃ (napocaulis, auch ruobencumpost, aus Brack, vgl. Renner 9775), 395ᶜ (olus). diesz dann wieder auch kumpest 247ᶜ. 318ᵃ. 395ᶜ, kumpst 247ᶜ (nd.), 138ᵃ, cumpst nov. gl. 147ᵇ (vergl. unter kompostkohl, komposthaupt) und weiter kumst, die jetzt mitteld. geltende form, aus einem nd. voc. 15. jh. schon Dief. 247ᶜ. aber auch kumpes (wie unter b kompes) Diefenbach 138ᵃ, bei Vilmar 218 noch aus Kurhessen, Schmalkalden:
so sieden wir die kumpesz stangen.
Frankf. liederb. 234, 37.
d)
aber noch manigfaltiger sind die formen: kumpust frigidarium Dief. n. gl. 182ᵇ (vgl chumbustlehen Schmeller 2, 49), ähnlich kombuskraut Nürnb. kochbuch 1727 s. 557, ebenda s. 556 'gutes cappus oder kombus-kraut einzumachen', im register Ee 2ᶜ aber steht kambes-kraut, d. h. es vermengte sich mit dem gleichbed. kappes oder kappus, daher auch kamppust: elixapium, kāppust, kappuscrut Dief. nov. gl. 147ᵇ. eigenthümlich ferner chümmost und kumost Dief. 138ᵃ, n. gl. 105ᵇ (letzteres auch Schm. 2, 49), chümost n. gl. 182ᵇ, wie neu zerdehnt aus kümst, kumst; der merkw. umlaut wol auch in kimpost für kümpost weisth. 1, 441 (oberrh. 14. jh.).
e)
endlich auch mit g (s. darüber sp. 2 unter f): gumpost mhd. (s. u. f, gompost wird auch nicht fehlen) und länger; einem zinsmanne wird erlaubt, jährlich einmal, so er sinen gumpost machet ... sol (darf) er howen ein fuͦder holzes (aus dem gemeindewalde). weisth. 1, 10; zwei fuͦder uszer dem selben holz, das er sinen gumpost gesüdet. 1, 96, beides schweiz., wie dort noch gumpist, gumpisch Stalder 1, 496, letzteres auch bei Schönsleder (s. 2). ferner gumpast Dief. 42ᶜ, gumpest n. gl. 261ᵃ, gumpst, elixavium, caps Mones anz. 7, 158 (s. Dief. 198ᶜ), gumps elsäss.: man sol in geben (den hubern an s. Martinstag als schmaus) bruderwein und brod, gumbs und käs, unz das der stern am himmel stet. weisth. 1, 685.
f)
in der bed. sind abweichungen. es gab auch rübenkompost (s. b. c). aber auch dem kumpost 'olus' unter b galt es auch für gemüsekraut überhaupt, jedenfalls in den gegenden wo das eingemachte weiszkraut das hauptgemüse bei tische war, wie nach e in der Schweiz, im Elsasz; so schon mhd.:
der nie anders enbeiʒ (zu essen bekam),
dem ist gumpost alse vleisch.
Meyer u. Mooyer 51ᵇ, 545.
aber auch in Westpreuszen ist komst, kumst kohl überhaupt, weiszer und brauner komst, s. Kuhns zeitschr. 1, 419, in Ostpreuszen kompst, kumpst weiszer kohl Hennig 131, auch schles.; in Lippe kumst m. kopfkohl Fromm. 6, 217, in Waldeck kumpes kopfkohl, weiszkraut Curtze 480ᵇ; vgl. unter kompostkohl. in Thüringen, Sachsen heiszen kumst, auch kums, weiszkrautköpfe säuerlich eingemacht, ebenso bair. gumpest, gumpes Schm. 2, 49, kumpes geseuert kraut das. aus Prasch, schwäb. gumpest, gumperst, eingemachtes mangoldkraut. Schmid 250.
2)
'eingemachtes' überhaupt, besonders früchte: compost (als hd. und nl.), salgama, cujusmodi olivae, cucumeres, pyra. Junius nom. 75ᵃ, als kütten (quitten), schlehen, nespelen (mispeln) Golius cap. 97, confitures Rädlein 178ᵇ, bei Schönsleder K 2ᵇ compost, gumpisch, salgama, allerlei kräuter, wurzen, ops so man einmacht. schon mhd. im Renner 9798 birnkumpost (so ist wol zu verbinden) als nachtisch; schlehenkompost Garg. 136ᵇ (s. sp. 179 unten), Frisch 1, 172ᶜ; poma composta, compost oder gumpistäpfel. Kirsch 1, 253ᵇ. so noch schwäb., schweiz., hier auch chriesigumpisch, eingelegte kirschen Stalder 1, 496. 2, 132. in Siebenbürgen heiszt eine schlechte traube kaͦmpestweimer f. (weinbeere) Haltrich plan 96, wol die nur zum einmachen taugt. so kommt das wort in sinn und ursprung überein mit frz. compote f., ital. composta (scil. poma etc.).
3)
mischung überhaupt, wie salbe: man macht auch ein compost von öl, salz, weisz jungfrauwachs und speichel, darmit man ihnen .. den kopf schmieret. Fischart bien. 1588 271ᵃ.
4)
einzeln auch kompost, mengedünger, düngererde, z. b. beim weinbau im Breisgau und der Schweiz, man bereitet sie durch aufhäufung verschiedner lagen erde, stroh, gras, laub u. dergl., s. Mone zeitschr. f. gesch. des Oberrh. 3, 265. 273, es ist auch eine art einmachen mit künstlicher zusammensetzung. von compostdünger ist jetzt auch anderwärts die rede. mlat. compostum mist, dunge, compostare dungen führt Kirsch 1, 253ᵇ an.
5)
kompis, kompes, komst, gelabte dicke schafmilch, obers., brandenb. (Frisch 1, 173ᵃ): der schäfer gibt von jedem melkschafe achtzehn pfennige milchgeld und alle herbst sechs kannen frischen komst und einen groszen schafkäse. Adelung; ein composz oder sawer milch. Scheraeus sprachensch. (1619) 45. sie wird wie die vorigen k. im herbst eingesotten, eingemacht zum aufbewahren, s. König zu Canitz 255, der obers. comps, kompis angibt, Voss zur Luise 3, 1, 523, der Kirchhofs gesulzter compost (s. 2, 633) so auffaszt. nd. sültemilk, preusz. glomse, glums Hennig 86.
6)
übertragen sächs. kumst, kums m. von zu dickem brei, wie stampfe, stamps, mehr tadelnd, scherzhaft; schles. ebenso z. b. von breiigem satze im tintenfasse Weinhold 49ᵇ; schweiz. gumpisch m. eiter in der wunde, auch gemengsel, unordentlicher haufe, s. Stalder 1, 496. nl. kompost mischmasch.
7)
komst m., weiszer bernstein, wegen ähnlichkeit mit dem komstkraute. Adelung. komps Nemnich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1686, Z. 58.

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Zitationshilfe
„compost“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/compost>, abgerufen am 16.10.2021.

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